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Verbannt Pirna die Wohnmobile?

Mehrere Stadträte fordern, den Elbeparkplatz in Copitz für Caravans zu sperren. Doch wohin dann mit ihnen? Bislang fehlen Alternativen.

Wohnmobile auf dem Elbeparkplatz Copitz: zu viele Camper, zu viel Müll.
Wohnmobile auf dem Elbeparkplatz Copitz: zu viele Camper, zu viel Müll. © Archiv: Marko Förster

Pirna. Der Konflikt schwelt schon seit Jahren. Stein des Anstoßes ist der Elbeparkplatz im Pirnaer Stadtteil Copitz, idyllisch am Fluss gelegen, mit prima Blick auf die Altstadt.

Auf dem Areal gibt es zurzeit 29 Pkw- und zwölf Wohnmobilstellplätze. Den Caravan-Besitzern ist es gestattet, eine Nacht dort zu parken, richtig campen dürfen sie dort allerdings nicht.

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Doch in den vergangenen Jahren hielten sich längst nicht alle daran. Manche Wohnmobile standen mehrere Tage, manchmal sogar über eine Woche auf dem Areal. Zeitweise entstanden regelrechte Wagenburgen, dazwischen grillten die Urlauber Würstchen.

Oft kamen auch mehr als zwölf Caravans, die überzähligen blockierten dann häufig die Pkw-Stellplätze, sehr zum Ärger der anderen Autofahrer. Doch das sind nicht die einzigen Mankos.

Elbwiesen verkommen zur Freiluft-Toilette

Hinzu kommt: Weil das Areal ein reiner Parkplatz und kein Campingplatz ist, gibt es weder Strom- noch Wasseranschluss, auch fehlen Toiletten und Abfallbehälter.

So fand sich der Unrat regelmäßig auf dem Gelände wieder, zudem verrichteten viele ihre Notdurft auf den Elbwiesen. Stadträte und Anwohner beschwerten sich mehrfach über diese Zustände.

Die Stadt versuchte zwar gegenzusteuern, allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Anfang Juni 2020 beispielsweise ließ das Rathaus zwei größere Mülltonnen aufstellen, um der Abfallflut Herr zu werden. Doch die Tonnen waren ständig überfüllt, nicht nur mit dem Müll von den Campern. Bereits Ende August zog Pirna die Abfallbehälter wieder ab.

Auch kontrolliert das Ordnungsamt regelmäßig, ob die Parkordnung eingehalten wird. Restlos beseitigt sind die Probleme damit aber nicht.

Parkplatz nur noch für Pkws und Busse

Nun gibt es zwei neue Vorstöße, um die Lage ein- für allemal in den Griff zu kriegen. Stadtrat Walter Matzke (Pirnaer Bürgerinitiativen) hatte erneut beantragt, den Copitzer Elbeparkplatz gemäß der noch immer gültigen Baugenehmigung wiederherzustellen. Diese sieht auf dem Areal 64 Pkw- und vier Busparkplätze vor, aber keine für Caravans. "Auf diese Weise", sagt Matzke, "wären dann auch wieder Sauberkeit und Ordnung auf dem Parkplatzgelände hergestellt."

Die Freien Wähler hatten einen ähnlichen Antrag formuliert. Sie fordern, den Elbeparkplatz bis auf Weiteres für Caravans zu schließen, lediglich Busse und Pkws sollen dort entsprechend der ursprünglichen Baugenehmigung parken dürfen.

Sobald Corona und seine Auswirkungen abflachen, sagt Stadtrat Ralf Thiele (Freie Wähler), werde Pirna hoffentlich einen Urlauberansturm erleben. Damit würden auch Caravans kommen. Entsprechend sei wieder mit starken Verunreinigungen an der Copitzer Uferpromenade zu rechnen.

"Es funktioniert schon seit Jahren nicht mit den Wohnmobilen auf dem Copitzer Elbeparkplatz", sagt auch Freie-Wähler-Fraktionschef Ralf Böhmer. Daher müsse endlich eine endgültige Lösung gefunden werden.

Doch es bleibt die Frage: Wohin dann mit den Wohnmobilen?

Die Stadt wirbt für den Elbeparkplatz

Angesichts der Corona-Pandemie steht Inlandsurlaub bei vielen hoch im Kurs. Die weitgehend uneingeschränkte Reisefreiheit im Sommer 2020 bescherte Pirna und der Sächsischen Schweiz wahre Wohnmobilkolonnen, die rollenden Ferienwohnungen parkten überall dort, wo es nur ging. Viele Kommunen gaben eilig zusätzliche Stellflächen frei.

Doch in Pirna sind Alternativen zum Elbeparkplatz rar, vor allem kostenlose. Es gibt einen privat betriebenen Caravan-Stellplatz im Schlosspark auf dem Sonnenstein, wo die Mobile für ein geringes Entgelt stehen dürfen. Ebenso gibt es gebührenpflichtige Stellplätze auf dem Waldcampingplatz am Naherholungszentrum Copitz. Viel mehr aber auch nicht.

Daher warb die Stadt dafür, die Caravan-Stellplätze auf dem Elbeparkplatz vorerst zu erhalten. "Diese Stellplätze wurden bislang gut angenommen", sagt Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos). Natürlich gebe es Für und Wider, aber die Vorteile des Angebots hätten aus Sicht des Rathauses immer überwogen.

Zentrumsnahe Parkplätze sind wichtig

Die Verwaltung hatte hinsichtlich Matzkes Antrag schon im Vorfeld empfohlen, diesen vorerst abzulehnen, bis ein Alternativstandort gefunden ist.

Die Zahl notwendiger Caravan-Stellplätze, so argumentiert die Stadt, werde künftig zunehmen. Die Corona-Krise habe diesen Trend noch verstärkt. So sollte die Stadt auch weiterhin für Besucher der Altstadt ein zentrumsnahes Angebot an Parkmöglichkeiten bereitstellen.

Auch nach Ansicht von Stadtrat Thomas Mache (Pirna kann mehr) gebe es eine große Nachfrage nach Caravan-Stellplätzen. "Daher können wir den Elbeparkplatz nicht einfach schließen, solange es keine Alternative gibt", sagt er.

Alternativ-Standort an der Elbe

Diese Alternative, um das Stellplatz-Defizit zu beseitigen, ist zumindest in Sicht. Ein großes Gelände könnte künftig ganz offiziell zu einem Camping- und Wohnmobilplatz entwickelt werden - das Areal am Wasserplatz.

Der Wasserplatz erstreckt sich linkselbisch zwischen dem Bahnhofsgelände und der Elbe, es reicht von der Straße "Am Elbufer" bis zur Gottleuba-Mündung.

Schon im vergangenen Jahr bot ein privater Betreiber - geduldet von der Stadt - im hinteren Bereich des Areals Camping- und Wohnmobilstellplätze für eine Tagesgebühr von 25 Euro an. Es gibt dort Duschen, Toiletten, eine Küche sowie Frischwasserver- und Grauwasserentsorgung. Das Gelände war im Sommer 2020 stark frequentiert.

Allerdings fehlt es der Fläche noch an einem offiziellen Status als Camping- und Wohnmobilplatz. Um den Weg dorthin zu ebnen, hatten Stadt und Stadtrat bereits den Flächennutzungsplan entsprechend geändert.

Nach Auskunft der Stadt liege jedoch seitens des Betreibers bislang noch kein vollständiger Bauantrag vor, um das Gelände umzunutzen. Daher könne das Rathaus noch keine Aussage treffen, ob und wann eine Baugenehmigung erteilt wird - und der Platz einen offiziellen Status bekommt.

Areal am Wasserplatz: Mögliche Alternative für einen Wohnmobil- und Campingplatz.
Areal am Wasserplatz: Mögliche Alternative für einen Wohnmobil- und Campingplatz. © Thomas Möckel

Noch mal alles auf Anfang

"Dieser Wohnmobilstellplatz ist bislang nur eine Vision", sagt Böhmer, "aber für den Elbeparkplatz brauchen wir jetzt eine Lösung."

Um das Areal in Copitz jetzt nicht gleich vollständig für Caravans abzuriegeln, schlug der Fraktionschef alternativ vor, den Elbeparkplatz in den kommenden drei Monaten zu einem gebührenpflichtigen - zumindest für Wohnmobile - Parkplatz umzurüsten, um wenigstens auf diese Weise regulierend einzugreifen.

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Aufgrund des dadurch entstandenen neuen Diskussionsbedarfs fasste der Rat in der Mai-Sitzung allerdings keinen Beschluss. Auf Antrag der CDU-Fraktion verwies das Kommunalparlament mit knapper Mehrheit die Anträge von Walter Matzke und der Freien Wähler zurück in den zuständigen Ausschuss.

Wann nun eine endgültige Entscheidung getroffen wird, ist noch unklar.

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