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Das sind die Fahrradtrends für 2021

Was neueste E-Bikes leisten, wie Akkus unsichtbar werden und für wen der Laden Rad3 in Leipzig eine gute Adresse ist.

Lastenräder werden auch in Sachsens Städten immer populärer. Wem das Fahren mit reiner Pedalkraft zu anstrengend ist, der kann sich elektrisch unterstützen lassen. Aber das hat seinen Preis.
Lastenräder werden auch in Sachsens Städten immer populärer. Wem das Fahren mit reiner Pedalkraft zu anstrengend ist, der kann sich elektrisch unterstützen lassen. Aber das hat seinen Preis. © pd-f

Ungebremste Lust aufs E-Bike: In fast jedem vierten Fahrrad, das vergangenes Jahr in Deutschland verkauft worden ist, steckt ein Elektromotor. Tendenz für 2020 und 2021: weiter steigend. Dennoch sei der Ausblick fürs nächste Fahrradjahr nicht nur rosig, sagt David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad in Göttingen, einem Expertenteam für Themen rund ums Radfahren. Die SZ fragte ihn nach den Gründen.

Herr Koßmann, bevor wir über Trends des Fahrradjahres 2021 sprechen: Wie lief das Jahr 2020 bislang?

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Es war in vielerlei Hinsicht besonders. Die Corona-Krise hat Europas Fahrradbranche getroffen, als die meisten Waren für die Saison schon da waren und verkauft werden konnten. Da die Fahrradläden in manchen Bundesländern durchweg geöffnet waren oder zumindest bald wieder öffnen durften, erfreuten sie sich enormen Zuspruchs. Doch die Euphorie ist abgeebbt.

Alltagsrad: Manchem E-Bike sieht man die elektrische Kraft nicht an. Beim Souplesse GRX Lady von Cycletech sitzt der Motor in der Hinterradnabe und der 250-Wattstunden-Akku im Unterrohr. Preis: ab 3.219 €
Alltagsrad: Manchem E-Bike sieht man die elektrische Kraft nicht an. Beim Souplesse GRX Lady von Cycletech sitzt der Motor in der Hinterradnabe und der 250-Wattstunden-Akku im Unterrohr. Preis: ab 3.219 € © Cycletech

Warum denn?

Es gab viel mehr Leute als sonst, die ein neues Fahrrad kaufen wollten. Viele haben zum Beispiel einen Teil ihres Urlaubsbudgets dafür verwendet, sich ein E-Bike zu kaufen, mit dem sie schon länger geliebäugelt hatten. Manch einer musste aber feststellen, dass längst nicht mehr alle Modelle, Größen oder Farben erhältlich waren.

Der Chef der E-Bike-Firma Vanmoof hat kürzlich gesagt, man habe 2020 die Produktionskapazitäten verdreifacht, und das habe immer noch nicht gereicht.

Kann ich mir vorstellen. Wobei Vanmoof von den Stückzahlen her noch nicht zu den Großen zählt. Da können andere Firmen schneller skalieren. Andererseits muss man sich vorstellen, wie Lieferketten ächzen, wenn der gesamte Markt an Shimano herantritt und die doppelte Anzahl bestimmter Schaltkomponenten ordert. Das Gleiche passiert bei den Akkuproduzenten.

Erstrad: Die neuen, leichteren und technisch optimierten Kinderräder der Marke Puky heißen Youke. Das 16-Zoll-Modell eignet sich für Kinder mit einer Körpergröße von 1,05 bis 1,25 Meter. Preis: ab 209,99 €
Erstrad: Die neuen, leichteren und technisch optimierten Kinderräder der Marke Puky heißen Youke. Das 16-Zoll-Modell eignet sich für Kinder mit einer Körpergröße von 1,05 bis 1,25 Meter. Preis: ab 209,99 € © Puky

Der Zeitpunkt ist also ungünstig, um auf Schnäppchen bei noch vorhandenen 2020er Modellen zu spekulieren?

Absolut. Natürlich können Sie Glück haben, weil der Händler des Vertrauens noch genau das hat, was Sie brauchen. Die meisten Firmen, mit denen wir zuletzt gesprochen haben, sind eher darauf erpicht, die 2021-er Modelle an den Start zu bringen. Einige liefern schon im September aus. Es sind gerade wahnsinnig viele Menschen auf der Suche nach einem Fahrrad. Wer bald eins kaufen will und es nicht mehr in seiner Wunschfarbe findet, sollte vielleicht lieber das lieferbare Modell in einer anderen Farbe nehmen.

Pedelecs sind vor allem bei Senioren beliebt. Ziehen jetzt die Jüngeren nach?

Auf jeden Fall: Familien, Sportler, Pendler... Neulich bin ich im Stadtwald von Göttingen zwei Pärchen begegnet, die waren geschätzt Anfang 30 und fuhren alle mit E-Bikes zum Picknick. Dazu kommen E-Mountainbiker: Immer mehr Jüngere leihen sich solche Modelle aus, um damit auf Berge oder durch den Wald zu fahren. Leider sieht man oft, dass es an Erfahrung mangelt, dass jemand ohne Helm unterwegs ist oder beim Bergabfahren Probleme bekommt. Mein Bruder arbeitet seit Kurzem als Bike-Guide in der Schweiz. Im Engadin führt er Teilnehmer mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten durch die Berge. Der erzählt kuriose Geschichten.

Können die Hersteller die fehlenden Fähigkeiten technisch kompensieren?

Natürlich kann man Leuten helfen, die mit den extrem bissigen hydraulischen Scheibenbremsen nicht zurechtkommen, indem man ein Anti-Blockier-System installiert. Damit wird zumindest verhindert, dass sich jemand überschlägt.

Sportrad: Im E-Mountainbike-Sektor wird weiter hochgerüstet. Das Haibike Allmtn 6 geht mit 600-Wattstunden-Akku und Yamaha-PW-X2-Motor (bis 360 Prozent Unterstützung) an den Start. Preis: ab 5.699 €
Sportrad: Im E-Mountainbike-Sektor wird weiter hochgerüstet. Das Haibike Allmtn 6 geht mit 600-Wattstunden-Akku und Yamaha-PW-X2-Motor (bis 360 Prozent Unterstützung) an den Start. Preis: ab 5.699 € © Hersteller

Das reicht aber noch nicht?

Nein. Hersteller, Händler und Verleiher gehören stärker in die Pflicht genommen, wenn es um die Ausbildung künftiger E-Biker geht. Kein Neuling sollte für 30 Euro am Tag ein potentes E-Mountainbike unter den Hintern bekommen und einfach drauflosfahren. Jeder sollte einen Helm tragen und gewisse Trail-Etikette erlernen. Das dient dem Eigen- und dem Fremdschutz. Die Leute sollten besser an das Thema E-Bike herangeführt werden.

Welche Leistungsdaten erreichen denn die neuesten E-Bikes?

Da gibt es unterschiedliche Kategorien. Für ein normales Pedelec, das bis 25 Stundenkilometer elektrisch unterstützt, gilt nach wie vor eine maximale Nenndauerleistung von 250 Watt. Dieser Wert ist vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Natürlich können die modernen Motoren kurzzeitig viel mehr leisten.

Wie viel mehr?

Bis zu 1000 Watt. Ich bin kürzlich mit einem Modell von Haibike gefahren, dessen Motor hat 120 Newtonmeter Drehmoment. Das fühlte sich in den stärkeren Unterstützungsstufen schon nicht mehr so richtig nach Fahrradfahren an. Zum Vergleich: Stadträder drehen mit maximal 40 bis 50 Newtonmetern.

Antrieb: Wartungsarme Riemenantriebe waren bisher vor allem Oberklasserädern vorbehalten. Sogenannte CDC-Antriebe des Ausrüsters Gates finden sich ab dem Modelljahr 2021 auch an Mittelklasse-Pedelecs.
Antrieb: Wartungsarme Riemenantriebe waren bisher vor allem Oberklasserädern vorbehalten. Sogenannte CDC-Antriebe des Ausrüsters Gates finden sich ab dem Modelljahr 2021 auch an Mittelklasse-Pedelecs. © Gates

Beim Zulieferer Bosch heißt es, ein großer Trend für 2021 sei Integration. Was ist damit gemeint?

Es geht zum einen darum, das E-Bikes kaum noch als solche erkennbar sind. Der Motor sitzt beispielsweise in der Hinterradnabe und ist hinter der Schaltung kaum zu sehen. Der Akku steckt in einem so schlanken Unterrohr, dass man nicht denken würde, dass dieses Fahrrad elektrisch fährt. Der Nachteil solcher Modelle liegt in der geringeren Reichweite. Kein Wunder, wenn der kleinere Akku nur eine Kapazität von um die 250 Wattstunden hat. Sonst sind heute eher 500 bis 630 Wattstunden Standard. Integration bedeutet andererseits auch, dass der Motor so arbeitet, dass der Fahrer es gar nicht oder nur positiv bemerkt. Heutzutage sorgen Sensoren und Algorithmen für eine extrem harmonische Unterstützung beim Fahren. Das macht ja gerade den Reiz des E-Bikes aus: Man fühlt sich, als hätte man einen guten Tag und ständig Rückenwind.

Ist es üblich, dass Akkus in schlanken Rädern dann nicht mehr zum Laden entnommen werden können?

Es kommt aus konstruktiven Gründen immer häufiger vor. Wobei das auch weniger wichtig ist. Wenn ein E-Bike nur noch 15 Kilogramm wiegt, kann man es auch mal dorthin tragen, wo es eine Steckdose gibt.

Sollten Pendler nicht eher auf einen entnehmbaren Akku setzen?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es hängt sehr von der Nutzungsrealität ab. Wenn Sie die Option haben, in einer Tiefgarage Ihrers Arbeitgebers zu laden, ist ein kleiner Akku völlig okay. Falls nicht, sollten Sie lieber einen großen nehmen. Gleiches gilt, wenn Sie weite Strecken fahren, viel Gepäck transportieren oder Anhänger ziehen wollen. Manche kaufen sich dann ihr E-Bike mit Doppelakku. Damit kommen sie auf 1.000 bis 1.200 Wattstunden – das reicht je nach Topografie für 150 Kilometer .

Gibt es E-Bikes, die nicht für den Anhängerbetrieb geeignet sind?

Ja. Entscheidend ist, was der Hersteller freigibt. Das hängt sehr von der Konstruktion, aber auch von der Motorkonfiguration ab. Schaltung, Achse, Rahmen – alles spielt eine Rolle. Ich kenne beispielsweise nur wenige Karbon-Rahmen, die für den Anhängerbetrieb geeignet sind.

Diebstahlschutz: Immer teurere Räder brauchen guten Schutz. Das 1,10 Meter lange Faltschloss Abus Bordo 6500A SmartX schließt per Bluetoothsignal und ist im Alarmmodus 100 Dezibel laut. Preis: ab 249,95 €
Diebstahlschutz: Immer teurere Räder brauchen guten Schutz. Das 1,10 Meter lange Faltschloss Abus Bordo 6500A SmartX schließt per Bluetoothsignal und ist im Alarmmodus 100 Dezibel laut. Preis: ab 249,95 € © Abus

Was gibt es Neues bei Lastenrädern?

Den Trend hält an, das Segment wächst weiter. In den Städten spricht die Nutzungsrealität zunehmend gegen das Auto. Noch vor fünf Jahren waren Lastenräder Exoten im Straßenbild. Heutzutage gibt es in vielen Städten Anbieter, bei denen man ein Lastenrad ausleihen kann, wenn man Blumenerde vom Baumarkt holen muss. Ein Indikator, dass sich etwas zum Trend entwickelt, ist die Tatsache, dass Spezialgeschäfte eröffnen. In Sachsen ist das zum Beispiel der Laden „Rad3“ in Leipzig. Das Thema Lastenrad wird zudem längst nicht mehr nur von Tüftlern besetzt, sondern von großen Playern. Riese & Müller etwa hatte vor fünf Jahren ein Lastenrad im Sortiment. Heute sind es sechs. Alle setzen auf ein ähnliches Konzept.

Und welches ist das?

Die meisten sind nach dem Long-John-Prinzip gebaut. Man hat also die Last zwischen Lenker und Vorderrad. Andere Bauarten sind Longtails und Midtails. Beim Longtail sitzt das Hinterrad um bis zu eine Radlänge hinter dem Sattel, was den Gepäckträger verlängert. Ein Midtail ist nicht ganz so lang. Das hat den Vorteil, dass es sich wie ein normales Fahrrad fährt. Andere Hersteller bauen Dreiräder, die durch stabilen Stand und höhere Lastkapazität punkten.

Wie viel Gewicht kann man mit aktuellen Modellen bewegen?

Das hängt von der Konstruktion ab. Bei einem normalen Long-John-Rad sollten 50 bis 60 Kilo immer drin sein. Viel mehr schafft die sogenannte Radkutsche. Die bietet hinter dem Fahrersitz Platz für eine Euro-Palette. Damit kann man etwa 300 Kilo bewegen. Mittlerweile gibt es auch Lastenradanhänger mit eigenem Motor. Da ist unheimlich viel möglich, aber auch nötig. Denn es zeigt sich, dass zwischen der Umhängetasche und Mercedes Sprinter viel Spielraum ist. Das sieht man ja auch an den Paketdiensten, die Pilotprojekte mit Lastenrädern betreiben. So etwas werden wir künftig noch häufiger sehen. Städte wie Berlin und Hamburg sind hier Vorreiter.

Sicherheit: Der Airspy-Sensor von SKS Germany kontrolliert ständig den Luftdruck und funkt den Wert an den Radcomputer oder das Smartphone. Strom liefert eine Knopfzelle. Preis pro Paar: 99 €
Sicherheit: Der Airspy-Sensor von SKS Germany kontrolliert ständig den Luftdruck und funkt den Wert an den Radcomputer oder das Smartphone. Strom liefert eine Knopfzelle. Preis pro Paar: 99 € © SKS Germany

Stichwort Sicherheit: Fahrradhändler raten gern zur Faustformel, man solle ein Zehntel des Fahrradwertes in ein Schloss investieren. Stimmt das?

Ja, das stimmt.

Wie aber sichert man dann ein 3000-Euro-Pedelec? So teure Schlösser gibt es doch gar nicht.

Stimmt. Wobei man je nach Abstellort erwägen sollte, zwei Schlösser zu verwenden. Wenn ich auf Dienstreise gehe und mein Rad irgendwo unbewacht abstellen muss, würde ich es mit zwei verschiedenen Schlössern sichern. Die können dann zusammen schon 300 Euro kosten.

Zu welchem Schlosstyp raten Sie?

Ich bin von dem Prinzip der Scheibenschließung überzeugt, wie es bei Abus und Kryptonite verwendet wird. Diese Schlösser sind so sicher, dass selbst die Sportsfreunde der Sperrtechnik (ein Verein, der sich mit der gewaltlosen, zerstörungsfreien Öffnung von Schlössern beschäftigt, Anm. d. A.) sie nicht aufbekommen haben. Hier können Fahrraddiebe nicht mit Schlagschlüsseln arbeiten wie bei vielen anderen Systemen. Ansonsten gilt: Je schwerer das Schloss, desto sicherer. Diebe spezialisieren sich in der Regel auf eine Art Schloss. Daher ist es sinnvoll, zwei verschiedene Schlösser zu verwenden. Ein Falt- und ein Bügelschloss sind eine gute Kombination. Übrigens: Im Schnitt braucht ein Dieb maximal drei Minuten, bis er ein Schloss geknackt hat. Verwenden Sie also Schlösser, von dem Sie annehmen, dass sie diese kritischen drei Minuten überstehen.

Was halten Sie von den neuesten Schlössern, die per Funksignal öffnen und schließen?

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Mit denen habe ich noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt. Mir persönlich missfällt der Gedanke, mein Smartphone per Bluetooth als Schlüssel zu benutzen. Andere Radfahrer sind da sicherlich aufgeschlossener.

Das Gespräch führte Andreas Rentsch. 

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