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Neue Probleme für Teslas Gigafactory in Grünheide

Im Juli sollen die ersten E-Autos vom Band rollen. Doch das Werk hat noch nicht einmal einen Abwasseranschluss. Und es gibt weitere Turbulenzen.

Auf märkischen Sand gebaut. Die Fabrik für E-Autos in Grünheide wächst rasant - mit neuen Problemen.
Auf märkischen Sand gebaut. Die Fabrik für E-Autos in Grünheide wächst rasant - mit neuen Problemen. © Patrick Pleul/dpa

Von Thorsten Metzner

Plötzlich gibt es Probleme, überall Probleme auf dem Weg zur neuen Tesla-Fabrik in Grünheide: In einer aktuellen Dokumentation des ZDF-Magazins „Frontal21“ sind erneut Vorwürfe wegen des hohen Wasserverbrauchs der Gigafactory erhoben worden, die ganz Europa beliefern soll.

Und nach Informationen des Berliner Tagesspiegel gerät der geplante Produktionsstart in Grünheide im Juli 2021, an dem Elon Musk bisher eisern festhält, deutlich in Gefahr. Zwar läuft auf dem 300-Hektar-Areal bereits der Einbau der Fertigungsroboter in die Werkhallen auf Hochtouren.

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Doch der Bau der zentralen Abwasserleitung, die ursprünglich im Februar/März 2021 fertig sein sollte, hat noch nicht einmal begonnen. Ohne die kann nicht einmal der Probebetrieb starten. Dass im Juli die ersten Autos vom Band rollen können, scheint da kaum noch möglich.

Fünf Kilometer Abwasserleitung muss gebaut werden

Auch auf dem Gelände selbst sind Wasser- und Abwasserleitungen nicht verlegt, was normalerweise vor dem Hochbau erfolgt. Dafür – und für Baugrundeinebnungen – hat Tesla zwei weitere Vorabgenehmigungen beantragt. Bislang arbeitet Tesla mit zehn erteilten Voraberlaubnissen ("8a") auf eigenes Risiko, da das Hauptgenehmigungsverfahren noch läuft.

Gebaut werden muss eine fünf Kilometer lange Abwasserleitung, vom Werk bis Erkner nahe dem S-Bahnhof, was kompliziert ist. Im Stadtgebiet ist der Untergrund wegen Altlasten schwierig. Die Autobahn und eine Eisenbahntrasse müssen unterirdisch gequert werden.

Dafür sind Genehmigungen notwendig, sowohl vom Bundesautobahnamt als auch vom Eisenbahnbundesamt, das wegen seiner langen Bearbeitungszeiten gefürchtet ist. Das sei bis Juli kaum noch zu schaffen, heißt es von einem Kenner der Problematik. Dagegen versichern Tesla nahestehende Branchenkreise: "Bis zum geplanten Start der Produktion (also Juli) soll die Leitung einsatzbereit sein."

Tesla hat inzwischen den Zuschlag an eine brandenburgische Tiefbaufirma erteilt, die nun die Genehmigungen einholen und die Trasse bauen soll. Der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) hatte das Projekt vorbereitet und – wohl auch wegen des engen, riskanten Zeitplans – nicht selbst übernommen.

Stattdessen wurde es auf Grundlage einer vertraglichen Vereinbarung an Tesla übergeben. „Termingerecht“, sagte WSE-Chef André Bähler. „Die weitere Ausführung liegt in der Hand von Tesla. Wie der Zeitplan aussieht, wissen wir nicht.“

Verband warnt vor Gefährdung der Trinkwasserversorgung

Bähler ist es, der in der 45-Minuten-Dokumentation von Frontal 21 als Kronzeuge vehement warnt, dass wegen des hohen Wasservebrauchs der Gigafactory – errichtet im Trinkwasserschutzgebiet – Einschränkungen für Verbraucher drohen würden, Zitat: „Die Trinkwasserversorgung der Region wird geopfert auf dem Gabentisch der Wirtschaftspolitik.“

Zutritt nur fürs Personal: die Tesla-Baustelle in Grünheide.
Zutritt nur fürs Personal: die Tesla-Baustelle in Grünheide. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild

Die Fabrik wird anfangs 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser vom WSE beziehen, so viel wie eine 40.000-Einwohner-Stadt. Dieser Bedarf gilt als gesichert. Doch in den geplanten Ausbaustufen geht es um bis zu 3,6 Millionen Kubikmeter, wofür laut WSE das Wasser nicht reicht.

„Wir wünschen uns, dass im laufenden Genehmigungsverfahren unsere Bedenken endlich ernst genommen werden“, sagte Bähler. „Leider ist der Wille, das Projekt einfach durchzudrücken, übermächtig.“

Dagegen verwies Umweltminister Axel Vogel (Grüne) am Mittwoch darauf, dass gegenwärtig in Hangelsberg/Nord Erkundungen für ein neues Trinkwasserreservoir mit einer Jahreskapazität von vier bis sechs Millionen Kubikmetern laufen würden, die für die künftige Wasserversorgung des Gewerbegebietes Freienbrink und damit auch der Gigafactory in Betracht kämen.

Umweltamt-Mitarbeiter fühlen sich unter die Druck gesetzt

Vogel ist für das Landesumweltamt zuständig, bei dem das Genehmigungsverfahren für „Giga Berlin“ läuft. „Wir lassen uns von niemanden unter Druck setzen“, versicherte Vogel. Es werde kein Druck ausgeübt, auch nicht von Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD). „Wir sorgen dafür, dass ein rechtssicheres Verfahren gewährleistet ist.“

Vogel reagierte damit auf die Darstellung des ZDF, wonach sich LFU-Mitarbeiter laut internen Protokollen unter Druck gesetzt fühlten, wegen enger Termine, aber auch Äußerungen aus Brandenburgs Regierung. Danach ist in der Behörde vom „Stressfaktor Tesla“ die Rede.

Wann die Hauptgenehmigung für die Gigafactory erteilt wird, ist weiterhin offen. Zuletzt war sie bis Ende März avisiert worden. Bei Fehlern würde das Risiko wachsen, dass zu erwartende Prozesse durch Klagen von Umweltverbänden den engen Zeitplan von Tesla komplett zunichte machen könnten.

Elon Musk will in Grünheide 5,6 Milliarden Euro investieren

Dabei will Musk in Grünheide auch die „weltgrößte Batteriefabrik“ bauen. Laut ZDF plant er Investionen von 5,6 Milliarden Euro – bekannt waren bisher 4 Milliarden.

Inzwischen ist der Standort offiziell bestätigt: Danach soll die Batteriefabrik in der mehrere Fußballfelder großen Halle untergebracht werden, die Tesla laut Bauantrag zunächst als Lagerhalle errichtet. Ein Umwidmungsantrag sei angekündigt, sagte Umweltminister Vogel jüngst.

Viel wurde spekuliert, wie viel sich die öffentliche Hand dieses Energiewendeprojekt kosten lässt, das Teil des Europäischen Batterieförderprogramms sein wird, für das die EU jüngst Subventionen genehmigt hatte.

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