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Klappt es mit einem Anschluss fürs 9-Euro-Ticket?

Für den öffentlichen Nahverkehr ist es ein spektakulärer Sommer: Die Tickets für 9 Euro ziehen viele Menschen an - aber das Ende naht aber. Was tun, damit die Aufbruchstimmung nicht verpufft?

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Zur Halbzeit des 9-Euro-Tickets sieht Verkehrsminister Wissing wesentliche Ziele erreicht.
Zur Halbzeit des 9-Euro-Tickets sieht Verkehrsminister Wissing wesentliche Ziele erreicht. © dpa/Frank Rumpenhorst

Berlin. Beim 9-Euro-Ticket für Busse und Bahnen ist es gerade wie beim Zugfahren: Klappt es mit einem Anschluss? Die Sonderaktion zur Entlastung von Millionen Fahrgästen in der Energiekrise hat jetzt Halbzeit. Sie läuft bis Ende August.

Was kommt danach? Die Debatte über einen attraktiveren öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist voll im Gange - auch wenn Erkenntnisse genauer auszuwerten sind und die Politik erst im Herbst weitere Systemfragen klären will. Modelle liegen auf dem Tisch. Mit einem nahtlosen Folgeangebot dürfte es aber schwer werden.

Möglich wäre ein Anschluss nach Worten von Bundesverkehrsminister Volker Wissing Ende des Jahres oder Anfang 2023. Anfang November sollten Daten zu dem Ticket vorliegen, die bei der Bewertung helfen sollten, sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Welche Rolle spielt der Preis? Welche Rolle spielt das einfache Handling oder die deutschlandweite Geltung?" Um solche Fragen werde es dabei gehen. "Da wird ja sehr viel gemutmaßt, aber so richtig weiß man es nicht. Darum brauchen wir die Ergebnisse der Evaluation."

Volker Wissing will einen Anstoß dazu geben, den Tarifdschungel im Nahverkehr zu lichten.
Volker Wissing will einen Anstoß dazu geben, den Tarifdschungel im Nahverkehr zu lichten. © Andreas Arnold/dpa

Die Zwischenbilanzen von Bund, Ländern und Branche fallen ziemlich einhellig aus. Das Ticket sei ein "Riesenerfolg", sagte Wissing. "Wir haben 21 Millionen Tickets zusätzlich zu den 10 Millionen Abonnenten verkauft. Das hat der ÖPNV lange nicht gesehen." Unter den 31 Millionen Nutzern seien viele Berufspendler, aber auch Tagesausflügler. Weniger als 0,1 Prozent der Züge waren demnach so stark ausgelastet, dass Sicherheitsmitarbeiter eingreifen mussten. Fahrgastzahlen seien zurück auf dem Niveau der Vor-Corona-Zeit.

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Solche Sonderkonditionen hat es bundesweit auch noch nicht gegeben: Für jeweils 9 Euro im Monat kann man im Juni, Juli und August in alle Busse und Bahnen des Regional- und Nahverkehrs in ganz Deutschland steigen - viel günstiger als normale Monatstickets, die zudem nur in den regionalen Verbundbereichen gelten. Die Aktion soll damit auch ein Anreiz für Autofahrer sein, überhaupt mal an die Öffentlichen zu denken. Was Ticketkäufer freut, kostet den Bund für die drei Monate allerdings 2,5 Milliarden Euro zusätzlich als Ausgleich für Einnahmeausfälle bei den Verkehrsunternehmen.

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Wenn bald wieder die alten Tarife gelten und sich sonst nichts ändert, wäre es eine recht harte Bremsung. Folgevorschläge gibt es schon mehrere:

Vorschlag 1: Die Verlängerung

  • Die Linkspartei forderte angesichts hoher Gaspreise, das 9-Euro-Ticket bis Jahresende zu verlängern. Die Grüne Jugend macht sich sogar für ein dauerhaftes 9-Euro-Ticket stark. Die Kosten lägen nach früheren Angaben Wissings außerhalb der Bedingungen der Pandemie bei etwas mehr als einer Milliarde Euro im Monat.

Vorschlag 2: Das 29-Euro-Ticket

  • Die Verbraucherzentralen haben ein leicht buchbares Ticket für Busse und Bahnen im Nahverkehr zum monatlichen Preis von 29 Euro vorgeschlagen - also für etwa einen Euro pro Tag: "Das würde in der Preiskrise alle entlasten, insbesondere aber Haushalte mit wenig Geld, und zudem der nötigen Verkehrswende mehr Schub geben."

Vorschlag 3: Das 69-Euro-Ticket

  • Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schlägt ein bundesweit gültiges ÖPNV-Klimaticket für 69 Euro im Monat als dauerhaftes Angebot vor, das ab 1. September machbar wäre. Es würde aber nicht wie das 9-Euro-Ticket automatisch für Abonnenten gelten. Kostenpunkt für den Staat: zwei Milliarden Euro im Jahr.

Vorschlag 4: Das 365-Euro-Ticket

  • Schon länger diskutiert wird über ein Jahresticket für 365 Euro, also für einen Euro am Tag, das es in Österreich gibt. Die Umweltorganisation Greenpeace warnte, Wissing dürfe den Erfolg des 9-Euro-Tickets nicht mit einer Unterbrechung aufs Spiel setzen. Kommen müssten daher eine lückenlose Fortführung bis Jahresende und dann ab 2023 ein "Klimaticket" für maximal einen Euro pro Tag.

Wissing will sich noch nicht auf eine Nachfolgelösung festlegen. "Wir brauchen ein Modell, das in die Haushalte der Länder und auch in den Haushalt des Bundes passt." Mit den Ländern verabredet ist zudem, dass im Herbst die Ergebnisse einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zur generellen Zukunft und Finanzierung des ÖPNV vorliegen sollen.

SPD-Fraktionsvizechef Detlef Müller sieht als wichtigste Erkenntnis des 9-Euro-Tickets, dass das Angebot nicht nur günstig, sondern vor allem einfach sein müsse. Bestenfalls also: "Einsteigen, Fahren, Aussteigen - egal wann, egal wohin. Alles mit einem Ticket", sagte er der dpa. Das müssten auch eventuelle Nachfolgeangebote liefern. Und klar sei, dass ein ÖPNV zum Quasi-Nulltarif nicht finanzierbar sei. "Preisanreize dürfen nicht zulasten des Betriebs und des Ausbaus des ÖPNV gehen."

Wissing sagte: "Es ist ja nicht so, dass der niedrigste Preis immer die größte Zufriedenheit herbeiführt. Wenn die Leistung dahinter nicht stimmt, dann nutzt es niemandem, für einen Euro fahren zu können, aber die Takte nicht passen." Im Visier hat er auch den Tarifdschungel. "Wir haben ja viele Bahnhöfe, in denen teils mehrere Fahrkartenautomaten stehen, die kein Mensch so richtig versteht." (dpa)