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Tesla-Chef Elon Musk will Twitter kaufen

Elon Musk will den Kurznachrichtendienst Twitter übernehmen. Sein Angebot an die Aktionäre liegt leicht über dem Börsenpreis. Doch noch läuft eine Klage gegen den Milliardär.

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Elon Musk ist bereits größter Aktionär von Twitter. Nun will er den Kurznachrichtendienst übernehmen.
Elon Musk ist bereits größter Aktionär von Twitter. Nun will er den Kurznachrichtendienst übernehmen. © Matt Rourke/AP/dpa

San Francisco. Tech-Milliardär Elon Musk startet einen Versuch, Twitter zu kaufen. Der Chef des Elektroauto-Herstellers Tesla gab am Donnerstag ein Angebot zum Kauf aller Aktien des Kurznachrichtendienstes bekannt. Er wolle Twitter nach einer Übernahme von der Börse nehmen, weil der Dienst nur so das Potenzial als Plattform für Redefreiheit ausschöpfen könne, argumentierte der 50-Jährige.

Anfang April war bekannt geworden, dass Musk mit einer Beteiligung von 9,2 Prozent zum größten Aktionär von Twitter wurde. Er bietet nun allen Aktionären 54,20 Dollar pro Aktie, wie aus einer Mitteilung bei der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht. Das Papier schloss am Mittwoch bei knapp 46 Dollar. Allerdings verweist Musk darauf, dass der vorgeschlagene Preis einen Aufschlag von mehr als 38 Prozent auf den letzten Preis vor Bekanntwerden seines Einstiegs bei Twitter bedeute.

Twitter hat neben dem Streubesitz mehrere Finanzinvestoren als große Anteilseigner, die jeweils zwischen zwei bis acht Prozent der Anteile halten. Es würde also nicht reichen, nur wenige Großaktionäre vom Verkauf zu überzeugen. Anleger zeigten sich zunächst recht skeptisch: Die Twitter-Aktie rückte zum Auftakt des US-Handels lediglich auf rund 48 Dollar vor.

Musk schrieb, dass der Preis sein letztes Angebot sei. Scheitere der Übernahmeversuch, müsse er sein Engagement bei Twitter überdenken.

Verzicht auf Verwaltungsratsposten macht Übernahme möglich

Die Erfolgsaussichten von Musks Übernahmeattacke sind unklar. Twitter war zuletzt gut 36 Milliarden Dollar wert, zu Musks Gebot wäre ein Deal rund 43 Milliarden Dollar schwer. Für den reichsten Mann der Welt, dessen Vermögen auf rund 260 Milliarden Dollar geschätzt wird, wäre das problemlos zu stemmen. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob genug heutige Aktionäre zu diesem Preis an Musk verkaufen wollen, um ihm die Kontrolle zu geben.

Zugleich ist Twitter nicht so gut gegen feindliche Übernahmen geschützt wie etwa Facebook, Amazon oder Google, wo Gründer Aktien mit mehr Stimmrechten bekamen. Das erlaubt ihnen, die Kontrolle über das Unternehmen zu behalten, auch wenn sie nicht mehr die Mehrheit der Aktien halten.

Aber auch wenn Musk bei Twitter theoretisch allein schon mit der Aktienmehrheit ans Ziel kommen könnte - der Dienst hat viele Wege, sich zu verteidigen. Zu den sogenannten "Poison Pills" (Giftpillen), mit denen Unternehmen sich gegen feindliche Übernahmen Wehr setzen, gehört zum Beispiel die Ausgabe neuer günstigerer Aktien an andere Aktionäre. Das verwässert den Anteil eines Angreifers wie Musk.

Dass Musk eine Übernahmeattacke starten könnte, wurde von Beobachtern bereits vermutet, nachdem er am Wochenende einen Sitz im Verwaltungsrat des Unternehmens ausgeschlagen hatte. Laut einer Vereinbarung mit Twitter hätte er sich damit nämlich verpflichtet, seinen Anteil nicht über 14,9 Prozent zu erhöhen. Der Verzicht auf die Mitgliedschaft in dem Aufsichtsgremium öffnete Musk hingegen die Tür, um mehr Anteile zu kaufen.

Twitter Aktionär startete Sammelklage gegen Musk

Am Dienstag hat zudem ein anderer Twitter-Aktionär wegen angeblichen Wertpapierbetrugs eine potenzielle Sammelklage gegen den Multimilliardär gestartet. Der Kläger beschuldigt Musk, sein Twitter-Investment nicht innerhalb der gesetzlichen Meldefrist öffentlich gemacht zu haben. Dadurch sei eine Börsenreaktion hinausgezögert und der Aktienkurs künstlich niedrig gehalten worden, während er seinen Anteil weiter ausbaute.

Eine Stellungnahme Musks zu der Klage lag zunächst nicht vor. Eigentlich gelten strikte Vorschriften, wenn Beteiligungen an US-Firmen den Schwellenwert von fünf Prozent übersteigen. Musk hatte am 4. April in einer Pflichtmitteilung an die Börsenaufsicht SEC bekannt gemacht, einen Anteil von gut neun Prozent an Twitter zu halten. Diese Nachricht ließ den Aktienkurs kräftig steigen.

Doch der Klage zufolge hatte Musks Beteiligung bereits Mitte März bei über fünf Prozent gelegen - ohne dass dieser es fristgemäß innerhalb von zehn Tagen mitgeteilt habe. Dadurch habe Musk bis zur Mitteilung am 4. April weiter günstig Twitter-Aktien zukaufen können. Anleger, die in diesem Zeitraum verkauften, seien benachteiligt worden.

Wie Musk Twitter verändern will bleibt offen

Der Tesla-Chef hat mehr als 80 Millionen Follower bei Twitter und zählt damit zu den populärsten Nutzern. Er sei bei dem Dienst eingestiegen, weil er an das Potenzial von Twitter "als Plattform für freie Rede rund um die Welt" glaube - und das sei entscheidend für eine funktionierende Demokratie, schrieb er am Donnerstag. Inzwischen sei er aber zu der Einsicht gekommen, dass die Firma in ihrer heutigen Form weder dieser Rolle gerecht werden noch finanziell prosperieren könne. "Twitter hat außerordentliches Potenzial. Ich werde es freisetzen", schrieb Musk.

Wie genau Musk Twitter verändern will, bleibt weitgehend offen - zum Beispiel, wo er die Defizite bei der Redefreiheit sieht. In den vergangenen Jahren waren es in den USA vor allem die Konservativen und allen voran die Anhänger von Ex-Präsident Donald Trump, die Twitter "Zensur" vorwarfen. Dabei ging es meist um Maßnahmen gegen die Verbreitung falscher Informationen über das Coronavirus sowie Trumps Behauptungen, dass ihm der Sieg bei der Präsidentenwahl 2020 gestohlen worden sei. (dpa)