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Wirtschaft

Der Apotheker, der eine Firma gründete

Alexander Helm hat die Corona-Pandemie genutzt, um neue natürliche Gesundheitsprodukte zur Stärkung des Immunsystems auf den Markt zu bringen.

Casida-Chef Alexander Helm hat unmittelbar mit seiner Firma auf Corona und die neuen Anforderungen reagiert.
Casida-Chef Alexander Helm hat unmittelbar mit seiner Firma auf Corona und die neuen Anforderungen reagiert. © Uwe Mann

Von Christoph Ulrich

Das Interesse an Medizin und Pharmazie ist ihm in die Wiege gelegt worden. Bereits mit vier Jahren stand Alexander Helm in der Apotheke seiner Mutter und half, Schachteln und Fläschchen zu sortieren. Die Werdauer Apothekerin Ute Helm (62) beschäftigte sich bereits zu DDR-Zeiten in den 1980er-Jahren mit den Wirkstoffen von Heilpflanzen, ihren Zubereitungsformen und deren Wirkung auf das menschliche Wohlbefinden. Ihre positive Einstellung zur Natur hat ihr heute 34-jähriger Sohn übernommen. „Ich habe Pharmazie studiert, weil ich mir dabei auch ganz viel naturheilkundliches Wissen aneignen konnte“, sagt der Geschäftsführer der Casida GmbH & Co. KG in Werdau. Das Unternehmen mit zehn Beschäftigten stellt natürliche Gesundheitsprodukte, Nahrungsergänzungsmittel und Naturkosmetik her.

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Ursprünglich war Alexander Helms Ziel, einmal die Apotheke der Mutter zu übernehmen. Doch um Erfahrungen zu sammeln, übernahm der Werdauer nach seinem Studium in Halle und Jena Apothekervertretungen in ganz Deutschland. Wollte ein Apotheker mal Urlaub machen oder war durch Krankheit verhindert, sprang Helm für ihn ein. „So habe ich viele Facetten der Branche in Deutschland kennengelernt und es entstand der Wunsch, meine eigene Firma zu gründen, die Apotheken beliefert“, erzählt der Casida-Chef. Deshalb steht er heute nicht hinter der Theke der Werdauer Central-Apotheke, obwohl ihm der direkte Kontakt zu den Kunden immer gut gefallen hat, sondern führt sein eigenes Unternehmen.

Grundlage für das 2016 gegründete Unternehmen Casida war der vorhandene naturkundliche Erfahrungsschatz von Ute Helm, die sich auch an der neuen Firma beteiligte. „Die Mittel aus rein natürlichen Wirkstoffen stießen bei den Kunden immer auf gute Resonanz. Da wollte ich anknüpfen“, erzählt der Firmengründer. Die ersten Produkte nach eigenen Rezepturen, wie zum Beispiel das Nagelöl Repair & Protect bei Nagelpilz, wurden zunächst nur für die Kundschaft der Apotheke hergestellt. Doch das war Helm zu wenig, er wollte die Rezepturen auch einem breiteren Publikum anbieten. Damit war die Idee der Marke „Casida“ geboren.

Millionengrenze ist überschritten

„Wir wollen eine moderne Marke sein und setzten deshalb auch von Anfang an auf die Entwicklung eigener Produkte und den Onlinehandel“, erklärt der 34-Jährige selbstbewusst. Mittlerweile umfasst das Portfolio 70 Produkte zu zahlreichen Anwendungsbereichen. Mit seinen naturkundlichen Produkten traf Helm den Nerv vieler Kunden. Natürliche Gesundheitsprodukte und Naturkosmetik ohne chemische Zusätze und ohne Tierversuche liegen im Trend. „Die Menschen werden immer gesundheitsbewusster“, ist sich Helm sicher. Bereits im ersten Geschäftsjahr konnte Casida schwarze Zahlen schreiben. Der Umsatz hat inzwischen die Millionengrenze überschritten. 2018 zog das Unternehmen in Werdau in einen leer stehenden Supermarkt, in dem genügend Lager- und Logistikfläche vorhanden ist. Für das junge Team wurde eine moderne, helle Büroetage gebaut. Hergestellt werden die Produkte weiterhin in den Produktionsräumen der Central Apotheke und bei pharmazeutischen Unternehmen in Deutschland, die den hohen Qualitätsansprüchen von Casida gerecht werden. Längst liefert Casida seine Produkte nach ganz Deutschland, Österreich, Italien, in die Schweiz und in einige asiatische Länder. Als im Frühjahr vergangenen Jahres nach dem Ausbruch des Coronavirus jede Art von Desinfektionsmitteln ausverkauft war, reagierte Helm mit seinem Team schnell. Zum einen wurde Desinfektionsmittel hergestellt und ins Casida-Sortiment aufgenommen. Zum anderen wurde das online stark gesuchte Thema „Desinfektionsmittel selber machen“ aufgegriffen. Casida veröffentlichte auf seiner Webseite ein Rezept zur Selbstherstellung eines natürlichen Desinfektionsmittels aus rein natürlichen ätherischen Ölen, die antiviral wirken. „Das hat unseren Bekanntheitsgrad stark vergrößert“, erzählt der Geschäftsführer. Der Artikel wurde inzwischen fast 200.000 mal aufgerufen.

Ohne chemische Zusatzstoffe

Um auf die Kundenbedürfnisse in der Pandemie zu reagieren, wurde das Casida-Sortiment schnell und gezielt ausgebaut. So wurden hochdosierte, bioverfügbare Vitamintropfen und Kurkuma-Kapseln ins Programm aufgenommen, welche zur Infektabwehr beitragen. „Weil wir ein innovatives Unternehmen sind, konnten wir schnell und flexibel auf die neuen Anforderungen des Marktes reagieren“, sagt Helm. Durch den gezielten Ausbau der Aktivitäten im Onlinemarketing und interner Fachkompetenz konnte Casida sich auch im wirtschaftlichen Krisenjahr 2020 behaupten. „Wir haben nicht nur alle Arbeitsplätze gesichert, sondern sogar den Umsatz gesteigert, die Marke gestärkt und die Marktposition weiter ausgebaut“, berichtet der Firmenchef sichtlich stolz.

Von Anfang an hat Helm auf eine Vielfalt der Vertriebswege gesetzt. Neben dem Verkauf über klassische Kanäle wie Apotheken und dem pharmazeutischen Großhandel werden die digitalen Vertriebswege kontinuierlich ausgebaut. In allen Apotheken Deutschlands und Österreichs ist Casida vertreten. Der eigene Onlineshop gehört aber genauso dazu wie der Verkauf über Amazon. Hinzu kommt der Domainkauf in Verbindung mit Zukunftsthemen wie beispielsweise dem E-Rezept.

„Wir wollen allerdings kein Massengeschäft in Drogerien. Unsere Premium-Produkte bleiben den Apotheken vorbehalten“, versichert der Casida-Chef. Mit Casida möchte er auch in Zukunft neue Produkte auf den Markt bringen. Aufgrund seiner pharmazeutischen Ausbildung als Apotheker, ist es für Alexander Helm möglich, die Zusammensetzung der Produkte sowie das Herstellungsverfahren selbst zu entwickeln. Auf chemisch-synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe wird bei Casida konsequent verzichtet. „Wenn immer es möglich ist, werden Zutaten in Bioqualität verwendet“, erklärt Firmenchef Alexander Helm.

  • Der Wirtschaftspreis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ ist eine Initiative von Sächsischer Zeitung, Freier Presse, Leipziger Volkszeitung und MDR sowie von Volkswagen Sachsen, der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft KPMG, der LBBW und der Gesundheitskasse AOK Plus.
  • Alle Informationen unter www.unternehmerpreis.de

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