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So unterschiedlich trifft Corona Sachsens Betriebe

Auto- und Maschinenbau schwächelten schon voriges Jahr. Doch manche Branchen wachsen auch in der Krise.

Wie lange dauert die Krise? Bauunternehmen sind in Umfragen optimistisch, doch in vielen sächsischen Industriebranchen sind die Umsätze um mehr als ein Fünftel eingebrochen.
Wie lange dauert die Krise? Bauunternehmen sind in Umfragen optimistisch, doch in vielen sächsischen Industriebranchen sind die Umsätze um mehr als ein Fünftel eingebrochen. © dpa/Daniel Bockwoldt (Symbolbild)

Andreas Sperl sieht noch nicht den nächsten Aufschwung: „Wir sind mitten in der Krise“, sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) am Mittwoch bei einem Pressegespräch. Er habe nicht das Gefühl, dass die sächsische Wirtschaft kurzfristig aus der Krise herauskomme. Sachsens Industrie setzte im Juli 13,3 Prozent weniger um als im Juli vorigen Jahres.

Der Corona-Wirtschaftseinbruch hat innerhalb Sachsens gewohnte Rangfolgen verändert. Blickt Sperl auf die Statistik, sieht er den Kreis Bautzen beim Industrieumsatz plötzlich vor dem Kreis Zwickau – obwohl dort die größte Fabrik Sachsens steht, das Volkswagenwerk. Doch die Autofabriken gehören zu den größten Verlierern. 

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Im Kreis Bautzen dagegen steht Sachsenmilch als eine der größten Molkereien Europas, zudem hat die neue Accumotive-Batterieproduktion zu insgesamt stabilen Umsätzen im Kreis beigetragen. Während Sachsens Autoindustrie im Juli fast 24 Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor meldete, lag die Nahrungsmittelwirtschaft im Plus: mit 2,7 Prozent in Sachsen und 3,7 Prozent im Bezirk Dresden.

Doch der Maschinenbau und die Datenverarbeitungstechnik, zu der Dresdens Mikrochipfabriken zählen, meldeten für Juli gut 20 Prozent weniger Umsatz als ein Jahr zuvor. Laut IHK-Hauptgeschäftsführer Detlef Hamann schwächelten sie schon vor Corona: Schon voriges Jahr sank der Industrie-Umsatz. Auch die „Stagnation“ im Maschinenbau macht Hamann Sorge. 

IHK-Chef rechnet mit Pleiten

Anlagenbauern fehlen Aufträge. Zwar ist er langfristig optimistisch, doch Branchenprobleme wie alles um den Verbrennungsmotor für Autos bleiben auch nach der Corona-Krise. Risiken im Export durch Brexit oder Handelsstreitigkeiten mit den USA oder China sind auch nicht beseitigt. Hamann wird nach eigenen Angaben misstrauisch, wenn zu viele positive Meldungen zu Wirtschaftsaussichten zu hören sind. 

In den vergangenen Tagen hatte beispielsweise das Ifo-Institut in einer Umfrage unter ostdeutschen Unternehmen einen „ungebrochenen Aufwärtstrend“ festgestellt, auch in Industrie und Handel. Im Baugewerbe gingen zwar die Bewertungen der Lage zurück, doch die Erwartungen an die Zukunft stiegen. Hamann dagegen sieht mit Blick auf die Konjunktur nur eine Verringerung des Rückgangs. Zwar gebe es noch keine größeren Insolvenzen, zumal Unternehmen derzeit von der Pflicht zur frühzeitigen Bekanntgabe befreit sind.

© Grafik: SZ/Gernot Grundwald

Doch der IHK-Chef rechnet mit Pleiten – und er rechnet damit, das viele kleine Betriebe wie Reisebüros oder Gaststätten auf dem Lande einfach die Türen schließen und nicht wieder öffnen werden. Wer selbst Eigentümer sei, überstehe zwar dank Kurzarbeitergeld einige Zeit, doch Kosten wie Mieten und Zinsen seien nicht lange zu tragen. Für manche Unternehmen der Veranstaltungswirtschaft, etwa Messen und ihre Mitarbeiter, sei weiterhin „völlig unklar, wie es weitergeht“.

Gastronomen und Reisebüros haben sich in diesem Jahr auch mit der Ausbildung zurückgehalten: Während das ostsächsische Handwerk einen Zuwachs an neuen Lehrverträgen meldete, registrierte die IHK Dresden rund zehn Prozent weniger als voriges Jahr. Staatliche Zuschüsse für die Lehre wurden laut Hamann kaum genutzt, weil die Bedingungen streng seien. Die Konjunkturprogramme des Bundes dagegen kamen an: 84.000 Antragsteller aus Sachsen beantragten rund 600 Millionen Euro an Zuschüssen, 1.500 Anträge vor allem von größeren Unternehmen wurden für KfW-Schnellkredite im Umfang von 660 Millionen Euro gestellt. 

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Das Kurzarbeitergeld half allein im Juni 20.700 Betrieben mit 190.000 Beschäftigten. Die Arbeitsagentur sieht nun „die Einstellungsbereitschaft der Betriebe in Sachsen wieder steigen“. Reinhilde Willems aus der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen nannte es ein positives Signal, dass sich im September 1.600 Menschen weniger arbeitslos meldeten als im August.

Auch manche Bildungsmaßnahmen begannen trotz Corona wieder. Nun sind 132.841 Sachsen offiziell arbeitslos gemeldet. Das sind zwar rund 22.000 mehr als vor einem Jahr, aber gut 5.000 weniger als im August. Viele Neueinstellungen waren auf die Zeit nach den Sommerferien verschoben worden, auch ein Teil der Schulabsolventen fand nach einer Pause Arbeit. Im September haben sächsische Betriebe 7.360 freie Stellen angemeldet.

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