merken
PLUS Leben und Stil

Auf Rad- und Wanderrouten wird es bald eng

Zwar verzögert sich der Start in die Outdoor-Saison. Doch vieles spricht dafür, mit dem Buchen nicht mehr zu lange zu warten.

Zwei Wanderer genießen die Sonne.
Zwei Wanderer genießen die Sonne. © dpa/Christoph Schmidt

Normalerweise stünde für den Dresdner Veranstalter Augustustours zu Ostern das erste große Wochenende bevor. Denn dann beginnt in Deutschland die Rad- und Wandersaison. Doch nun bleiben die Hotels weiter dicht. „Wir nehmen für April gar keine Buchungen erst an“, sagt Mitarbeiterin Anke Berndt. „Denn das Hin und Her um Öffnung oder nicht ist weder für die Kunden noch für uns gut.“

Auch andere Anbieter von Rad- und Wanderreisen hoffen nun auf den Mai. „Wir wären bei Öffnung der Hotels innerhalb einer Woche startklar“, sagt Verena Sonnenberg, Chefin der Firmen Eurobike und Eurohike mit Sitz in Österreich. Deutschland ist ihr wichtigster Markt. An interessierten Kunden mangelt es nicht. Im Gegenteil. Denn Radfahren und Wandern sind in der Pandemie gefragte Urlaubsformen: draußen in der Natur, aktiv in Bewegung, flexibel, individuell und ohne große Beschränkungen. „Ein solcher Urlaub ist vermutlich sicherer als der Einkauf im Supermarkt“, sagt Daniel Kraus, Chef von Wikinger Reisen. „Bei unseren rund 10.000 Wander- und Radurlaubern im letzten Sommer gab es nicht einen Corona-Fall.“

Elbgalerie Riesa
Hier macht Shoppen glücklich!
Hier macht Shoppen glücklich!

"Alles bekommen. In Riesa." – dieses Motto lebt die Elbgalerie Riesa.

Laut Radreiseanalyse des ADFC haben im vergangenen Jahr 1,8 Millionen Deutsche erstmals eine Radreise mit mindestens drei Übernachtungen unternommen – 3,5 Millionen waren es insgesamt. Das sind zwar immer noch weniger als in Vor-Corona-Zeiten. Doch im Vergleich zu Flugreisen und Kreuzfahrten fällt das Minus deutlich geringer aus. Viele Jahre lang ging der Trend auch beim Radfahren in die Ferne: Mallorca, Madeira, Piemont. Etwa jede dritte Radreise fand 2019 noch im Ausland statt. Selbst exotische Länder wie Taiwan werben um Radtouristen. „Von der Hauptstadt Taipei aus kann man mit Leihrad auf der Route Nummer 1 zu einer 940 Kilometer langen Rundtour um die Insel starten“, sagt Pia Böttcher vom Taiwanesischen Tourismus Büro. „Zehn bis zwölf Tage lang über Berge, vorbei an Nationalparks, Teeplantagen, Stränden und Wasserfällen.“

Urlaub im eigenen Land

In Pandemiezeiten jedoch entdecken viele Deutsche die Schönheit ihrer Heimat wieder. Ganz vorn in der Beliebtheit rangieren die Radregionen Ostholstein, Bodensee und das Münsterland. Bei Augustustours ist nach wie vor der Elberadweg der Klassiker. „Er ist gut ausgebaut und ausgeschildert, bietet viele Hotels und Einkehrmöglichkeiten am Wegesrand“, sagt Anke Berndt. Aber auch an Oder und Neiße, Spree, Havel, Saale oder Unstrut sei man gut unterwegs. Das Gepäck wird auf Wunsch von Hotel zu Hotel gebracht. Dass diese vorgebucht sind, kann dieses Jahr hilfreich sein. Denn die meisten Deutschen wollen sicherheitshalber im Inland urlauben.

„Bei unseren Partnerhotels achten wir auf Hygienekonzepte, bieten neue Umbuchungsmöglichkeiten und Covid-19-Versicherungen mit an“, sagt Thomas Eberl, Chef der Mecklenburger Radtour. Wie andere Radreiseanbieter erwartet er einen Ansturm für Sommer und Herbst, wenn die Hotels wieder öffnen dürfen. „Auf beliebten Routen wie dem Nord- oder Ostseeküstenradweg kann es da schnell zu Kapazitätsgrenzen in den Hotels kommen“, sagt er. Laut Verena Sonnenberg von Eurobike sind begehrte Touren wie die Alpenüberquerung von München über Meran zum Gardasee oder die Münchener Seenrunde schon jetzt gut gebucht. „Wenn man auf einen bestimmten Termin fixiert ist, sollte man nicht mehr so lange warten“, rät sie. Auch durch die wachsende Beliebtheit von E-Bikes wird es auf manchen Routen eng. Bei Eurobike beträgt der Anteil der Elektrobike-Fahrer schon mehr als 50 Prozent.

Den Veranstaltern wird in Pandemiezeiten einiges abverlangt. „Noch wissen wir ja nicht mal genau, welches Hotel tatsächlich wieder aufmacht“, so Sonnenberg. Zudem wollen Kunden immer kurzfristiger buchen. „Manche schauen auf den Wetterbericht und möchten bei Sonnenschein sieben Tage später starten“, sagt sie.

Weiterführende Artikel

Corona: Wie fern ist jetzt das Abenteuer Fernreise?

Corona: Wie fern ist jetzt das Abenteuer Fernreise?

Die Regierung prüft ein Verbot. Doch Aktivreisen draußen genießen ein hohes Vertrauen. Wo sie im Ausland möglich sind und welche Hürden bestehen.

Für viele noch nicht so bekannte Tourismusregionen in Deutschland ist die neue Lust am Radeln und Wandern eine Chance. Wer klug in die Infrastruktur investiert, mit regionalen Besonderheiten und authentischer Kulinarik aufwartet, wird den einen oder anderen Gast vielleicht auch in Post-Corona-Zeiten begrüßen können.

Mehr zum Thema Leben und Stil