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Einmal Müritz und drumrum

Ob wandern oder radeln, Tiere gucken oder Schloss erkunden – für entspannte Erlebnisse ist die Umgebung von Deutschlands größtem See ein ideales Revier.

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Die Müritz ist das Herz der Mecklenburgischen Seenplatte und eines blauen Paradieses.
Die Müritz ist das Herz der Mecklenburgischen Seenplatte und eines blauen Paradieses. © Ekkehart Eichler

Von Ekkehart Eichler

Die Müritz ist Deutschlands größter See“. Wer unterwegs ist in der Mecklenburgischen Seenplatte, wird diesen Satz öfter mal hören. Voller Stolz, versteht sich. Ganz korrekt ist das zwar nicht, misst doch der deutsche Anteil am Bodensee immer noch mehr an Fläche. Völlig falsch wiederum liegt man hier trotzdem nicht: Mit 117 Quadratkilometern ist die Müritz das größte Gewässer auf komplett deutschem Territorium. Auch in puncto Popularität ist das „Mecklenburgische Meer“ ein Superlativ. Ohne jeden Zweifel.

Als touristisches Herz der Region und eines blauen Paradieses pumpt die Müritz Freizeitkapitäne in alle Himmelsrichtungen – über ein gigantisches Netz von Hunderten Seen und zweitausend Kilometern Wasserwegen. Im Müritz-Nationalpark gehen Hobby- und Profi-Ornithologen auf Pirsch zu über 200 Vogelarten mit See- und Fischadlern als Königen im Revier. Naturfreunde können auf dem „Wald-Erlebnis-Pfad“ zum offiziell größten Schatz der Region pilgern, dem Welterbe-Buchenwald von Serrahn. Oder zu den Methusalem-Eichen von Ivenack. Die Stadt Waren bietet für all das eine moderne Urlaubsbasis mit guter touristischer Infrastruktur.

Punkt zehn laufen dort am Hotel Amsee Paul und Stefan los zu einer Runde um den Tiefwarensee. Lockere neun Kilometer fast immer am Ufer entlang, auf den Spuren der letzten Eiszeit. Denn der Tiefwarensee, mit 23 Metern etwas flacher als die große Müritz nebenan, ist eine von Gletscher-Schmelzwasser aufgefüllte Rinne. Auf seiner Endmoräne erheben sich die berühmten Warener Buchen – ein kleiner Wald mit herrlichen Exemplaren des für Norddeutschland so typischen Baumes. Für Fotograf Paul ein Eldorado an Formen und Strukturen, für Lehrer Stefan ein biologischer Schatz. Alles, was hier kreucht, fleucht und sprießt, kennt er quasi per Handschlag.

Höhenangst-Dimensionen

Doch nicht nur für Insider ist diese Wanderung wie gemacht. Auf dem Eiszeitlehrpfad durchquert man die „Wolfsschlucht“, passiert die Pommersche Wiese, den Mühlenberg mit Freilichtbühne und einen Hotel-Schaugarten, dem sogar ein Zen-Meister seinen meditativen Stempel aufgedrückt hat. Man streift einsame Badestellen, begeistert sich an den Panoramen vom See und Waren mit der markanten Turmhaube der Marienkirche. Schöner kann ein Wanderweg Natur und Stadt nicht miteinander verbinden.

Das Rentnerpaar Anne und Achim haben diesen Weg schon erkundet. Für sie steht heute eine 25-Kilometerrunde durch den Nationalpark auf dem Plan. Punkt 9.30 Uhr steigen sie dafür an der Mole in den ersten Nationalparkbus des Tages. Ihre Räder haben sie auf dem Anhänger verstaut. Ausstieg in Federow, erster Halt das winzige Gutsdorf Schwarzenhof mit Nationalpark-Station. Ein Plausch mit Rangerin Liane über Wetter und Wege, dann sitzen die beiden schon wieder im Sattel. Bis im nächsten Dorf mit dem schönen Namen Speck der Fuchsbau lockt. An diesem Imbiss kommt kein Passant vorbei – zu köstlich sind Wildgulaschsuppe, Kuchen, Apfelsaft und selbst gebackenes Brot.

Gleich danach erwartet sie ein Höhepunkt im doppelten Sinn. Den 100 Meter hohen Käflingsberg krönt ein Aussichtsturm, der noch einmal 55 Meter beisteuert – für MeckPomm sind das Höhenangst-Dimensionen. Die Aussichten sind entsprechend atemberaubend. Allein die sechs schimmernden See-Perlen lohnen den Aufstieg. Wieder unten strampeln die beiden nach Boek. Das Dorf ist zugleich das südliche Tor zum Nationalpark und populär für seine Greifvogel-Führungen.

Rund um die Uhr einfach Bär sein

Wer nicht genug bekommt von Tieren oder einen Unterschlupf für Regentage sucht, ist im Müritzeum in Waren richtig. 500 Maränen im wogenden Schwarm, wuselnde Störe, Prachthecht und Welse in friedlicher Koexistenz: Große Fische, kleine Fische, aber auch Schnecken, Muscheln und fast ausgestorbene einheimische Schildkröten – insgesamt 50 Tierarten bevölkern die 26 Schaubecken in Deutschlands größter Aquarienlandschaft für heimische Süßwasserfische. Sie bietet famose Einblicke in die Unterwasserwelt der Mecklenburgischen Seenplatte und des Müritz-Nationalparks.

Das Müritzeum ist Deutschlands größte Aquarienlandschaft für heimische Süßwasserfische.
Das Müritzeum ist Deutschlands größte Aquarienlandschaft für heimische Süßwasserfische. © Ekkehart Eichler

Nicht weit entfernt, in Stuer bei Plau am See, sind die Bären los. 13 große Braune, um genau zu sein. Allesamt gerettet aus schlechter Haltung in Zoos, Zirkussen und Privatbesitz, leben sie im Bärenwald Müritz unter exquisiten Bedingungen auf naturbelassenem Areal. Westeuropas größtes Bärenschutzzentrum ist ein Projekt von „Vier Pfoten“, das es Balou, Ben, Sylvia und ihren Artgenossen erlaubt, rund um die Uhr einfach Bär zu sein.

Warten und schweigen

18 Uhr, Federow bei Waren. Wie fast jeden Abend im Herbst, hat sich auch heute ein Grüppchen an der Nationalpark-Info eingefunden, das scharf ist auf ein besonderes Schauspiel. Showbühne ist der zwei Kilometer entfernte und gänzlich von Wald- und Schilfgürteln umschlossene Rederang-See, die Zuschauerloge ein großer überdachter Ausguck mit freier Sicht nach vorn. Dann heißt es warten und schweigen. Keiner redet, niemand telefoniert – allein diese langen Minuten unverhoffter Stille und tiefen Friedens in reinster Natur sind das Vergnügen schon wert.

Das ändert sich, als die Hauptdarsteller peu à peu einfliegen und sich schon lautstark ankündigen, bevor sie ins Blickfeld geraten. Zwischen sieben und acht Uhr schwebt Kranichstaffel um Kranichstaffel ein – mal in kleiner Schar, mal in großer Formation, mal in tanzender Kette, mal als perfekter Keil – immer jedoch kräftig trompetend und spektakelnd. Ein tolles Naturschauspiel, das von Ende September bis Mitte Oktober sein fulminantes Finale erlebt. Dann nämlich tanken hier um die 10.000 Kraniche auf für den Weiterflug gen Süden und machen Megarabatz.

Für Rangerin Liane Himm ist darüber hinaus die jährliche Rotwildbrunft das persönliche Highlight: „Röhrende Hirsche hören und mit etwas Glück auch sehen, das ist etwas, was mich seit der Kindheit begleitet und noch immer begeistert. Ich bekomme da jedes Mal wieder Gänsehaut.“ Die Führung dazu gibt es zwei Wochen lang ab Mitte September, sechsmal pro Woche, dreimal frühmorgens und dreimal abends.

Besucherboom durch "Bridgerton"

Als Kronprinz Friedrich von Preußen – der spätere Friedrich der Große – 1736 zu Gast in Mirow war, kamen ihm die Schlossbewohner so ungebildet und urkomisch vor, dass er sie fortan als Mirokesen verspottete. Wer sich heute ins Mirower Schloss begibt, wird angesichts manch wirklich schrägen Herzogs noch immer schmunzeln über die bissigen Kommentare des jungen Fritz. Vielmehr aber wird man feststellen, dass das Schloss ein echtes Kleinod ist.

Zudem war es einsgt Heimat eines Weltstars: Die jüngste Mirower Prinzessin Sophie Charlotte nämlich verließ am 18. August 1761 das Schloss für immer, um Königin von Großbritannien zu werden. Später wurde sie Namenspatronin der Paradiesvogelblume Strelitzie. Dass sich die aktuelle Netflix-Serie „Bridgerton“ um eben diese Queen Charlotte dreht, sorgt zusätzlich für Besucherboom-Effekte.

Das hübsche Barockschloss in wunderbarer Insellage ist übrigens das einzige Denkmal, in dem sich die herzogliche Wohnkultur der Mecklenburg-Strelitzer Dynastie erhalten hat. Kastellan Ralf Bäßler weiß über sie ganz trefflich zu erzählen. Auf knackigen Erlebnis-Führungen lernen Gäste zum Beispiel das Gewitterzimmer kennen, das Streublumenzimmer oder auch das gestickte Porzellankabinett, inklusive zahlreicher Objekte zum Anfassen. Besucher dürfen sogar hinter geheime Türen linsen und verborgene Kammern entdecken. Und wer sich dann noch mal ganz königlich entspannen will, sollte unbedingt an Bord der Blau-Weißen-Flotte gehen. Zur Fünf-Seen-Fahrt durch ein wirklich umwerfendes Seerosenparadies.

Gästekarte hilft

  • Anreise: Mit dem Auto über die A 19 (Abfahrt Röbel oder Waren) oder A 20 (Abfahrt Friedland) in die Mecklenburgische Seenplatte und den Müritz-Nationalpark.
  • Rundum-Sorglos-Ticket: Übernachtungsgäste in Waren (Müritz), Röbel/Müritz, Klink, Rechlin und Kargow können die Busse von „Müritz rundum“ kostenlos nutzen. Einfach Gästekarte vorzeigen.
  • Programme und Aktivitäten im Nationalpark (Auswahl): Adler-Safari, Vogelstimmenwanderung, Wildpflanzen-Zauber, Kranichbeobachtung, geführte Rad- und Wandertouren zum Beispiel zum Welterbe.
  • Müritzeum: täglich 10 bis 19 Uhr, Eintritt 14 Euro/7 Euro
  • Bärenwald: täglich 9 bis 19 Uhr, Eintritt 12 Euro/6 Euro
  • Veranstaltungstipp: „Schlösserherbst“, 7. bis 22. Oktober, viele Veranstaltungen in alten Guts- und Herrenhäusern. Mehr Infos finden Sie hier.