merken
PLUS Wirtschaft

Firmen im Osten werten Nachhaltigkeit als Chance

Drei Viertel aller ostdeutschen Unternehmen fühlen sich gut gerüstet für die Zukunft. Teilweise fehlt jedoch eine Nachhaltigkeitsstrategie.

Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin richten ihr Geschäft zunehmend auf Nachhaltigkeit aus. Das ergibt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Commerzbank.
Unternehmen in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin richten ihr Geschäft zunehmend auf Nachhaltigkeit aus. Das ergibt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Commerzbank. © JuShoot/Shutterstock/obs

Die Corona-Pandemie hat diesen Trend nicht gestoppt: Ostdeutsche Unternehmen agieren zunehmend nachhaltig. Das ergibt eine Forsa-Umfrage aus diesem Jahr, die die Commerzbank in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden 411 Geschäftsführungen von ostdeutschen Unternehmen, die im Jahr mindestens zwei Millionen Euro umsetzen und damit laut Umfrage zum deutschen Mittelstand gehören.

Die Besonderheit an dieser Befragung: Ein Teil der Mittelständler wurde vor dem Ausbruch der Pandemie befragt, der andere währenddessen von Sommer bis Herbst 2020. Drei von vier Befragten beschreiben sich als „gut gerüstet“, wenn es um eine nachhaltige Unternehmensführung geht. Allerdings besitzt nur jedes dritte Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie.

ECHT.SCHÖN.HIER
Sachsen entdecken und erleben
Sachsen entdecken und erleben

Lernen Sie unbekannte Orte der Region kennen - wir geben Ihnen Insidertipps um die Heimat neu zu erkunden und lieben zu lernen.

Nachhaltigkeit: Investitionen sind gestiegen

Was meint Nachhaltigkeit überhaupt? In der Forsa-Umfrage geben etwas mehr als 80 Prozent der Geschäftsführer dazu an, dass es den achtsamen Umgang mit Mitarbeiten beschreibt sowie den dauerhaften Erhalt der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Dicht gefolgt von den Zuschreibungen gesellschaftliche Verantwortung und Klima- und Umweltschutz.

Die meisten Unternehmen werten deshalb Nachhaltigkeit als Chance für den eigenen wirtschaftlichen Erfolg und als notwendig für einen zukunftsfähigen Mittelstand. Zumindest vor Ausbruch der Pandemie. Trotzdem ist für etwa die Hälfte der Befragten Nachhaltigkeit ein Unsicherheitsfaktor für die Geschäftstätigkeit. Ein Drittel empfindet sie sogar als Investitions- und Innovationsbremse. So erklärt sich eventuell, warum nur ein Drittel der Unternehmen eine Nachhaltigkeitsstrategie verfolgen und nur ein Drittel solch eine planen.

Immerhin: Bei der Hälfte der befragten Unternehmen sind Investitionen in nachhaltige Maßnahmen gestiegen. Doch was heißt das konkret? Umgesetzt haben die Unternehmen bisher am meisten die Einsparung von Verbrauchsmaterialien wie Papier, den Einsatz erneuerbarer Energien sowie das Recycling in der eigenen Abfallwirtschaft. In der Befragung vor Ausbruch der Corona-Pandemie standen noch Mitarbeiterschulungen und die Optimierung von Arbeitsprozessen an zweiter und dritter Stelle. Die Reduzierung des Papierverbrauchs aber weiterhin auf dem ersten Platz.

Corona hindert jedes dritte Unternehmen zu investieren

Auch wenn die ostdeutschen Unternehmen Nachhaltigkeit als Zukunftsthema erkannt haben, erschließen sie kaum neue Geschäftsfelder: etwa ein Unternehmen von zehn. Die große Mehrheit von 67 Prozent möchte nichts verändern. Die Banken der Unternehmen haben hier kaum Einfluss. Nur zehn Prozent der Unternehmen tauschen sich mit ihnen aus. Vielmehr setzen die Geschäftsführer auf den Austausch mit Kunden sowie auf die eigene Wettbewerbsanalyse, um neue, nachhaltige Geschäftsfelder zu entwickeln.

Nur in der Umfrage während der Corona-Pandemie wurden zudem Hindernisse bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit ermittelt. Mehr als die Hälfte der Unternehmen kritisiert unübersichtliche Förderprogramme sowie die unsichere Gesetzeslage. Etwas weniger als die Hälfte der Befragten gibt außerdem als Grund an: die hohe Arbeitsbelastung im Unternehmen. Das ist kein Wunder, denn meist ist die Ausrichtung auf nachhaltiges Wirtschaften im deutschen Mittelstand Chefsache. Dies zeigt die gleichzeitig durchgeführte Befragung der Unternehmen in Ost- und Westdeutschland. Dafür verhindert die Corona-Pandemie keine Investitionen. Denn das trifft nur bei 37 Prozent der Unternehmen zu.

Weiterführende Artikel

"Wir erleben große Offenheit für nachhaltige Geldanlagen"

"Wir erleben große Offenheit für nachhaltige Geldanlagen"

Die Deutsche Bank hat bundesweit vier grüne Filialen, zwei davon in Sachsen. Was es damit auf sich hat, erklärt Niederlassungschef Jan Böttger.

Die Mittelstandsinitiative Unternehmerperspektiven der Commerzbank bildet seit 2006 ein Forum für unternehmerische Themen in der Öffentlichkeit. Forsa befragt jährlich im Auftrag der Initiative deutsche Unternehmer. Die vollständige Studie von 2021, die sich auf Ost- und Westdeutschland bezieht, kann hier nachgelesen werden.

Mehr zum Thema Wirtschaft