merken
PLUS Leben und Stil

Wo die Kuh beim Radfahren zuschaut

Mit dem Bergrad in Österreich von Alm zu Alm: KAT Bike heißt das dreitägige Abenteuer durch die Kitzbüheler Alpen. Wir haben es ausprobiert.

Die Kuh ist den Anblick vermutlich schon gewöhnt: Denn KAT Bike gibt es seit 2017.
Die Kuh ist den Anblick vermutlich schon gewöhnt: Denn KAT Bike gibt es seit 2017. © Peter Redlich

Kitzbühel. Der Startpunkt ist gut gewählt. Im Wallfahrtskirchlein von Mariastein oberhalb vom Inntal können sich Radfahrer für ihre Tour den Segen von ganz oben holen. Oder einfach nur ein paar Blicke in die Kapelle werfen, die den Jakobsweg säumt. Und nicht nur den: Nach dem KAT Walk (Kitzbüheler Alpen Trail) haben die rührigen Tourismusmanager nachgelegt und KAT Bike für Mountainbiker kreiert.

Drei Tagesetappen führen in bis zu 1.500 Meter Höhe. Das Gepäck wird von Unterkunft zu Unterkunft transportiert. Das Kartenmaterial gibt es in Papier oder zum Runterladen. Eine Gästekarte, die Bus- oder Eisenbahnfahrt einschließt, gehört ebenfalls zum Paket mit vier Übernachtungen und Halbpension.

Anzeige
Die Stadt der Zukunft
Die Stadt der Zukunft

Angela Mensing-de Jong denkt berufsbedingt schon immer an das, was kommt. Für unsere Städte hat sie gleich mehrere Ideen.

Los geht’s, wie schon gesagt, in Mariastein. Oder in Angerberg. Im Gasthof Baumgarten, einem Familienbetrieb seit Generationen, haben die Eigentümer kürzlich die Zimmer modernisiert. Wer hier am Wochenende einkehrt, darf damit rechnen, dass ihm Lisa Osl Tiroler Spezialitäten und ein frisch gezapftes Bier serviert. Die Tochter des Hauses ist Biathletin und gehört der österreichischen Nationalmannschaft an. Wochentags trainiert sie in Hochfilzen.

Etappe eins: Die ersten zehn Kilometer ist Einrollen entlang der Brixentaler Ache angesagt. Leichte Steigung auf Asphalt bis Hopfgarten. Aufpassen: An Abzweigen ist das Symbol für den KAT Bike mitunter nur talwärts angebracht. Hinter Hopfgarten wird es dann bergig. Rund 800 Höhenmeter stehen bevor, fast alles an einem Stück.

Wir, Frau und Mann, haben uns mit E-Mountainbike und normalem MTB ausgerüstet. Die Räder kann man vorab bestellen und zum Startort liefern lassen. Auch die meisten Einheimischen, die an diesem Sonntag unterwegs sind, nutzen die elektrische Unterstützung.

Mit der Motorhilfe sind die Höhenmeter auch auf schottrigen Waldwegen gut zu bewältigen. Es bleibt Zeit und Muße für Fotostopps an den saftig grünen Almwiesen. Wer das Läuten der Kuhglocken mit nach Hause nehmen will, schaltet die Handykamera auf Videomodus. Es sind die letzten Tage für die großen Herden oben auf 1.200 Metern Höhe. Inzwischen sind wieder alle im Tal. Der Almabtrieb wird gebührend gefeiert in den Gastwirtschaften. Die Tische sind voll, 3G ist Voraussetzung.

Doch wir sind noch am Berg. Hinter der Kinzlinger Alm, wo der Bergbauer gerade seine Kühe melkt, geht es rasant abwärts, immer dem Schild Jägerhäusl folgend. Kurz vorher hat uns die Tourbeschreibung auf die Käsealm Straubing aufmerksam gemacht. Ein Happen zur Stärkung und weiter geht’s. Noch drei Kilometer Landweg ab einer Mautstation für Autos, leicht ansteigend.

Windautal heißt das grüne Idyll, von dem zig Wanderwege abgehen. Am Ende des Tals erwartet uns der Gasthof Steinberghaus, urig eingerichtet und mit guter Küche. Nachts ist nur das Rauschen des reichlich gefüllten Windauer Ache zu hören. Knapp 1.000 Höhenmeter und gut 40 Kilometer stecken in den Beinen.

Beine lang, Cappuccino bestellen und die Aussicht genießen: Der Schwarzsee nahe Kitzbühel lädt zur Rast ein.
Beine lang, Cappuccino bestellen und die Aussicht genießen: Der Schwarzsee nahe Kitzbühel lädt zur Rast ein. © Sylvia Redlich

Etappe zwei: Das Ziel ist das Vier-Sterne-Hotel Penzinghof in Oberndorf in Tirol, mit einem neu eingerichteten Badeund Saunabereich, alles mit Bergblick. Das motiviert schon am Morgen, weil es ja Erholung nach einer anstrengenden Tour verspricht. Während im Erzgebirge dem Auf ein Ab folgt, sind hier die Höhen meist auf einen Ritt zu erklimmen. Dem Einrollen auf dem Weg nach Brixen im Thale schließt sich der Aufstieg erst zur Brixenbachalm und weiter zur Wiegalm an. Auf gut 1.500 Metern Höhe weht ein frischer Wind.

Auf dem schottrigen, aber gut fahrbaren Weg begegnen uns zwei junge Mountainbiker aus Ulm: Johanna und Steven. Sie betreibt den Blog Mountainbikeliebe, auf dem sie Frauen spezielle Tipps fürs Bergradeln gibt. Johanna hat sich den gesamten Trail auf ihren GPS-Tacho geladen, was sich bei der wieder scharfen Abfahrt Richtung Kirchberg als große Hilfe erweist. Die Beschilderung der KAT Bike-Strecke wirkt an Abzweigen mitunter widersprüchlich.

Nach Kirchberg führt der Radweg noch an den Schwarzsee, gleich hinter Kitzbühel. Noch im Herbst lädt das Moorgewässer zum Baden ein, zumindest aber die wunderschöne Seeterrasse auf einen Espresso nebst Topfenstrudel. Nur noch 200 Höhenmeter bis zur Sauna, natürlich mit Bergblick.

Hier ist Musik drin: Mit etwas Glück bekommt man auf der Huberalm auch ein Ständchen von Hornbläserin Christina Foidl geboten.
Hier ist Musik drin: Mit etwas Glück bekommt man auf der Huberalm auch ein Ständchen von Hornbläserin Christina Foidl geboten. © Kitzbüheler Alpen - Daniel Gollner

Etappe drei: Nach zweimal rund 1.000 Höhenmetern am Tag stehen jetzt 1.500 an. Allerdings auf etwa drei Anstiege verteilt. Der heftigste ist der nach der hügeligen Runde um den Ort Going am Wilden Kaiser hoch zu den Kalksteinalmen. E-Biker können beim Überholen noch lächeln, die anderen eher nicht. 600 Höhenmeter auf einen Ritt. Der Blick von oben auf St. Johann entschädigt für die Strapazen. Wildgatter unterbrechen die Fahrt; die Bergziegen schauen zu, wie wir unsere Räder geschultert durch die kleinen Holztore bugsieren. Grödingalm, Angeralm und Huberalm passieren wir oberhalb der Baumgrenze.

Rasant geht’s auf Schotterwegen wieder zu Tale. Die Bremsscheiben und -backen leisten gute Dienste. In Waidring geht es auf normalen Radwegen mit leichter Steigung weiter. Die KAT Bike-Empfehlungen am Rande der Strecke lauten hier Genussladen Seibl mit Käse, Speck und Schnaps sowie Glockenwelt Waidring. All das sollte man sich anschauen, aber erst, nachdem das Etappenziel geschafft ist.

Noch einmal geht es bergauf zwischen kalkigen Felsen. St. Ulrich am Pillersee liegt auf der Strecke, der idyllisch gelegene Wiesensee direkt am Radweg. Wanderer und E-Biker lassen es sich auf der Hochebene gut gehen. Bei Hochfilzen, der Biathlon-Hochburg, müssen wir lediglich noch eine dreiprozentige Steigung bewältigen, um anschließend mit Genuss ins Tal nach Fieberbrunn zu schießen. Das Ziel ist erreicht – das Hotel Alte Post mit modernem Saunabereich und köstlicher Tiroler Küche

Fazit: In Europa gibt es bisher sehr wenige durchorganisierte Mehrtages-Mountainbike-Touren mit sportlichem Anspruch. Die Stoneman-Touren in den Dolomiten, dem Erzgebirge, den Hohen Tauern und am Glacier-Gletscher in der Schweiz sind die bekanntesten. Der KAT Bike will es gerade werden. Im Gegensatz zu den anderen Touren bietet er durchgehend die Möglichkeit, dass ihn auch E-Biker bewältigen können. Die Organisatoren haben versprochen, die Ausschilderung zu verbessern. Bis dahin empfiehlt es sich, die Strecke auf den Fahrradcomputer zu laden.

  • Anreise: Mit dem Auto von Dresden über München und Kufstein rund 550 Kilometer. Mit dem Zug nur bis Wörgl, von Fieberbrunn zurück nach Wörgl oder Hopfgarten (Regionalbahn mit Gästekarte inklusive).
  • KAT Bike: Es gibt zwei Varianten für unterschiedliche Fitnesslevels. Die Tour E-njoy (164 km, 3.800 m bergauf, verlangt auch schon gute Fitness und Fahrtechnik) und die Variante Sport+ (147 km, 5.300 m bergauf).
  • Reisezeit: Je nach Witterung und Schneeverhältnissen wird Ende Mai, spätestens im Juni gestartet. Die Saison endet Anfang Oktober.
  • Preise: Vier Übernachtungen mit Halbpension, Gepäcktransport, Kartenmaterial und Gästekarte ab 419 Euro (E-njoy) beziehungsweise ab 459 Euro (Sport+).
  • Infos und Buchung im Internet unter: web www.kat-bike.at p Corona: Zurzeit gilt in Österreich in Geschäften Maskenpflicht (FFP2), in Gaststätten die 3G-Regel.
  • Die Reise wurde unterstützt von www.kitzbueheler-alpen.com

Mehr zum Thema Leben und Stil