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Mitfahren ja, aber bitte bequem

Fahrten zu teilen, wird immer attraktiver. Doch nicht in jedem Fall nutzen Menschen diese Option, finden Dresdner Wissenschaftler heraus.

Je mehr Mitfahrer es gibt, desto mehr Haltepunkte bis zum eigenen Ziel sind notwendig. Ein Argument gegen das
Ride-Sharing?
Je mehr Mitfahrer es gibt, desto mehr Haltepunkte bis zum eigenen Ziel sind notwendig. Ein Argument gegen das Ride-Sharing? © 123rf.com/Andrey Popov

Die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit ist wahrscheinlich fast so alt wie das Automobil selbst. Fragten Menschen früher: „Kann ich bei dir mitfahren?“, sorgen heute Apps verschiedener Anbieter dafür, dass die richtigen Leute zusammen im Fahrzeug sitzen. Gerade in Großstädten wird diese Form des Ride-Sharings, also des Teilens von Fahrten, immer beliebter. Doch welche Gründe gibt es dafür und ist diese Art des Mobilseins überhaupt bequem? Ein Dresdner Forscherteam ging diesen Fragen nun nach.

Das interdisziplinäre Team der TU Dresden an der von Marc Timme geleiteten Professur für Netzwerkdynamik hat die Motivation von Menschen untersucht, Angebote geteilter Mobilität zu nutzen. Als Grundlage für ihre Analysen nutzten sie die Daten von insgesamt 360 Millionen Fahrtanfragen in den US-amerikanischen Städten New York City und Chicago aus dem Jahr 2019. Beim Ride-Sharing befördert ein Fahrzeug mehrere Fahrgäste gleichzeitig, indem es zwei oder mehr Fahrtwünsche mit ähnlichem Start- und Zielort kombiniert.

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Dieses Konzept kann einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen Mobilität in Städten leisten. Die Akzeptanz solcher Angebote leitet sich aber aus den Bedürfnissen und dem Verhalten der Menschen ab. So bieten geteilte Fahrten zwar einen finanziellen Vorteil, es müssen aber möglicherweise Einschränkungen im Komfort und bei der Fahrtdauer in Kauf genommen werden. Aus diesen Faktoren ergeben sich unterschiedliche Verhaltensmuster, die die Forscher aus dem Beobachtungszeitraum ableiteten.

Mehr Nutzer, weniger Nutzung

Am effizientesten ist Ride-Sharing an Orten mit hoher Nachfrage und vielen ähnlichen Fahrtanfragen. Doch ob und unter welchen Bedingungen die Menschen tatsächlich bereit sind, Ride-Sharing anzunehmen, war bisher schwer zu beantworten. In ihrer Studie entschlüsseln die Wissenschaftler die komplexe Anreizstruktur, die der Entscheidung für oder gegen eine geteilte Fahrt zugrunde liegt. In einem spieltheoretischen Modell beschreiben sie das Verhalten aller Nutzer, die Fahrten von einem Ort aus buchen, und zeigen, wie die Interaktionen zwischen einzelnen Ride-Sharing-Nutzern zu zwei qualitativ unterschiedlichen Akzeptanzmustern führen.

Bei der einen Variante ist die Bereitschaft, Fahrten zu teilen, gleichbleibend hoch. Bei der anderen nimmt die Offenheit für geteilte Fahrten jedoch ab, je höher die Nachfrage nach Fahrten insgesamt steigt. Bei insgesamt wenigen Nutzern im System wächst die Zahl von Ride-Sharing-Buchungen zwar mit der Anzahl der Fahrtanfragen, bei vielen Nutzern flacht die Nutzung jedoch ab. Der relative Anteil an geteilten Fahrtanfragen wird also kleiner – obwohl bei hoher Nachfrage die Chancen steigen, dass weniger Umweg in Kauf genommen werden muss, da sich Fahrtrouten optimieren lassen.

Lieber teurer, dafür allein

„Fahrgäste spekulieren darauf, zwar den günstigeren Fahrpreis im Tarif der geteilten Fahrten zu nutzen, aber aufgrund einer geringen Nachfrage nach Fahrten dennoch alleine und damit direkt von A nach B befördert zu werden“, erklärt David Storch, Doktorand an der Professur für Netzwerkdynamik und Erstautor der Studie. Bei hoher Nachfrage, also beispielsweise zu den typischen Stoßzeiten, ist die Aussicht auf eine Fahrt als alleiniger Passagier geringer. „Fahrgäste verlieren fast sicher Komfort durch eine geteilte Fahrt. Sie tendieren häufiger dazu, gleich den teureren Tarif zu buchen, um alleine zu fahren.“

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Die anhand der Modellierung gefundenen Nachfragemuster konnten die Forscher in einer Analyse von der über 360 Millionen Fahrtwünschen nachweisen und somit ihr Model stützen. Die Analyse zeigt, dass je nach Ausgangspunkt der Fahrt beide Verhaltensmuster in den Städten parallel existieren. Malte Schröder, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur, interpretiert die Ergebnisse so: „Da beide Verhaltensmuster in den Städten koexistieren, ist vermutlich bereits eine moderate Steigerung der finanziellen Anreize ausreichend, um die Akzeptanz für Ride-Sharing auch an anderen Orten und für andere Nutzergruppen stark zu erhöhen.“

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