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Ferien bringen dem Lugstein Rekordumsatz

Das große Hotel im Osterzgebirge erlebte einen super Sommer. Vor allem die Internet-Buchungen haben zugenommen.

Nicht nur für Kinder eine Attraktion: Andreas Sämann, Manager im Zinnwalder Lugsteinhof, füttert zwei junge Ziegenböcke im neuen Kleintierzoo des Hotels.
Nicht nur für Kinder eine Attraktion: Andreas Sämann, Manager im Zinnwalder Lugsteinhof, füttert zwei junge Ziegenböcke im neuen Kleintierzoo des Hotels. © Karl-Ludwig Oberthuer

Sie kommen im Pulk, haben dauernd Hunger und immer was zu meckern. Andreas Sämann hat diese Gäste trotzdem gern in seinem Hotel Lugsteinhof. Über zwanzig wollige Köpfe zählt die Herde Bretonischer Zwergschafe mittlerweile. Die Tiere sind seine ökologischen Rasenmäher. Sie machen das buckelige Buschland hinterm Haus durchsichtig. Für Großstadtkinder eine echte Attraktion, sagt Sämann. Noch größer ist der Spaß, wenn die Shetlandponys July und Luna von ihrer Koppel aus direkt in die Fenster des Schwimmbads gucken. "Ein geiles Bild."

Das Zinnwalder Hotel Lugsteinhof ist mit einem kleinen Zoo aus der Corona-Krise aufgetaucht. Außer den Schafen und den Ponys gibt es Ziegenböcke, Minischweine, ein Dutzend Kaninchen sowie etliche Meerschweinchen. Die Tiere sollen eine wichtige Zielgruppe ansprechen helfen, die Familien. Sämann hätte gern einen pensionierten Zootierpfleger engagieren wollen. Aber der Markt gibt keinen her. So fällt der Zoo seinen Hausmeistern zu. Er lacht. "Die haben sich damit arrangiert."

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Die neuen Öko-Rasenmäher des Zinnwalder Lugsteinhofs: Bretonische Zwergschafe befreien das Hinterland des Hotels vom Wildwuchs.
Die neuen Öko-Rasenmäher des Zinnwalder Lugsteinhofs: Bretonische Zwergschafe befreien das Hinterland des Hotels vom Wildwuchs. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Lugsteinhof gehört zu den größten Gastbetrieben des Osterzgebirges. Seit 1978, damals erbaut als Ferienheim des Ministeriums für Staatssicherheit, kurz Stasi, ist das Haus ohne Unterbrechung in Betrieb. Das Ende der DDR überstand der Lugstein als einziges Ex-Ferienheim der Region ohne Zwangspause. Ein Umstand, den der langjährige Lugsteinhof-Direktor Jochen Löbel stets als Grundstein für den Erfolg nannte. Zuletzt gab es jährlich über 50.000 Übernachtungen in den rund einhundert Zimmern.

Kaufpreis fürs Hotel ist noch nicht bezahlt

Die erste Langzeitpause brachte Corona. Mitte März musste das Hotel dichtmachen, zu einer Zeit, als der Lugstein gerade im Umbruch war. Die Windsor Servicegesellschaft aus Dresden hatte das Haus vom Vorbesitzer, einem Privatmann, der bei Kassel lebt, gekauft. Andreas Sämann, ein studierter Betriebswirt, wurde Manager im Lugsteinhof. Er wollte zügig an die Modernisierung des angejahrten Baus gehen. Für Kauf und Umbau sollten insgesamt rund sechs Millionen Euro ausgegeben werden.

Der Zinnwalder Lugsteinhof aus der Luft. Das Haus wurde 1978 als Ferienheim "Am Lugstein" des Ministeriums für Staatssicherheit eingeweiht.
Der Zinnwalder Lugsteinhof aus der Luft. Das Haus wurde 1978 als Ferienheim "Am Lugstein" des Ministeriums für Staatssicherheit eingeweiht. © Egbert Kamprath

Corona hat die Pläne durcheinander gebracht. Und Corona ist noch nicht vorbei. Die Banken seien sehr zurückhaltend damit, Geld an die Hotellerie auszureichen, erklärt Sämann. Die Kaufpreiszahlung für den Lugstein sei gestundet und werde es auch bleiben. Inzwischen zahlt Windsor Pacht für den Lugsteinhof. 

Bauliche Veränderungen gibt es im Lugstein bisher kaum. Der Empfangstresen wurde aus der Ecke am Eingang an die lange Wand gegenüber verlegt. Die große Intarsienwand, die seit über vierzig Jahren das Wochenprogramm ankündigte, fehlt. Sie liegt bei einem Thüringer Tischler zur Restaurierung. Dass die Lobby noch immer eine Baustelle ist, bleibt dem Gast verborgen. Trockenbauwände wurden vor rohe Ziegelmauern gesetzt, als die Hotels Ende Mai überraschend wieder Gäste empfangen durften. Der Lugstein musste wieder aufgeschlossen werden, sagt Andreas Sämann. Das Haus sei zu etwa 25 Prozent gebucht gewesen.

Fast 700.000 Euro Umsatz durch Shutdown verloren

Während der Schließzeit, so rechnet Sämann, sind seinem Haus etwa 680.000 Euro Umsatz entgangen. Dennoch bleibt er dabei, ein "bodenloser Optimist" zu sein. Nach dem Stillstand im Frühling habe der Lugstein einen super Sommer erlebt, den besten Juli und den besten August in der Geschichte des Unternehmens, mit Zuwachsraten beim Umsatz von fünfzehn, ja sogar zwanzig Prozent.

Manager Andreas Sämann (54) zu Beginn der Corona-Krise im Lugsteinstübel. Aus der Einrichtung entsteht zurzeit eine neue Bar mit exklusiven Whiskeys und Gins.
Manager Andreas Sämann (54) zu Beginn der Corona-Krise im Lugsteinstübel. Aus der Einrichtung entsteht zurzeit eine neue Bar mit exklusiven Whiskeys und Gins. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Manager schreibt den Erfolg vor allem seiner Strategie zu, den elektronischen Reisemarkt zu erschließen. Man habe während Corona massiv daran gearbeitet, die Angebote des Lugsteinhofs auf einschlägigen Buchungsplattformen im Netz verfügbar zu machen. "Jetzt haben wir dafür die positive Quittung erhalten", sagt Sämann. Den Großteil der Buchungen bekomme man jetzt elektronisch, darunter viel "modernes" Publikum, junge Familien, auch aus Westdeutschland, mit durchaus nicht so billigen Autos. 

"Aus einer schlechten Sache etwas Gutes gemacht"

Um die Online-Aufträge effizient verarbeiten zu können, hat Sämann das Buchungssystem des Lugsteins umgestellt, den Gast "digitalisiert", den Papierverbrauch heruntergeschraubt. Während der Zwangsschließung holte er wichtige Mitarbeiter aus der Kurzarbeit und ließ sie in die neuen Abläufe einarbeiten. Anfängliche Skepsis sei gewichen, auch bei älteren Kollegen. "Keiner will mehr zurück", sagt Sämann, "das finde ich toll."

Was die Digitalisierung angeht, das Entschlacken der Abläufe, hat die Krise dem Lugstein geholfen. "Ohne Corona wären wir noch nicht so weit", stellt Andreas Sämann fest. "Aus einer schlechten Sache haben wir was Gutes gemacht". Die neuen Reisegewohnheiten der Leute kommen ihm dabei zupass. Der Markt dreht sich, sagt der Manager. Wachsende Unsicherheit im Ausland und teure Küsten im Inland lassen die Leute auf andere deutsche Reiseziele ausweichen. "Wir kriegen unser Stück vom Kuchen ab."

Wie entstand der Lugstein und wie machte das MfS darin Ferien? Das Buch "Geheimsache Urlaub", erhältlich in den SZ-Treffpunkten, erzählt die ganze Geschichte.
Wie entstand der Lugstein und wie machte das MfS darin Ferien? Das Buch "Geheimsache Urlaub", erhältlich in den SZ-Treffpunkten, erzählt die ganze Geschichte. © Jörg Stock

Die Umbauten im Lugstein will Sämann nun in kleinen Schritten voranbringen. Zurzeit arbeitet er daran, die nach eigenen Worten "beste Bar zwischen Prag und Dresden" einzurichten, mit Focus auf deutsche Gins und Whiskeys. Verkostungen macht er schon jetzt. Wer ihm etwas ins Gesicht sagen wolle, der komme am besten da hin, scherzt er. 

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