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Diese Sachsen machen E-Transporter erschwinglich

Ari Motors aus Borna verkauft Nutzfahrzeuge mit Batterieantrieb. Die Kunden greifen zu – auch ohne Aussicht auf Zuschüsse.

Daniel Jacob (l.) und Thomas Kuwatsch verkaufen den wohl kleinsten Elektrotransporter Deutschlands mit Straßenzulassung.
Daniel Jacob (l.) und Thomas Kuwatsch verkaufen den wohl kleinsten Elektrotransporter Deutschlands mit Straßenzulassung. © Anja Jungnickel

Spitznamen sind ein Indiz dafür, dass Autobesitzer eine emotionale Bindung zu ihrem fahrbaren Untersatz aufbauen. Getränkehändler Andreas Torke aus Krailling bei München hat seinen Transporter „Biene“ getauft. Der Name passt wie der Schukostecker in die Dose: Dank des Elektroantriebs summt der Ari 458 von „Andys flinker Quelle“, statt zu knattern und Auspuffgase auszustoßen.

Hinter den drei Buchstaben steckt ein sächsisches Unternehmen – Ari Motors aus Borna bei Leipzig. Das 2016 gegründete Start-up wirbt damit, die kleinsten Elektrotransporter mit Straßenzulassung in Deutschland anzubieten. Gebaut werden die Fahrzeuge in China, endmontiert in der Nähe von Prag. Welchen Aufbau und welche Ausstattung das gewünschte Basismodell bekommen soll, entscheidet jeder Kunde selbst. Es gibt Kofferaufbauten, Alkoven, Pritschen oder Kipper, selbst Kühlzellen oder Klappdächer mit Solarzellen sind möglich. „Wir sind schon nah dran an der Eier legenden Wollmilchsau“, ist Mitgründer Thomas Kuwatsch überzeugt.

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Trotz der Auswahl bleiben die Preise moderat. Der günstigste 458er mit Standardkoffer ist ab 12.100 Euro netto zu haben. Vergleichbare Modelle von Konkurrenten wie Goupil oder Alkè kosten deutlich mehr. Hauptzielgruppe von Ari Motors seien Gewerbetreibende, die den CO2-Ausstoß ihres Fuhrparks senken wollen, sagt Kuwatsch. Diese Klientel werde immer zahlreicher – und umfasse Handwerker und Cateringservices ebenso wie kommunale Bauhöfe oder Hausmeisterdienste. Selbst Konzerne wie Bayer oder Coca-Cola gehören zur Kundschaft. In Chemnitz fahren seit einigen Tagen mehrere Ari-Transporter, um die E-Scooter des Verleihers Tier Mobility zum Aufladen abzuholen und danach wieder über die Stadt zu verteilen.

Branchenkenner bescheinigen dem Markt für batteriebetriebene Nutzfahrzeuge solides Wachstumspotenzial. Laut einer Analyse des Softwaredienstleisters Webfleet Solutions könnten 61 Prozent der in Europa zugelassenen Unternehmensfahrzeuge mit Verbrennungsmotoren durch elektrische Modelle ersetzt werden.

Ari Motors habe ursprünglich die Idee verfolgt, Besitzer der in DDR-Zeiten populären Multicar-Transporter zum Umsteigen zu bewegen, sagt Kuwatsch. „Es stellte sich aber schnell heraus, dass dies viel zu klein gedacht war.“ Längst seien Gewerbekunden bereit, auch ihre Hochdachkombis oder Transporter mit Euro-4-Abgasnorm gegen ein Elektrofahrzeug einzutauschen. Schließlich ermöglicht der Wechsel freie Fahrt durch jede Umweltzone.

Reichweitenangst? Sei kein großes Thema mehr, sagt der 45-Jährige. „Als wir angefangen haben, waren unsere Batterien gerade mal für 120 Kilometer gut. Trotzdem haben wir Kunden gefunden. Weil die eben nur 40 Kilometer am Tag fahren wollten.“ Geladen werden kann an jeder Haushaltssteckdose. Bis die Bleigel-Säure-Batterien wieder voll sind, vergehen sechs bis acht Stunden. Wer mehr Reichweite will, könne seit Januar einen Lithium-Eisenphosphat-Akku ordern, sagt Kuwatschs Geschäftspartner Daniel Jacob. „Mit dem schafft man dann bis zu 500 Kilometer.“

Ob solche Entfernungen in der Praxis wirklich ohne Ladestopp gefahren werden müssen, bleibt Ansichtssache. Die Proberunde mit einem Ari 458 offenbart jedenfalls, wie stark der Winzling auf Kurzstrecken zugeschnitten ist. Serienmäßig sind weder Klimaanlage noch Servolenkung an Bord. Dank des geringen Gewichts und der kleinen Reifen sei der Lenkkraftverstärker aber verzichtbar, meint Thomas Kuwatsch. Wer anderer Meinung ist, muss 490 Euro zusätzlich investieren.

Und noch ein anderes Manko hat das 1,29 Meter schmale Wägelchen. Durch seine Einstufung als Elektroleichtfahrzeug wird der Kauf nicht per Umweltbonus des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bezuschusst. Der frühere verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag und derzeitige Dresdner Baubürgermeister, Stephan Kühn, hat diese Praxis mehrfach kritisiert und gefordert, der Staat müsse endlich auch Kaufprämien für Modelle der EG-Fahrzeugklassen L6e und L7e einführen. Im Gegenzug könnten Zuschüsse für Plug-in-Hybrid-Autos gestrichen werden. Erfolg hatte der Vorstoß seiner Partei aber bislang nicht.

Die Geschäfte von Ari Motors laufen dennoch ordentlich. Als nächsten logischen Schritt will das Unternehmen seine Endmontage von Tschechien nach Borna verlagern. Verhandlungen über ein geeignetes Grundstück für einen Hallenneubau laufen bereits. Laut Prognose könnten 2024 mehr als 3.000 Fahrzeuge ausgeliefert werden. Doch selbst solche Größenordnungen seien „lächerlich niedrig für unsere Mitbewerber“, weiß Kuwatsch. „Das schreckt uns aber in keinster Weise ab.“

Die „Biene“ von Getränkehändler Andreas Torke ist mittlerweile drei Jahre alt und hat in dieser Zeit rund 30.000 Kilometer zurückgelegt. Abgesehen von gelegentlichen Problemen mit dem Akku sei er vom Konzept des Ari-Transporters nach wie vor überzeugt, sagt Torke. „Die Laufleistung ist beachtlich für so ein Auto.“

Die Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge auf der Webseite des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) finden Sie hier (Stand: 7.05.2021).


Weitere kompakte Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb

Alkè: Die Modelle der ATX-Serie bewältigen bis zu 1,63 Tonnen Nutzlast und maximal 4,5 Tonnen Anhängelast. Als Reichweite gibt der norditalienische Hersteller 150 Kilometer an. Fahrerkabinen gibt es für zwei oder vier Personen, die Zahl der Ausstattungsvarianten ist dreistellig. Alkè ist seit 25 Jahren auf dem Markt vertreten.
Alkè: Die Modelle der ATX-Serie bewältigen bis zu 1,63 Tonnen Nutzlast und maximal 4,5 Tonnen Anhängelast. Als Reichweite gibt der norditalienische Hersteller 150 Kilometer an. Fahrerkabinen gibt es für zwei oder vier Personen, die Zahl der Ausstattungsvarianten ist dreistellig. Alkè ist seit 25 Jahren auf dem Markt vertreten. © Hersteller
Paxster: Der in Norwegen gebaute Paxster wird in Deutschland unter dem Namen Ökoflitzer verkauft. Den Vertrieb verantwortet die MVD GmbH in Dresden, eine Tochter der DDV-Mediengruppe, die auch die SZ herausgibt. Der bis zu 45 km/h schnelle Minitransporter mit bis zu 100 Kilometern Reichweite ist vor allem für Zusteller konzipiert.
Paxster: Der in Norwegen gebaute Paxster wird in Deutschland unter dem Namen Ökoflitzer verkauft. Den Vertrieb verantwortet die MVD GmbH in Dresden, eine Tochter der DDV-Mediengruppe, die auch die SZ herausgibt. Der bis zu 45 km/h schnelle Minitransporter mit bis zu 100 Kilometern Reichweite ist vor allem für Zusteller konzipiert. © Hersteller
Tropos: Able XT heißt der 1,40 Meter breite Elektrotransporter der deutschen Firma Tropos Motors. Das Fahrzeug ist mit verschiedenen Aufbauten, aber immer mit Lithium-Ionen-Akku (130 oder 260 km Reichweite) erhältlich und fährt maximal 61 km/h schnell. Als Nutzlast gibt der Hersteller je nach Konfiguration bis zu 700 Kilogramm an.
Tropos: Able XT heißt der 1,40 Meter breite Elektrotransporter der deutschen Firma Tropos Motors. Das Fahrzeug ist mit verschiedenen Aufbauten, aber immer mit Lithium-Ionen-Akku (130 oder 260 km Reichweite) erhältlich und fährt maximal 61 km/h schnell. Als Nutzlast gibt der Hersteller je nach Konfiguration bis zu 700 Kilogramm an. © Hersteller
Goupil: Die 1996 in Frankreich gegründete Firma baut kompakte Leichtfahrzeuge mit E-Antrieb und Reichweiten von bis zu 150 Kilometern. Dabei sind Nutzlasten von bis zu 1,2 Tonnen machbar. In Sachsen gibt es Goupil-Partner in Dresden, Bad Lausick und Schwarzenberg. Seit 2011 gehört das Unternehmen zum US-Hersteller Polaris Industries.
Goupil: Die 1996 in Frankreich gegründete Firma baut kompakte Leichtfahrzeuge mit E-Antrieb und Reichweiten von bis zu 150 Kilometern. Dabei sind Nutzlasten von bis zu 1,2 Tonnen machbar. In Sachsen gibt es Goupil-Partner in Dresden, Bad Lausick und Schwarzenberg. Seit 2011 gehört das Unternehmen zum US-Hersteller Polaris Industries. © Hersteller

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