merken
Wirtschaft

Sachsens Wasserstoffstrategie verzögert sich

Experten sehen dank Sunfire und anderen Akteuren viel Potenzial für grünes Benzin. Doch ist das auch der richtige Antrieb für Autos? Darüber wird in Chemnitz beraten.

In Chemnitz wird über Wasserstoff diskutiert - insbesondere als Antriebsart.
In Chemnitz wird über Wasserstoff diskutiert - insbesondere als Antriebsart. © dpa/Hendrik Schmidt

Die für dieses Jahr von der Landesregierung angekündigte Wasserstoffstrategie für Sachsen verzögert sich. Als Gründe nannte das federführende Energie- und Umweltministerium die Corona-Pandemie und eine verspätete Fertigstellung des nationalen Plans zum Wasserstoff. „Aktuell gehen wir davon aus, dass die Sächsische Wasserstoffstrategie im ersten Halbjahr 2021 Kabinettsreife erlangen wird“, teilte das Ministerium auf Anfrage mit. Der Koalitionsvertrag von CDU, SPD und Grünen in Sachsen sieht den Aufbau einer Wasserstoffindustrie «entlang der gesamten Wertschöpfungskette» vor. Damit soll der Strukturwandel gefördert werden.

Das wird Gunda Röstel, Geschäftsführerin der Dresdner Stadtentwässerung und sächsische Vertreterin im Nationalen Wasserstoffrat, nicht gefallen. „Die Chancen für Sachsen sind groß. Doch wenn wir das Momentum nutzen wollen, müssen wir schneller in der Umsetzung werden und brauchen schnell Effizienzgewinnen“, sagte Röstel zum Auftakt einer Konferenz des sächsischen Innovationsclusters für Brennstoffzellen und Wasserstoff am Donnerstag in Chemnitz. Ohnehin scheint sie Bedenken gegen regionale Wasserstoffstrategien zu haben. „Ich finde es nicht toll, wenn wir jetzt neben der nationalen Wasserstoffstrategie noch 16 regionale Wasserstoffstrategien der einzelnen Bundesländer bekommen“, sagte sie in einer Diskussionsrunde in Chemnitz. Deutschland und Europa hätten die große Chance, auf dem globalen Wasserstoffmarkt die technischen Standards zu setzen. „Deshalb müssen wir schnell sein. Warum bekommen wir unser ganzes Forschungsknowhow nicht auf die Schiene“, kritisierte Röstel.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Auf der Konferenz diskutierten Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Unternehmen darüber, welche Antriebsart im Verkehr für Sachsen die wirtschaftlich vielversprechendste ist. So forschen Fraunhofer-Instituten an fünf Antriebsarten: Otto-Motor für synthetische Kraftstoffe, Dieselmotor mit synthetischen Ölen oder Bio-Ölen, Hybrid-Motor, elektrische Batterie oder den Brennstoffzellen-Antrieb. „Wir wissen nicht genau, welcher Antrieb sich durchsetzen wird“, sagte Ralf Wehrspohn, Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft. Bei der Bewertung der Chancen von Wasserstoff sei wichtig, durch welche Brille man auf diese Chancen schaue.

 Will man mit Wasserstofftechnologien mehr Energieeffizienz erreichen oder stehen die Chancen für Produktion und Arbeitsplätze im Vordergrund. Laut Wehrspohn sei das Wertschöpfungspotenzial bei der Brennstoffzelle für Deutschland erheblich größer als bei der elektrischen Batterie. Denn während bei einem Verbrennungsmotor rund 2.500 Bauteile verbaut werden, bei einem Elektromotor nur 250 seien es bei einem Motor mit Brennstoffzelle rund 3.000 Bauteile. „Der Vorteil ist klar, dass wir bei der Brennstoffzelle deutlich mehr Komponenten haben und damit mehr Chancen für mittelständische Autozulieferer“, so der Wissenschaftler. Er war sich mit Gunda Röstel und den anderen Experten auf dem Podium einig, dass es nicht darum geht, ob es den Elektroantrieb nur mit Batterie oder nur mit Brennstoffzelle gibt, sondern das beide Antriebsarten gebraucht werden. Als Alternative zu Verbrennungsmotoren seien beide Technologien «Geschwister», hieß es.

Die fünf größten europäischen Länder wollen in den nächsten zehn Jahren rund 30 Milliarden Euro in die Entwicklung für grünen Wasserstofftechnologien investieren. Nach Angaben von Jorgo Chatzimarkakis Generalsekretär Hydrogen Europe, sei es kürzlich bei einem virtuellen Treffen von Frankreichs Präsident Emanuel Macron mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zwei Stunden um das Thema Wasserstoff gegangen mit dem Ergebnis, dass Deutschland und Frankreich gemeinsam eine Gigafactory aufbauen will. Laut Chatzmarkakis saß die Dresdner Firma Sunfire virtuell mit am Tisch. „Die sächsische Teilhabe ist also gesichert“, so der Politiker. Das Dresdner Startup Sunfire hat einen synthetischen klimaneutralen Kraftstoff für Fahrzeuge, Schiffe und Flugzeuge entwickelt. 

Mehr zum Thema Wirtschaft