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Mit der Seilrutsche über den Erzgebirgskamm

In Klíny im Osterzgebirge eröffnet eine der größten Ziplines Europas.

Bis zu 150 Meter über dem Rauschengrund verläuft die Seilrutsche.
Bis zu 150 Meter über dem Rauschengrund verläuft die Seilrutsche. © ZIMLET Klíny

Der erste Schnee ist im Erzgebirge bereits gefallen. Doch Josef Dlouhý macht den Start der Wintersaison in Klíny (Göhren) dieses Jahr mal nicht vom Schnee abhängig. Für den Chef des Skigebiets nicht weit von Seiffen startet die Saison diesmal am Tag der Inbetriebnahme der neuen Attraktion, einer Seilrutsche, so es die Coronamaßnahmen zulassen. „Einen genauen Termin kann ich nicht sagen, aber es wird nach Weihnachten sein“, erklärt Dlouhý.

Solche Konstruktionen, bei denen Menschen an einer Rolle über ein Stahlseil zu einem tiefer gelegenen Punkt sausen, gibt es nicht nur auf Kinderspielplätzen und in Kletterparks, sondern auch als Einzelattraktion überall auf der Welt. International werden sie meist englisch Zipline genannt. Dabei kam die Inspiration für die Anlage in Klíny aus Costa Rica.

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Alena Dalecká, die Chefin der Betreiberfirma Zimlet, die zum Skigebiet gehört, hat die Idee von dort mitgebracht. Bis zur Umsetzung vergingen keine zwei Jahre. Im Mai lag der Flächenbescheid vor, im Juli gab es Baurecht. Ohne Corona wäre es noch schneller gegangen.

Die Kosten belaufen sich auf fast 10 Millionen Kronen (fast 400.000 Euro). Lieferant ist eine italienische Firma. Vor drei Wochen wurde das Seil mit einem Hubschrauber gespannt. „Jetzt warten wir vor allem auf den Abschluss der Zertifizierung und die Bauabnahme“, sagt Dalecká.

150 Meter über der Erde

Die Seilrutsche in Klíny kann es mit den spektakulärsten der Welt aufnehmen. Mit 1,4 Kilometern ist sie länger als die bislang längste Seilrutsche Deutschlands an der Rappbodetalsperre im Harz. Außerdem besteht sie noch aus einem zweiten Seil, das noch einmal 800 Meter lang ist.

„Auch in Tschechien ist das die längste Seilrutsche und europaweit stehen wir auf Platz fünf“, erklärt Dalecká. Dabei spielt nicht nur die Länge eine Rolle, sondern auch die Tiefe, über der man hinwegschwebt. Das sind in Klíny schwindelerregende 150 Meter. Das Seil wurde von der Bergstation des Skigebiets auf den Hang des gegenüber liegenden Studenec (Höllberg) gespannt.

Darunter liegt der Rauschengrund (Šumný důl), eines der längsten und am tiefsten eingeschnittenen Kerbtäler am Südhang des Osterzgebirges. Danach steigt man um auf das zweite Seil, das einen zur Talstation des Vierer-Sessellifts im Skigebiet bringt. Erst mit der Sesselliftfahrt zurück ist das Erlebnis komplett.

Zusatzantrieb mit Elektromotor

„Die Seilrutsche wird ganzjährig in Betrieb sein. Im Winter läuft sie parallel zum Skigebiet“, sagt Josef Dlouhý. Anders als bei üblichen Seilrutschen ist das „Flugvergnügen“ ziemlich lang, da die Neigung nicht zu steil ist. „Ich wiege knapp 60 Kilo. Und ich habe fünf Minuten für die 1,4 Kilometer gebraucht“, sagt Dalecká.

Die letzten 300 Meter wird die Seilrolle sogar mit einem Elektromotor angetrieben. „Das ist bisher einzigartig in der Welt“, sagt Dalecká, denn die Firma hat darauf ein Patent und es bisher noch nirgendwo eingesetzt.

Da zehn Fahrten pro Stunde nicht viel sind, das Interesse aber hoch sein dürfte, bereiten die Betreiber ein Reservierungssystem vor. Da können Interessenten die genaue Zeit vorbuchen. Dalecká empfiehlt zugleich, nicht ohne Reservierung anzureisen. „Wir bemühen uns, das System auch in deutscher Sprache anzubieten.“

Skigebiet macht sich unabhängig vom Winter

Die Seilrutsche ist ein weiterer großer Schritt für das Skigebiet, sich vom Wetter unabhängig zu machen. Der Skitourismus macht zwar immer noch den größeren Teil der Umsätze aus, aber die Einnahmen aus dem Sommergeschäft und auch aus Frühling und Herbst holen stetig auf.

Dafür hat auch die vor zwei Jahren eingeweihte Sommerrodelbahn gesorgt. Schon länger gibt es einen Biketrail, einen Hochseilgarten und eine Kletterwand. Auch Hotel und Restaurant laufen ganzjährig. Eine kleine Brauerei sorgt zudem für eigenes Bier.

Der Sessellift läuft bis auf eine Pause für die Wartung ebenfalls das ganze Jahr. „In der Wartungszeit werden die Nutzer der Seilrutsche mit einem Shuttle-Bus zurück an den Ausgangspunkt gebracht. Es sei denn, sie möchten wandern“, sagt Dlouhý.

Preise: Einfache Fahrt 950 Kronen (38 Euro), Tandemfahrt (Erwachsener mit Kind) 1.450 Kronen (58 €)

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