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Wohin mit Sachsens Bauschutt?

Spätestens in sechs Jahren sollen trotz zwei neuer Deponien alle Kapazitäten erschöpft sein. Auch gefährliche Abfälle sind Thema.

Eine von zwei neuen Bauschuttdeponien entsteht derzeit in Strauch bei Großenhain.
Eine von zwei neuen Bauschuttdeponien entsteht derzeit in Strauch bei Großenhain. © Foto: Archiv/Volker Ulbrich

Dresden. Auf Sachsen kommt ein Entsorgungsproblem für Bauschutt zu. Spätestens in sechs Jahren seien sämtliche Kapazitäten erschöpft, heißt es im Entwurf einer für das sächsische Landesumweltamt angefertigten Studie, der Sächsische.de vorliegt.

Den Berechnungen zufolge beläuft sich der Entsorgungsbedarf für weitgehend unbelasteten Bauschutt bis zum Jahr 2035 auf rund 11,3 Millionen Tonnen. Hinzu kommen rund 2,6 Millionen Tonnen leicht belasteter Abfälle wie asbesthaltiges Dämmmaterial oder Gleisschotter. Dieser Schutt gehört auf etwas stärker gesicherte Deponien der Klasse 1, von denen derzeit jedoch im Freistaat nur eine in Klipphausen im Landkreis Meißen in Betrieb ist. Deren Kapazität werde aber rechnerisch bereits in diesem Jahr „durch den landesweiten Deponierungsbedarf überschritten“, heißt es in dem Entwurf. 

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Allerdings werde die Eröffnung der bereits genehmigten Deponie im nordsächsischen Taucha die Situation entspannen und die Entsorgung von leicht belasteten Bauabfällen „bis deutlich über das Jahr 2035 hinaus“ sicherstellen. Zudem hat ein Privatunternehmen den Bau einer weiteren Deponie der Klasse 1 in Neißeaue im Landkreis Görlitz beantragt. Der dort zuständige öffentliche Abfallzweckverband Ravon will ebenfalls eine neue Deponie-Klasse-1-Anlage errichten.

Schwieriger stellt sich die Lage bei der Entsorgung von unbelastetem Bauschutt sowie ungefährlicher Böden auf Deponien der Klasse 0 dar. Zwar gebe es noch Kapazitäten bei stillgelegten Halden, die Material zur Abdichtung benötigt. Doch selbst bei Berücksichtigung von den zwei bislang genehmigten Neubauten in Nordsachsen sowie in Strauch im Landkreis Meißen wäre 2026 kein Platz mehr vorhanden.

Bereits teilweise saniert und versiegelt ist die Deponie der Klasse 2 in Niederau-Gröbern im Landkreis Meißen. Dort lagern belastete Abfälle, aber kein Sondermüll.
Bereits teilweise saniert und versiegelt ist die Deponie der Klasse 2 in Niederau-Gröbern im Landkreis Meißen. Dort lagern belastete Abfälle, aber kein Sondermüll. © euroluftbild.de/bernd clemens

Die von der schweizerischen Prognos AG im Sommer dieses Jahres erstellte Studie geht von einer deutlichen Steigerung beim Bauschutt aus. Nach den jüngsten vorliegenden Zahlen des statistischen Landesamtes wurden 2016 rund neun Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle in Sachsen entsorgt. Bis zum Jahr 2035 soll diese Menge dem Studienentwurf zufolge jährlich um 7,5 Prozent oder 672.000 Tonnen steigen.

Abriss von Kohlekraftwerken ist nicht berücksichtigt

„Das Wachstum ergibt sich insbesondere aus der überalterten Bausubstanz, die erneuert oder grundlegend zu sanieren ist“, heißt es. Ferner müssten bis 2035 zahlreiche Straßen und Gleise saniert werden. Sondereffekte wie der Rückbau von Kohlekraftwerken seien nicht berücksichtigt worden. Die bisherige Entsorgung von mineralischen Abfällen im Braukohletagebau Espenhain ende spätestens 2022. Zudem änderten sich die rechtlichen Bestimmungen: Anders als bislang dürfe Bauschutt künftig nur noch "in deutlich geringerem Umfang" in Tagebaue entsorgt werden.

Bereits im Mai 2017 hatte die Bundesregierung eine rigide Neufassung der Bodenschutz- und Altlastenverordnung beschlossen. Das Regelwerk liegt aber immer noch im Bundesrat, weil die Länder auf spezifische Öffnungsklauseln drängen. Sollten die neuen Regeln des Bundes in Sachsen ohne diese Klausel umgesetzt werden, „steigt der Entsorgungsbedarf nochmals signifikant an“, heißt es im Entwurf der MinRessource-II genannten Studie. Die Autoren erwarten dann ein Mengenwachstum „um mindestens 30 Prozent“.

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Keine Probleme sehen die Autoren bei der Entsorgung gefährlicher Abfälle. Die größte Deponie der dafür vorgesehenen Klasse III liegt bei Puschwitz im Landkreis Bautzen. Dort lagern unter anderem rund 2.000 Tonnen Schutt aus dem Abriss des früheren Atomkraftwerk Stade in Niedersachsen. 2017 wurden mehr als 320.000 Tonnen Sondermüll nach Sachsen exportiert, mehr als die Hälfte davon stammte aus Italien.

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