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Schaulaufen der Ausbilder auf der Karrierestart

Ob Handwerker, Logistiker oder Krankenhäuser: alle suchen Nachwuchs. Wie die Betriebe die Jugendlichen nun auf der Messe Karrierestart locken wollen.

Von Lucy Krille
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Marlon Würffel von Epic Escape hat ein Stadtspiel nach dem Vorbild der Escape Rooms entwickelt. Er stellte seine Idee auf der Karrierestart vor, wo sich mehr als 500 Unternehmen präsentieren.
Marlon Würffel von Epic Escape hat ein Stadtspiel nach dem Vorbild der Escape Rooms entwickelt. Er stellte seine Idee auf der Karrierestart vor, wo sich mehr als 500 Unternehmen präsentieren. © www.loesel-photographie.de

Dresden. Wenn Anna Georgi in ihren Schwesternkittel schlüpft, beginnt für ihre Freunde oft der Feierabend. Trotz Schichtdienst bereut die angehende Kinder- und Gesundheitskrankenschwester ihre Ausbildung keineswegs. „Es war die beste Entscheidung“, sagt sie. Die 23-Jährige hatte erst Chemie studiert, aber nach vier Semestern abgebrochen, weil sie den persönlichen Kontakt suchte.

Ausbildung oder Studium – die Frage beschäftigt viele junge Menschen, die sich an diesem Wochenende auf der größten Karrieremesse Sachsens, der Karrierestart, umschauen. Ginge es nach den Vertretern aus Wirtschaft und Handwerk, ist die Sache klar. Zu häufig studieren die Menschen mittlerweile an den Bedürfnissen von Unternehmen und Wirtschaft vorbei, heißt es von der Industrie- und Handelskammer. Der Zentralverbandspräsident des Handwerks, Jörg Dittrich, will „alle“ dafür begeistern, einen Beruf zu erlernen, damit Betriebe wieder Nachwuchs finden: Geflüchtete, Abiturienten und auch Jugendliche, denen es schwerfällt, ihren Schulabschluss zu machen.

Die Jugendlichen haben längst die Qual der Wahl – im wortwörtlichen Sinn. Manche sitzen mit Broschüren bepackt an der Seite, offenbar überfordert mit dem riesigen Angebot. 540 Aussteller buhlen um ihre Aufmerksamkeit, im vergangenen Jahr waren es coronabedingt noch 480. Die Stände waren schnell ausgebucht, denn die Messe ist attraktiv für die Aussteller.

Karrierestart ist beliebt bei Unternehmen

Vor Corona lockte Karrierestart mehr als 30.000 Besucher und Besucherinnen in die Messehallen. „Man merkt, wie sich das in den letzten Jahren verschoben hat“, sagt Ines Kurze vom Veranstalter Ortec. Die Unternehmen wollen unbedingt vor Ort sein. Der Duft vom Bäckerstand, das Hämmern auf Metall, der große Lkw, in den man einsteigen kann – die Messe ist ein Erlebnis, mit dem Online-Werbung nicht mithalten kann.

Der Lkw steht am Stand von Fahrerimpuls, einer Vereinigung von Spediteuren, die das negative Bild von einsamen Lkw-Fahrern auf Autobahnraststätten neu malen wollen. Tim Brosch etwa freut sich darauf, künftig viel von der Welt zu sehen. Er macht eine Ausbildung als Lagerlogistiker beim Dresdner Spediteur Hanitzsch. Den zweiten Teil seiner vierjährigen Ausbildung macht Brosch dann als Berufskraftfahrer. Durch diese Art der Ausbildung kann der 17-Jährige auch schon beim Spediteur lernen, bevor er Lkw fahren darf.

Eine Halle weiter am Berufsorientierungsstand des sächsischen Kultusministeriums schauen Jugendliche Auszubildenden zu, wie sie kochen oder Holz feilen. Die angehende Instrumentenbauerin Helen Layer und ihr Kollege zeigen Neuntklässlern, wie sie das Holz für eine Ukulele in die richtige Form bringen. Einer von den Jungs probiert es selbst aus, auch wenn er sich eigentlich eher für Metallberufe interessiert.

Gründertipps und Bewerbungstraining

Bei Helen Layer war es der Reiz dieses alten Handwerks, der sie in die Berufsschule des vogtländischen Musikinstrumentenbaus ins Vogtland gebracht hat. „Es ist faszinierend aus einem Baum mit meinen Werkzeugen ein Instrument zu bauen, was vielen Freude bringt“, sagt sie. Auch Layer hatte vorher schon studiert, ihre Berufung aber nun im Handwerk gefunden. „So müssen wir das in Zukunft denken“, sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und ermunterte Vertreter aus Wirtschaft und Politik bei einem Rundgang, die Berufsorientierung nicht mehr getrennt nach Schulabschlüssen auszurichten, sondern auf Potenziale zu schauen.

Während Layer Gefallen an dem Alten gefunden hat, erfinden andere neu. So wie Marlon Würffel, der mit einem Kumpel das Outdoor-Spiel Epic Escape entwickelt hat, angelehnt an die beliebten Escape Rooms. Würffel ist mit anderen Gründern ebenfalls auf der Messe. Karrierestart richtet sich auch an Menschen, die ein StartUp gründen wollen, sich selbstständig machen möchten oder Weiterbildungen suchen.

In der Gründerlounge etwa gibt es Tipps von Gründern aus der Region. Das ganze Wochenende finden insgesamt mehr als 100 Veranstaltungen statt. Auch Bewerbungstrainings stehen auf dem Programm, sowie Vorträge zu Auslandsaufenthalten oder Freiwilligendiensten.

Die Karrierestart in der Messe Dresden ist an diesem Sonnabend und Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt inklusive der Vorträge kostet 5 €, ermäßigt 3,50 € für Schüler, Studenten, Arbeitslose, Bufdis.
Infos unter https://www.messe-karrierestart.de und in der KarriereStart-App.