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Studie: Mini-Jobber sind Corona-Verlierer

In Sachsen sinkt die Zahl der Minijobber drastisch. Damit liegt der Freistaat voll im Trend, wie eine DIW-Studie zeigt. Die Autoren verlangen Reformen.

In der Krise werden Mini-Jobber oft als erstes vor die Tür gesetzt.
In der Krise werden Mini-Jobber oft als erstes vor die Tür gesetzt. © Marijan Murat/dpa

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Arbeitnehmer bislang glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Doch die Pandemie trifft vor allem die Schwächsten –die geringfügig Beschäftigten. Mini-Jobber und Mini-Jobberinnen gehören zu den größten Verlierern der coronabedingten Rezession. Zu diesem Schluss kommt eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). 

Demnach lag die Zahl der Mini-Jobber im Juni 2020 um 850 000 oder 12 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs ging im gleichen Zeitraum nur um 0,2 Prozent zurück. Der entscheidende Unterschied: Beschäftigte in Minijobs haben keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld und oft nur einen befristeten oder gar keinen Arbeitsvertrag, was schneller zu Entlassungen führt.„Minijobber verlieren in einer Wirtschaftskrise vergleichsweise schnell ihre Beschäftigung, deshalb trifft sie die derzeitige Situation besonders hart“, sagt Studienautor Markus Grabka.

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 In den besonders coronageplagten Branchen Gastronomie und Veranstaltungen sind überdurchschnittlich viele Menschen geringfügig beschäftigt. Von denjenigen, die 2019 ausschließlich einem Mini-Job nachgegangen sind, hatte rund die Hälfte im Frühjahr 2020 gar keine bezahlte Arbeit mehr, heißt es in der Studie.

Die Situation der Minijobber in Sachsen liegt dabei im Trend. Nach Angaben der Landesarbeitsagentur in Chemnitz waren im März 2020 in Sachsen 211 191 Frauen und Männer geringfügig beschäftigt, 3,6 Prozent weniger als im März des Vorjahres. Aktuellere Zahlen für die letzten Monate liegen noch nicht vor. Aber nach einer Hochrechnung der Minijobzentrale ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Minijobber im sächsischen Gewerbe im Juni dieses Jahres um 24 580 auf 172 680 gesunken ist, ein Rückgang von 12,5 Prozent. Die meisten Minijobber arbeiten in Sachsen im Handel, im Dienstleistungsbereich und im Gastgewerbe.

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Auch unabhängig von der Corona-Krise sei eine Reform der Minijobs überfällig, betont Grabka. Denn der Bereich der geringfügigen Beschäftigung sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Hoffnung, dass Minijobs ein Sprungbrett in normale sozialversicherungspflichtige Jobs sein könnten, habe sich nicht erfüllt. Von 2003 bis 2019 sei die Zahl der Minijobber um 43 Prozent auf 7,6 Millionen angewachsen. Das entsprach fast einem Fünftel (19 Prozent) aller Arbeitnehmer. In Sachsen sind 11, 9 Prozent aller 1,8 Millionen Beschäftigten Minijobber. Das DIW schlägt vor, die Minijob-Schwelle von 450 auf 300 Euro im Monat abzusenken und möglichst viele Tätigkeiten in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse zu überführen. Nebenjobs sollten nicht mehr von den Sozialabgaben befreit werden.

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