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Pirna fährt jetzt unter Strom

Stadtwerke und Stadt fusionieren schrittweise ihre Fuhrparks. Den Start markiert ein Elektroauto, mit dem bald jedermann fahren kann.

Stadtwerke-Chef Peter Kochan (l.), Pirnas OB Klaus-Peter Hanke, neues E-Auto: Bald kann jedermann damit fahren.
Stadtwerke-Chef Peter Kochan (l.), Pirnas OB Klaus-Peter Hanke, neues E-Auto: Bald kann jedermann damit fahren. © Egbert Kamprath

Am Anfang bringt gleich mal der berühmte Vorführeffekt den Plan etwas durcheinander. Das Ladekabel will sich nicht vom Auto trennen, doch solange es noch an der Strippe hängt, lässt es sich nicht in Gang setzen.

Die Umstehenden rätseln und tüfteln. Doch mit der passenden Steuer-App auf dem Mobiltelefon ist schnell die Reihenfolge gefunden, wie sich das Ladekabel lösen lässt. Der Neue kann starten.

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Der Neue ist ein VW ID.3, ein reiner Stromer, etwa 400 Kilometer Reichweite, vier Sitze, Kofferraum, in etwa so groß wie ein VW Golf. Stationiert ist der Wagen auf dem Parkplatz an der Ecke Grohmannstraße/Klosterstraße in der Pirnaer Innenstadt. Dort kann er abgeholt und muss auch jedes Mal dorthin zurückgebracht werden. Die nur für das Auto passende Ladesäule steht unmittelbar hinter der Parklücke.

Das Fahrzeug markiert den Start eines großangelegten Projekts.

Sieben Autos lassen sich einsparen

Die Stadtwerke Pirna und die Stadt, später auch die anderen städtischen Tochtergesellschaften, wollen schrittweise ihre Fuhrparks fusionieren.

Dabei geht es vor allem darum, die Dienstwagen-Flotte zu optimieren, vorhandene Autos besser auszulasten sowie etwas für den Klimaschutz zu tun.

Laut des Pirnaer Klimaschutzmanagers Thomas Freitag gab es dazu schon eine konzeptionelle Vorarbeit, das gesamte Projekt basiert auf dem 2020 vom Stadtrat beschlossenen Elektromobilitätskonzept.

Pirna nahm ausgehend davon den gesamten Fuhrpark unter die Lupe, 60 bis 70 Fahrzeuge wurden untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Autos nicht zu 100 Prozent ausgelastet sind.

Bündelt man nun die Dienstwagen-Flotten, lassen sich perspektivisch sieben Fahrzeuge einsparen. Die verbleibenden sollen umweltfreundlicher laufen. "An der Elektromobilität kommt man da nicht vorbei", sagt Freitag, "die Zukunft wird elektrisch sein."

Der Zeitpunkt für das Gemeinschaftsprojekt erschien jetzt günstig.

Ein Baustein für mehr Klimaschutz

Im April liefen die Leasingverträge für zwei mit Benzinmotoren betriebene Dienstfahrzeuge der Stadt aus. Das Rathaus verlängerte die Verträge nicht. "Die Verwaltung will stattdessen neue, grüne Wege gehen und setzt auf Elektromobilität", sagt Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos). Das sei ein wichtiger Baustein für mehr Klimaschutz und erhöhe die Chancen, den europäischen Energie-Preis in diesem Jahr in Gold zu erhalten.

Das Projekt läuft jetzt unter dem Namen "Stadtwerke Mobil". "Wir haben das Auto angeschafft und stellen es der Stadt zur Verfügung", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kochan.

Nutzen können den ID.3 vorerst ausschließlich Mitarbeiter der Stadtverwaltung, diese Testphase läuft reichlich einen Monat.

Digital buchen und öffnen

Alles funktioniert digital, damit endet schrittweise auch die früher etwas aufwendige Schlüsselwirtschaft wie bei den herkömmlichen Dienstwagen.

Das neue E-Auto lässt sich über die App "Moqo" via Smartphone buchen. Auf diese Weise kann man das Fahrzeug auch öffnen und das Ladekabel entriegeln.

Im Juli und August dieses Jahres laufen zwei weitere Leasingfahrzeuge der Stadt aus, spätestens dann können die Verwaltungsmitarbeiter ein weiteres E-Auto über "Stadtwerke Mobil" nutzen. Und ein weiterer Personenkreis kommt bald hinzu.

Jeder kann elektrisch fahren

Schon etwas eher, etwa Mitte oder Ende Juli, zünden die Stadtwerke Ausbaustufe zwei. Ab diesem Zeitpunkt kann dann jeder, der möchte, mit dem ID.3 fahren - vorerst aber nur an den Wochenenden, wenn die Stadt das Auto nicht benötigt. Dafür wird eine Gebühr fällig, die Höhe steht derzeit aber noch nicht fest.

Wenn das Angebot für alle offen ist, kann man auf die Internetseite www.stadtwerkemobil.de gehen. Dort gibt es eine kurze Anleitung, dann wird man zu der App weitergeleitet.

Für das Auto braucht man keinen Schlüssel, öffnen und schließen funktioniert eben mit jener App plus Smartphone via Bluetooth-Verbindung. Über die App können die Mieter das Auto auch bezahlen.

Im Handschuhfach befindet sich eine Ladekarte, mit der sich der Wagen an jeder öffentlichen Ladesäule "auftanken" lässt. Extra Ladekosten sind damit nicht verbunden, sie sind schon in der Mietwagengebühr enthalten.

Ein E-Auto für Copitzer Camper

"Dieses Angebot soll auch ein Anreiz für jene sein, die sich vielleicht ein E-Auto kaufen wollen. Hier können sie einen solchen Wagen vorab schon mal testen", sagt Thomas Freitag.

Perspektivisch wollen die Stadtwerke ein weiteres Elektroauto am Waldcampingplatz in Pirna-Copitz stationieren. "So müssen die Camper nicht mit ihren großen Wohnmobilen zu Ausflügen starten, sondern können das kleine Elektromobil nehmen", sagt Kochan.

Im Winter, in der campingfreien Zeit, soll der Wagen dann einen etwas zentraleren Platz in der Stadt finden, eine entsprechende Stelle wird derzeit gesucht.

Neue Strom-Tankstellen geplant

Unterdessen rüsteten auch die Stadtwerke ihre Fahrzeugflotte weiter um. Bislang gab es im Unternehmen sogenannte Pool-Fahrzeuge, die verschiedene Mitarbeiter nutzten.

Die Schlüssel lagen im Büro, das war zuweilen etwas umständlich, daran zu kommen, vor allem, wenn sie der vorherige Fahrer aus Versehen noch einstecken hatte.

Inzwischen verrichten fünf E-Autos bei den Stadtwerken ihren Dienst, bei ihnen lässt sich ebenfalls alles per App buchen und steuern. "Die Mitarbeiter fahren sehr gern damit und das digitale System funktioniert sehr gut", sagt Kochan.

Um sich für den steigenden Bedarf an Strom-Tankstellen zu rüsten, wollen die Stadtwerke das Netz weiter ausbauen. Derzeit betreibt der Versorger vier Zapfsäulen im Stadtgebiet: am Scheunenhofcenter in der Innenstadt, auf dem Kaufland-Parkplatz in Copitz, am Geibeltbad in der Südvorstadt sowie an der alten Feuerwache auf der Oberen Burgstraße in der Altstadt.

Vier weitere sollen in der nächsten Zeit dazukommen.

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