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Wirtschaft

Tarifkonflikt: Bahn scheitert mit Offerte

Im letzten Augenblick will die Bahn verhindern, dass im Tarifkonflikt mit der GDL auch Personenzüge stehen bleiben. Doch die lässt sich nicht erweichen.

"Mit einer Corona-Prämie kommen wir einem wichtigen Anliegen der Gewerkschaften entgegen": Martin Seiler, Personalvorstand der DB.
"Mit einer Corona-Prämie kommen wir einem wichtigen Anliegen der Gewerkschaften entgegen": Martin Seiler, Personalvorstand der DB. © Christoph Soeder/dpa

Berlin. Zum zweiten Mal in diesem Monat müssen Fahrgäste der Deutschen Bahn an diesem Montag und Dienstag einen Streik aushalten. Die Lokführergewerkschaft GDL erhöht damit den Druck im Tarifkonflikt bei dem Staatskonzern. Die Bahn scheiterte am Sonntag mit dem Versuch, den Streik im Personenverkehr noch abzuwenden. Sie erklärte sich bereit, über eine Corona-Prämie für die Beschäftigten zu verhandeln. Die GDL sieht darin jedoch ein "Scheinangebot" und weitet ihren Streik wie geplant aus. Schon seit Samstag bestreikt sie den Güterverkehr.

Die Bahn will während des Streiks rund ein Viertel des normalen Fahrplans im Fernverkehr anbieten. Im Regional- und S-Bahnverkehr peilt sie im Schnitt etwa 40 Prozent des Zugverkehrs an. Wieder dürfte der Osten stärker betroffen sein als der Westen. Auch die S-Bahnen der DB werden bestreikt. Für Mittwoch rechnet die Bahn wieder mit einem weitgehend normalen Ablauf.

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Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hatte am Sonntagnachmittag noch einmal an die GDL appelliert, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. "Wir kommen nicht mit leeren Händen an den Verhandlungstisch." Die Bahn sei bereit, zusätzlich über eine Corona-Prämie in diesem Jahr zu verhandeln. "Jetzt ist die GDL am Zug, darauf zu reagieren und das Streiken dann auch in der Form sein zu lassen."

GDL: "Eine weitere Nebelkerze"

Doch die GDL ließ sich nicht bewegen und warf der Bahn vor, zu tricksen. Gewerkschaftschef Claus Weselsky kritisierte am Sonntagabend, die Offerte sei das Papier nicht Wert, auf dem sie stehe. Er forderte ein konkretes Angebot, "nicht das "In-Aussicht-Stellen" eines Angebots". In Wahrheit habe sich der Bahnvorstand keinen Millimeter bewegt. "Beim vorliegenden Angebot handelt es sich nur um eine weitere Nebelkerze und den erneuten Versuch, die Öffentlichkeit hinters Licht zu führen."

Die GDL hatte unter anderem eine Corona-Prämie von 600 Euro gefordert. Zu den Streitpunkten im Tarifkonflikt zählen auch die Erhöhung der Tabellenentgelte und die Laufzeit des Tarifvertrags. Gestritten wird auch über die Altersvorsorge.

Der Streik im Güterverkehr lief nach Bahnangaben ruhig an; am Wochenende ist der Verkehr dort nach Unternehmensangaben üblicherweise relativ gering. Erst im Laufe des Sonntags habe der Rückstau die Rangieranlagen erreicht. Wenn am Montag die Industrieproduktion bundesweit hochgefahren werde, sei mit deutlicheren Beeinträchtigungen und Verspätungen der Cargozüge zu rechnen, teilte die Bahn mit.

Mehr Engpässe in der Industrie

"System- und versorgungsrelevante Züge werden weiterhin vom zentralen Arbeitsstab der DB Cargo priorisiert und gelangen bislang - auch mit Hilfe unserer Partnerbahnen - an ihr Ziel." Mehr als die Hälfte der Güter auf der Schiene werde nicht von der Deutschen Bahn transportiert.

Der Streik im Güterverkehr verschärft aus Sicht des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) die Engpässe in der Industrie weiter. "Das dürften früher oder später auch die Verbraucher spüren, etwa beim Bau oder dem Autokauf", sagte der BME-Logistikexperte Carsten Knauer. Schon jetzt machten etwa der Chipmangel oder Materialengpässe wie beim Holz auf dem Bau den jeweiligen Branchen zu schaffen. Mit dem Streik käme für die Sektoren, die bei ihren Lieferketten vor allem auf die Schiene setzten, ein weiteres Problem hinzu.

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Dazu gehört laut Knauer neben der Autoindustrie auch die Stahl- und Chemieindustrie. Transportalternativen etwa bei der Bahn-Konkurrenz auf der Schiene oder auch auf der Straße gebe es kaum. "Jeder Verkehrsträger ist total überbucht und die Preise gehen durch die Decke", sagte Knauer. "Es ist aktuell kurzfristig so gut wie unmöglich, Verkehre auf die Straße zu verlagern." (dpa)

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