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Sachsens Wirtschaft plaudert im "Clubhouse"

In der App "Clubhouse" besprechen Wirtschaftsmacher regelmäßig die Zukunft des Ostens. Wir haben hineingehört.

Clubhouse ist das Netzwerk in der Pandemie.
Clubhouse ist das Netzwerk in der Pandemie. © Christoph Dernbach/dpa


„Clubhouse“ heißt der neueste Social-Media-Hype, Thüringens linker Landesvater Bodo Ramelow machte die App gerade mit seinem Wort vom „Merkelchen“ und seiner Liebe zu Handy-Spielchen in Corona-Runden berühmt. Im „Clubhouse“ gibt es allerdings keine Texte, Bilder oder Videos. Es wird ausschließlich geplaudert.

Die Mitglieder treffen sich in offenen Foren, so genannten Räumen, in denen Gäste wie in einer Talkshow von ihrer Sicht auf Themen erzählen und viele andere nur zuhören oder Fragen stellen. Oder in denen viele bunt miteinander tratschen, wie sie Lust haben. Dann steht vielleicht „Clublic-Viewing“ zum gemeinsamen Fußballgucken oder ein gemeinsames Mittagessen auf dem Plan.

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Angesagte Wirtschaftsmacher dabei

Das Clubhouse ist der Soundtrack zur Pandemie, seit so viele Menschen schmerzlich den Austausch und die Begegnungen mit anderen vermissen. In den USA ging die App bereits im Frühjahr 2020 online, in Deutschland läuft der Hype seit Anfang dieses Jahres – und hat schon mehrere Hunderttausend Nutzer. Jeder von ihnen kann einen Club eröffnen. Mitschnitte der Gespräche sind jedoch nicht erwünscht. So bleibt alles einmalig, halb privat, nicht reproduzierbar.

Mittlerweile laden auch angesagte ostdeutsche Wirtschaftsmacher ins Clubhouse ein: Ein Trio um Marina Heimann, Geschäftsführerin von FutureSax, Andrej Gross, Ost-Sprecher der Deutschen Messe AG, und Achim Oelgarth, Geschäftsführer des Ostdeutschen Bankenverbandes, hat den „Salon de East“ gegründet, immer mittwochs, 60 Minuten, von 20 bis 21 Uhr. Nach einem inoffiziellen Testlauf vor zwei Wochen gab es vorigen Mittwoch die erste Runde.

Nächstes Thema: Thüringen

Das Thema: „Innovation made in Saxony“. Mit dabei Maria Piechnick, Mitbegründerin des erfolgreichen Dresdner Roboter-Startups Wandelbots sowie Conrad Clemens, der Bevollmächtigte des Freistaates beim Bund. Es ging um den sächsischen Erfindergeist und einen neuen Nährboden für Innovationen.

Credo der Runde: „Hier trefft ihr Clubmitglieder aus dem Osten Deutschlands, aus allen Bereichen der Gesellschaft, die eins vereint: die Zukunft zu gestalten“. 50 Menschen haben zugehört. „Wir ziehen da ein spannendes Netzwerk auf – nicht nur regional, sondern besonders auch überregional“, sagt Bankenverbands-Sprecher Oelgarth.

An diesem Mittwoch soll es um Thüringen gehen. Titel: „Thüringen rockt: Von Fertigsuppe bis HightTech“. Mit dabei sind unter anderem Valentina Kerst, SPD-Staatssekretärin für Wirtschaft, Wissenschaft und digitale Gesellschaft sowie Hans Elstner, Vorstand der Jenaer „Rooom AG“, ein führendes Start-up für virtuelle Räume und Realitäten in 3D.

Kein Ersatz für die Realität

Für nächste Woche Mittwoch ist dann eine Runde zu den Stärken des Ostens nach Corona angedacht, kündigt Marina Heimann an. Die Sprecher stehen aber noch nicht genau fest.

Das „Clubhouse“ ist für sie wie eine kleine Paneldiskussion oder ein Get-together am Rande von Veranstaltungen. „Die Gesprächskultur ist angenehm, ein lockerer Austausch, die Barrieren sind gering“, sagt Heimann. „Nirgendwo sonst ist es so unkompliziert, Menschen zusammen zu bringen und sich auszutauschen.“

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Wer nebenbei andere Dinge erledigen müsse, könne auch einfach entspannt zuhören wie beim Podcast oder Radio. Dennoch, so glaubt Marina Heimann, sei das „Clubhouse“ kein Ersatz für richtige Veranstaltungen. „Die echten Begegnungen in realen Formaten“, sagt sie, „werden sicher wiederkommen. Die Frage ist derzeit nur, wann.“

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