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Hier fühlen sich Wildbienen wohl

Dresdner Forscher haben ein Modell entwickelt, das zeigt, wo Wildbienen gern zu Hause sind.

Ein Pelz aus Pollen. Diese Hummel ist wichtig, damit Wild- und Nutzpflanzen bestäubt werden. Sie zählt zu den Wildbienen. Ein neues Projekt zeigt, wie sie geschützt werden können.
Ein Pelz aus Pollen. Diese Hummel ist wichtig, damit Wild- und Nutzpflanzen bestäubt werden. Sie zählt zu den Wildbienen. Ein neues Projekt zeigt, wie sie geschützt werden können. © PA Wire

Der Mensch macht es den Wildbienen schwer. Immer intensiver nutzt er das Land um sich herum. Ob durch Landwirtschaft, öffentliche Grünflächen oder private Gärten. All das lässt vielerorts den natürlichen Lebensraum der Wildbienen schrumpfen. Ulrich Walz, Professor für Landschaftsökologie und Geographische Informationssysteme an der HTW Dresden, und die Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung Dresden haben nun einen speziellen Indikator entwickelt. Er zeigt die Nist- und Futterhabitate von Wildbienen und deren aktuellen Zustand. Diese Daten könnten Bienen in Zukunft schützen.

Ohne die Wildbiene geht es nicht. Wie viele andere Insekten bestäubt auch sie Blütenpflanzen. Ein großer Nutzen für Mensch und Natur. „Diese Ökosystemleistung hat enorme ökologische und ökonomische Bedeutung in Deutschland und weltweit“, erklärt Ulrich Walz. Bienen seien unter den Insekten die wichtigsten Bestäuber. Neben den vom Menschen als Nutztier gehaltenen Honigbienen sind die Wildbienen, zu denen auch Hummeln oder Solitärbienen gehören, ganz wesentlich an dieser Bestäubungsleistung beteiligt.

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So fliegen Hummeln beispielsweise bei tieferen Temperaturen als Honigbienen. Der beste Garant für eine Bestäubungssicherheit ist deshalb eine hohe Vielfalt an Wildbienen. Das hilft vielen Wild- aber natürlich auch den Nutzpflanzen.
Honigbienen entwickeln Völker mit teilweise mehreren 10.000 Arbeiterinnen und bauen regelmäßige Waben. Im Gegensatz dazu leben Wildbienen häufig in kleinen Völkern mit nur wenigen Individuen oder sogar ganz allein. Sie bauen keine vergleichbaren Waben, sondern legen ihre Nester zum Beispiel im Boden, im morschen Holz, hohlen Pflanzenstängeln oder in Erd- und Mauerspalten an.

Karte zeigt Handlungsbedarf

Wildbienen sind von zwei Ressourcen abhängig – zum einen vom Vorkommen von Pollen und Nektar zur Nahrung und zum anderen von Vorhandensein von geeigneten Nistmöglichkeiten. „In unserem Projekt haben wir versucht, genau diese Ressourcen aus räumlichen Daten abzuleiten, und geschaut, ob diese auch nah genug beieinanderliegen“, erläutert Walz. So zum Beispiel, ob Waldränder, Wegränder oder auch Hecken in einem Gebiet in ausreichender Dichte vorhanden sind.

Für ihren neuen Indikator brachten die Wissenschaftler von HTW und IÖR verschiedene Daten zusammen. Als Grundlage verwendeten sie Informationen über das relative Bestäubungspotenzial auf europäischer Ebene. „Für den bundesweiten Indikator haben wir detailliertere Daten der offiziellen deutschen Vermessungsverwaltung genutzt“, erklärt der HTW-Professor. Dabei ergänzten sie ein aktuelles Landbedeckungsmodell von Deutschland um Informationen zu Elementen wie Hecken, Baumreihen, Felsen, Bäche, Straßen, Bahnlinien und Wegen.

Der daraus entstandene Indikator zeigt nun, wo in Deutschland es attraktive Lebensräume für Wildbienen gibt – und wo nicht. Er soll künftig auch Auskunft darüber geben, ob Maßnahmen im Sinne des Insektenschutzes erfolgreich sind, und zeigt den Handlungsbedarf zum Erhalt von Lebensräumen auf. So lassen sich beispielsweise Gebiete erkennen, in denen die Landschaft insektenfreundlich aufgewertet werden sollte.

Der Garten braucht Wildnis

Solche wildbienenfreundlichen Landschaften sind möglichst reich strukturiert, erklären die Experten. Das betrifft sowohl das Vorhandensein von Blüten zu unterschiedlichen Zeitpunkten als auch das Nistangebot, das möglichst nahe an den Nahrungsquellen liegen sollte. Beispiele sind der Bewuchs entlang von Feldwegen, artenreiche Waldränder, blütenreiche Wiesen und Böschungen. Aber auch in der Stadt können solche Flächen vorhanden sein, wie etwa auf Brachflächen, in blütenreichen Gärten und an Weg- und Straßenrändern. Wie pflegt also der Waldbesitzer seine Waldränder, sind die Ackerflächen von Säumen, Rainen und Hecken durchzogen, oder sind die Wiesen nur grün oder bunt von Blüten? An Straßenböschungen, so empfehlen die Forscher, sollte es Bereiche geben, die nur alle zwei Jahre gemäht werden.

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Jeder Einzelne kann aber mehr Wildnis im eigenen Garten zulassen. „Gut sind möglichst blütenreiche Flächen“, sagt Walz. Pflanzenstängel sollte man über den Winter stehen lassen. Auch offene Bodenflächen, wie an einer Böschung, seien für die Wildbienen wichtig.

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