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Bei ihm entstehen neue Jobs in Pirna

Mit seiner Firma Palosa repariert und produziert Thomas Müller in Kürze Europaletten in Pirna - ein im Osten ziemlich einmaliges Portfolio.

Palosa-Chef Thomas Müller: "Ein solches Werk gibt es im Osten bislang nicht."
Palosa-Chef Thomas Müller: "Ein solches Werk gibt es im Osten bislang nicht." © Daniel Schäfer

Als Thomas Müller, damals noch Schüler, Mitte der 1980er-Jahre in den Ferien im Betrieb seines Vaters arbeitete, wurde ihm eine spezielle Aufgabe zuteil. Er sollte die Reste von Europaletten entsorgen, und zwar auf eine ziemlich unkonventionelle Weise: die hölzernen Überreste wurden größtenteils verbrannt.

Das Holz war damit unwiederbringlich verloren. Aber eigentlich war der Rohstoff viel zu schade, um ihn auf diese Weise zu vernichten. So reifte die Idee, dass es doch auch anders gehen muss. Müllers Vater suchte nach Möglichkeiten, verschlissene und beschädigte Warenträger aufzubereiten, um sie anschließend wiederzuverwenden.

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Mehr und mehr spezialisierte sich der Betrieb darauf, nicht nur neue Paletten herzustellen - sondern diese auch zu reparieren. Müller junior tüftelte später daran mit, 1999 stieg er ins Unternehmen seines Vaters ein, 2010 übernahm er es. Seither ist Thomas Müller Inhaber der Firma "Palosa Paletten Logistik Sachsen GmbH & Co. KG", die Euro- und Industriepaletten repariert und produziert. Seinen Sitz hat das Werk bislang in Kreischa. Doch das ändert sich bald.

Die SEP baut, Palosa mietet

Seit 2010 nahm das Geschäft einen ungeahnten Aufschwung. Der rasant anziehende Online-Handel sowie die globalen Liefer- und Transportketten verlangten nach immer mehr dieser Warenträger. "Die Nachfrage nach Paletten ist inzwischen enorm, und der Bedarf steigt stetig", sagt Müller.

Mit der Kapazität und dem Platzangebot in Kreischa stieß der Firmenchef zunehmend an die Grenzen. 2016 entschloss er sich, etwas Größeres aufzuziehen, was letztendlich in einer Kooperation mit der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna (SEP) mündete - und in einen baldigen Umzug, da sich der Betrieb in Kreischa nicht erweitern lässt.

Die SEP lässt derzeit auf dem letzten noch verbliebenen, etwa 8.500 Quadratmeter großen Grundstück im Gewerbepark "An der Elbe" - direkt gegenüber von Möbel Graf - eine 2.000 Quadratmeter große Halle samt Bürotrakt errichten. Reichlich zwei Millionen Euro investiert die SEP in das Projekt. Anschließend wird das Objekt an Palosa vermietet.

Neue Halle mit Büroanbau: So soll die künftige Produktionsstätte von Palosa im Gewerbepark "An der Elbe" in Pirna einmal aussehen.
Neue Halle mit Büroanbau: So soll die künftige Produktionsstätte von Palosa im Gewerbepark "An der Elbe" in Pirna einmal aussehen. © Visualisierung: Goldbeck Ost GmbH

Produktion startet Ende des Jahres

Der Grundstein ist bereits gelegt, dank der Fertigteil-Bauweise soll das Gebäude schon Mitte September dieses Jahres fertig sein. Kurz darauf will Müller mit der Produktion in Pirna beginnen - mit einer ziemlich einmaligen Kombination. "Ein solches Werk, wie unser neues in Pirna", sagt der Firmenchef, "gibt es im Osten bislang nicht."

Was das Unternehmen so besonders macht, ist die Technik, mit der es an den Start geht. Müller hat eine Maschine bauen lassen, die als erstes in die neue Produktionsstätte eingebaut wird. Sie dient dazu, verschlissene Paletten wieder auf Vordermann zu bringen.

Laut Müller werden die beschädigten Warenträger zunächst am Anfang der Maschine gestapelt. Die Anlage vereinzelt anschließend die Paletten und kontrolliert bei jeder, was genau kaputt ist. Dann bearbeitet das Aggregat die Paletten, jede ganz individuell nach den zuvor georteten Schäden. Zum Schluss prüft die Technik, ob die Paletten wieder in Ordnung sind - beispielsweise, ob alle Winkel stimmen und sie sich wieder auf Dauer belasten lassen. Am Ende sortiert die Maschine die Warenträger auch nach Größe.

Maschine lässt sich nicht austricksen

Das Besondere: Die Paletten werden wieder hochregallagerfähig und taktstraßentauglich, wichtig dafür, dass sie in automatisierten Prozessen nirgendwo hängenbleiben und sich problemlos stapeln lassen.

Um diese Ergebnisse zu erreichen, bedarf es der neuen Maschine, weil sie alles exakt prüft und ausmisst und sich nicht austricksen lässt. "Per Handarbeit würde diese Kontrolle nicht so genau funktionieren", sagt Müller. Die Paletten verlassen das Werk erst, wenn sie in Ordnung sind. Das sei ganz wichtig für die Kunden, so der Geschäftsführer.

Die Kapazität ist gewaltig: Etwa 30.000 Europaletten pro Woche kann die Maschine aufbereiten, diese Zahl lässt sich noch steigern.

25.000 neue Europaletten pro Woche

Mit dem Produktionsstart in Pirna entstehen auch neue Arbeitsplätze. Derzeit beschäftigt Palosa vier Mitarbeiter, in Pirna sollen es zu Beginn zwölf sein.

Los geht es zunächst im Einschicht-Betrieb, Müller will das aber schrittweise ausbauen. Mittelfristiges Ziel ist, später in mehreren Schichten zu arbeiten, pro Schicht benötigt er zwölf Mitarbeiter. Die Mitarbeiter sind ab Jahresende vorerst damit beschäftigt, mithilfe der neuen Maschine beschädigte Paletten aufzubereiten.

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Im Sommer 2022 folgt dann Ausbaustufe zwei: Bis dahin lässt Müller in der neuen Halle in Pirna eine weitere Anlage installieren, mit sich dann neue Europaletten herstellen lassen - 25.000 Stück pro Woche.

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