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Krönt Herrnhuts Stern den Lauschegipfel?

Wenn es nach der Sternemanufaktur ginge: sofort. Doch Großschönaus Bürgermeister steht dem Plan skeptisch gegenüber - auch wegen der Natur. Zu Recht?

Einweihung der neuen Aussichtsplattform im August dieses Jahres. An diesem Turm will die Herrnhuter Sterne GmbH gern einen 1,90-Meter-Stern anbringen.
Einweihung der neuen Aussichtsplattform im August dieses Jahres. An diesem Turm will die Herrnhuter Sterne GmbH gern einen 1,90-Meter-Stern anbringen. © Archiv: Matthias Weber/photoweber.de

Wäre das nicht ein tolles Symbol? Wenn auf dem höchsten Gipfel des Zittauer Gebirges ein 1,90 Meter großer Herrnhuter Stern leuchtet? "Das hätte Strahlkraft", findet Jens Ruppert ganz unbedingt. Verständlich, dass er das als Verkaufsleiter der Herrnhuter Sterne GmbH und Experte für Sonderanfertigungen und Extra-Projekte so sieht. Mit diesem Vorschlag im Gepäck traf sich Ruppert also vor Kurzem mit Großschönaus Bürgermeister Frank Peuker (parteilos) und stellte ihm die Idee genauer vor - für die er kein Geld, sondern etwas anderes von der Gemeinde erbat: Unterstützung. Genau da liegt nun der Haken.

Doch der Reihe nach. Der Plan der Herrnhuter lautet so: Wenn sich die Gemeinde dafür stark macht, dass auf der neu errichteten Lausche-Aussichtsplattform ein großer Herrnhuter Stern angebracht werden kann, dann finanzieren die Herrnhuter alle nötigen Dinge selbst - vom metallenen Ausleger für den Stern bis zu statisch nötigen Befestigungen. Profitieren würden beide Seiten davon, ist sich Jens Ruppert sicher. Denn diesen neuen Glanzpunkt würde man gern mit der Gemeinde zelebrieren: "Das wäre für den Tourismus ein neuer Anreiz, ein Anziehungspunkt vor allem in der dunkleren Jahreszeit", skizziert er. Und auch das jährliche Anbringen des Sterns könnte er sich als feierliches Einleiten der Adventszeit gut vorstellen.

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Große Skepsis in Großschönau

Begeisterungsstürme hat Ruppert bei Frank Peuker damit aber nicht geerntet. Im Gegenteil: Der Bürgermeister ist mehr als skeptisch - und zwar in mehrfacher Hinsicht: "Das ist ja eine schöne Idee, aber ich halte sie nicht für zielführend, die Wirkung verpufft", sagt er und erklärt: "Man sieht auf der Lausche höchstens einen Lichtpunkt, den Stern kann man überhaupt nicht erkennen." Abgesehen davon, sei bei den starken Windspitzen vor allem durch den böhmischen Wind ein enormer Aufwand nötig, um den Stern sicher zu montieren - ein Frage von Aufwand und Nutzen.

Denn der Stern kann nicht einfach in der Mitte des Turms aufgehängt werden, weil dort der Funkturm steht, den die Plattform ummantelt. Etwas, das die Herrnhuter nicht schreckt, sie haben Erfahrungen. Allerdings möchte Peuker vermeiden, dass nach Abschluss der Arbeiten an der Plattform nochmals an die Konstruktion rangegangen werde.

Steht hier der Naturschutz dagegen?

Die größten Zweifel aber hat der Bürgermeister beim Naturschutz. Denn schon die Aussichtsplattform errichten zu können, sei kompliziert gewesen. Vieles gab es zu bedenken und zu beachten. Denn die obere Kuppe des Lauschegipfels ist seit 1967 als Naturschutzgebiet ausgewiesen - es gilt die strengste Schutzstufe. Auf einer Fläche von 11,7 Hektar besteht noch immer alter Berg-Buchenmischwald, der eine Vielzahl seltener und geschützter Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Das Naturschutzgebiet ist eines von sechs im Süden des Kreises, und seine Regeln bestimmen, was der Mensch hier darf. Nicht gewollt sei unter anderem, dass große Gruppen auf den Gipfel wandern, erklärt Peuker. Auch zusätzliches Licht sei aus Naturschutzgründen nicht gewollt, sagt er.

Kritiker fragen: Wie viel Herrnhuter Stern sähe man vom Fuße der Lausche?
Kritiker fragen: Wie viel Herrnhuter Stern sähe man vom Fuße der Lausche? © Matthias Weber/photoweber.de
Die Konstruktion umschließt den alten Funkturm - deshalb ist in der Mitte kein Platz für einen so großen Stern - ein Ausleger wäre nötig.
Die Konstruktion umschließt den alten Funkturm - deshalb ist in der Mitte kein Platz für einen so großen Stern - ein Ausleger wäre nötig. © Matthias Weber/photoweber.de
Zur Einweihung im August zog der Neubau viel Aufmerksamkeit auf sich.
Zur Einweihung im August zog der Neubau viel Aufmerksamkeit auf sich. © Matthias Weber/photoweber.de
Mit 792,6 Metern ist die Lausche nicht nur der höchste Berg im Zittauer Gebirge, sondern auch im gesamten Lausitzer Gebirge sowie in Deutschland östlich der Elbe.
Mit 792,6 Metern ist die Lausche nicht nur der höchste Berg im Zittauer Gebirge, sondern auch im gesamten Lausitzer Gebirge sowie in Deutschland östlich der Elbe. © Matthias Weber/photoweber.de

Wäre es also vergebens, wenigstens zu prüfen, ob ein Herrnhuter Stern auf dem Gipfel dem Naturschutz widerspricht? Das sieht die Untere Naturschutzbehörde des Kreises pauschal nicht so - betont allerdings auf Nachfrage, dass kein Antrag vorliege und man dies deshalb konkret nicht beurteilen könne. Dass das Naturschutzrecht auf der Lausche "Beschränkungen bezüglich der Anzahl von Personen auf dem Gipfel" nach sich ziehe, sei nicht der Fall. "Festgelegt ist aber, dass das Betreten des Naturschutzgebietes nur auf ausgewiesenen Wegen zulässig ist", teilt Kreissprecherin Julia Bjar mit. Dass die bisherige Gestaltung des Gipfels und besonders die Errichtung der Aussichtsplattform die Anziehungskraft der Lausche für Touristen ohnehin erhöht habe, liege laut Behörde aber auf der Hand.

Ein Stern auf dem Hainewalder Schloss?

Dennoch: Mit Blick auf den Naturschutz würde Frank Peuker das Engagement der Herrnhuter gern "umlenken", wie er sagt: Ein ausnehmend schöner Platz für einen Herrnhuter Stern wäre doch die Turmhaube des Hainewalder Schlosses, findet er. Dabei ging er davon aus, so erklärt der Bürgermeister, dass dieser Stern dann gesponsert werden würde, so habe er es verstanden.

So habe er es aber nicht gesagt und gemeint, betont Jens Ruppert: "Wir sind bereit, mit einem umfangreichen Sponsoring den Stern für das Hainewalder Schloss zu unterstützen, wenn uns die Gemeinde im Gegenzug beim Lausche-Projekt hilft." Ein gewisser Eigenanteil aber bliebe. Ohnehin sei es keinesfalls Usus, Sonderanfertigungen wie den 1,90-Meter-Stern zu verschenken. Eigenanteile oder die komplette Eigenfinanzierung seien üblich - egal, ob beim Stern fürs Kanzleramt oder die Festung Königstein.

Doch einen wie auch immer gearteten Eigenanteil - bei Gesamtkosten von rund 2.200 Euro laut Sterne GmbH - möchte die Gemeinde aktuell nicht leisten. Das sei auch im Haushalt spontan gar nicht vorgesehen. Und so hängen aktuell die Gespräche zwischen Manufaktur und Gemeinde in der Luft. "Wir haben weiterhin Interesse", betont Jens Ruppert und bedauert: "Der Bürgermeister sei unter den gegebenen Umständen nicht interessiert, das hat er uns zuletzt deutlich gemacht."

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