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So nachhaltig will Sachsens Textilindustrie werden

Die Branche ist optimistisch, die europäischen Klimaziele zu erreichen. Doch ohne Preiserhöhungen geht es nicht.

In der Textilindustrie sollen zunehmend Maschinen mit geringem CO2-Fußabdruck zum Einsatz kommen.
In der Textilindustrie sollen zunehmend Maschinen mit geringem CO2-Fußabdruck zum Einsatz kommen. © Wolfgang Schmidt

Chemnitz. An der Textilindustrie ist die Corona-Krise nicht spurlos vorüber gegangen. Im Vergleich zum Krisenjahr 2020 stiegen die Umsatzzahlen im ersten Halbjahr zwar bundesweit wieder um 5 Prozent, Umsätze wie vor Corona erwartet der Branchenverband aber nicht so schnell. Vor allem der Bekleidungssektor schreibt auch in Sachsen weiterhin negative Zahlen.

Rund 800 Textilunternehmen und etwa 300 Bekleidungsunternehmen existieren in den neuen Bundesländern, ein Großteil davon in Sachsen. Um aus der Krise zu kommen, will sie der Verband für nachhaltige Produktion sensibilisieren. "Wir sehen das als Chance für neue Märkte und Kunden", sagt Ingeborg Neumann, Präsidentin des Bundesverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie. "Und wir sind da schon viel weiter, als andere denken." Laut einer Umfrage der Verbandsmitglieder beschäftige sich bereits jeder zweite Betrieb mit dem Thema, 92 Prozent wollen dies zukünftig tun, erklärte sie im Rahmen der 30. Mitgliederversammlung des nord-ostdeutschen Regionalverbands.

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"Deutschland ist nicht der ideale Standort"

Konkret gehe es häufig um den Austausch alter Maschinen. Bei neuen Investitionen werde vermehrt auf den CO2-Fußabdruck und den Stromverbrauch geschaut. Für grünen Strom werde auch mal mehr Geld ausgegeben. Um eigenen Strom zu produzieren - etwa durch Solardächer - sei Deutschland allerdings nicht der ideale Standort, sagt Neumann. Es gebe zu wenig Sonne und Wind.

Außerdem mache ihr der steigende Gaspreis Sorge, der für die Industrie noch relevanter ist als Strom. "Doch auf was sollen wir wechseln? Als mittelständische Unternehmen sind wir nicht in der Lage, selber Wasserstoff zu produzieren." Neumann rechnet mit höheren Preisen für Textilprodukte wie Autositze, Markisen oder Verpackungsmaterialien.

Kein Windrad mehr ohne Textil

Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V.
Ingeborg Neumann, Präsidentin des Gesamtverbands der deutschen Textil- und Modeindustrie e.V. © dpa-Zentralbild

Von der künftigen Bundesregierung fordert der Verband daher neben geringeren Stromkosten und Steuererleichterungen auch eine stärkere Förderung der Forschung in der Branche. Innovative Produkte seien eine große Chance, meint Jenz Otto, Hauptgeschäftsführer des nord-ostdeutschen Branchenverbands für die Textil- und Bekleidungsindustrie. Es gehe darum, die Wegwerfideologie zu durchbrechen. Bei Gesundheitstextilien etwa müsse man wegkommen von der Wegwerfmaske.

Dabei kann die Textilindustrie auch selbst Lösungen für mehr Nachhaltigkeit entwickeln. Bei Windrädern könnten beispielsweise smarte Textilien eingesetzt werden, die über einen Sensor automatisiert den Zustand der Flügel messen und auf Schäden hinweisen. Laut Johannes Diebel, der das Forschungskuratorium Textil leitet, bliebe in der Industriellen Gemeinschaftsforschung jedoch knapp jeder zweite Förderantrag auf der Strecke. Die Innovationsbereitschaft in den Unternehmen sei da, es fehle aber das Geld.

Auch die Chemikalienpolitik spielt da eine Rolle. Der Verband lehnt es ab, Chemikalien noch schärfer von der EU regulieren zu lassen. Verbote würden zu häufig innovationshemmend wirken und dazu führen, dass Unternehmen an andere Standorte abwanderten. Stattdessen brauche es auf nationaler und europäischer Ebene einen verlässlichen Rahmen, der unter anderem auch die langfristige Digitalisierung der Unternehmen unterstützt, beispielsweise durch Bündelung von Zuständigkeiten für Digitales auf Bundesebene oder den Ausbau der Mobilfunknetze.

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