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Sachsen ist das Handwerkerland Nummer eins

Der Wirtschaftszweig glänzt im Freistaat bei Beschäftigung und Betriebsdichte. Es gibt aber auch alarmierende Zahlen.

Von Michael Rothe
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Dresden. Sachsens Handwerk ist spitze! Diesen Superlativ verleiht sich der Wirtschaftszweig hierzulande nicht etwa selbst, er kommt von der Landesarbeitsagentur und ist amtlich belegt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeitet jeder siebte der gut 1,6 Millionen Berufstätigen im Freistaat – in Summe gut 226.000 Männer und Frauen – in einem der mehr als 35.000 Handwerksbetriebe.

Sachsens Handwerkstag operiert mit noch höheren Zahlen. Die Dachorganisation der hiesigen Kammern und Verbände berücksichtigt, anders als die Bundesstatistik, auch handwerksähnliche Gewerbe wie Eisenflechter, Bürstenmacher, Klavierstimmer. Sie nennt 56.000 Betriebe mit 300.000 Mitarbeitenden. Doch ihre Zahl schrumpft. 2012 waren es noch fast 60.000 Adressen.

Welche Zählart man auch bemüht: Nirgends in Deutschland ist der Anteil an der Gesamtbeschäftigung höher als in Sachsen. Mit einer Quote von 14 Prozent rangiert der Freistaat vor Sachsen-Anhalt, gefolgt von Niedersachsen und Brandenburg. Am Ende des Länderrankings steht Bremen mit nur halb so hohem Anteil.

Im Erzgebirge arbeite sogar fast jede/r Fünfte in Jobs wie Kraftfahrzeugtechniker, Gebäudereiniger, Elektrotechniker, Maurer oder Betonbauer, meldet die Landesarbeitsagentur in Chemnitz. In Dresden und Leipzig sei es etwa jede/r Elfte, was mit der dort höheren Konzentration von Verwaltung und Großbetrieben erklärbar ist.

Bundesweit die höchste Handwerksdichte

Gemeinsam mit Installateuren, Heizungsbauern, Feinwerkmechanikern und Metallbauern machten die genannten Berufe mehr als die Hälfte aller Beschäftigten aus, heißt es weiter. Sie arbeiteten zu rund 80 Prozent in Kleinstbetrieben mit weniger als zehn Beschäftigten. „In einigen Handwerksberufen gibt es bereits Fachkräfteengpässe und manchmal sogar einen Mangel“, konstatiert die Behörde. Schon jetzt sei das Personal knapp, und besonders in ostdeutschen Ländern werde der Wettbewerb um Lehrlinge immer härter. Das fordere vor allem Kleinstunternehmen. Trotz wieder steigender Ausbildungszahlen bleiben auch in diesem Jahr Hunderte Lehrstellen unbesetzt.

Mit 13,9 Handwerksbetrieben pro 1.000 Einwohner liegt Sachsen auch in der Betriebsdichte über dem deutschen Durchschnitt von 12,0 und ganz vorn . Die meisten Betriebe gibt es im Elektro- und Metallgewerbe sowie im Bau.

Die Arbeitsagentur verweist neben Chancen durch Digitalisierung auch auf gute Aussichten für Nachwuchskräfte durch anstehende Generationswechsel. Ausbildung und Arbeit im Handwerk lohnten auch finanziell, „denn das Einkommen eines Meisters kann deutlich höher sein als das eines Hochschulabsolventen“, heißt es.

Dass es im Handwerkerland Nummer eins eine gute Ausbildung gibt, hat sich bundesweit herumgesprochen. So stammt etwa ein Viertel der Jungmeister, die an diesem Sonnabend von der Dresdner Handwerkskammer geehrt werden, aus einem anderen Bundesland, die meisten aus Thüringen und Brandenburg. Nur aus dem Saarland und der Hansestadt Hamburg war in diesem Jahrgang kein Absolvent dabei.