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Umweltfreundliche Pulver erobern die Badezimmer

Eine Dresdner Firma hat ein Patent angemeldet, das helfen soll, CO2 zu sparen. Doch wie funktioniert es im Alltag? Ein Test.

Aus Pulvern werden in Kombination mit Wasser Duschbäder, Shampoos und Flüssigseifen.
Aus Pulvern werden in Kombination mit Wasser Duschbäder, Shampoos und Flüssigseifen. © SZ/Angelina Sortino

Nachhaltige Produkte sind eine gute Sache. Wenn ihre Anwendung allerdings kompliziert und unangenehm ist, kehren die meisten Verbraucher bereits nach kurzer Zeit wieder zu den weniger umweltfreundlichen Alternativen zurück. Mit einer Neuentwicklung will die Dresdner Firma Li-iL genau das verhindern. Sie setzt auf Pulver statt Flüssigkeiten. Die Rezeptur dafür hat das Unternehmen als Patent angemeldet.

Die Pulverform hat einen einfachen Grund: Wer sich schon mal die Etiketten seiner Shampoos und Duschgels durchgelesen hat, dem fällt auf, dass die erste Zutat auf der oft langen Liste der Inhaltsstoffe meistens Wasser ist. Dieses Wasser macht einen ganz erheblichen Anteil des Produktgewichtes aus. Der Transport verbraucht damit eine ganze Menge CO2. „So sind wir auf die Idee gekommen, das Wasser aus den Produkten herauszulassen, sodass der Anwender es erst zu Hause hinzufügt“, sagt Managerin Kati Jürgen.

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Feste Shampoos mit Tücken

Aus den Pulvern werden in Kombination mit Wasser Duschbäder, Shampoos und Flüssigseifen, die sich laut Jürgen in Konsistenz und Anwendung nicht von anderen Flüssigprodukten unterscheiden – außer in der CO2-Bilanz: „Das Duschgel-Konzentrat verursacht 63,9 Prozent weniger CO2 als ein herkömmliches Duschgel der gleichen Duftrichtung“, so Jürgen.

Die Idee ist nicht ganz neu. Auch feste Shampoos und Seifen, die schon länger als nachhaltigere Alternativen von verschiedenen Herstellern angeboten werden, funktionieren nach dem Prinzip des Wasserverzichts. Allerdings unterscheiden sich diese in der Anwendung von herkömmlichen Flüssigprodukten. „Feste Shampoos und Seifen haben leider einige Tücken. Das beginnt bereits bei der Lagerung, da Seifen leicht aufquellen“, erklärt Jürgen. Ziel der patentierten Pulver sei es, dass die Verbraucher ihre Pflegeroutine nicht umstellen müssen und durch das Selbstanrühren weiter flüssige Produkte nutzen können.

Die festen Produkte haben gegenüber dem Pulver jedoch einen Vorteil. Sie können in Papier verpackt werden. Bei der Produktneuheit aus Dresden ist das bisher nicht möglich. Deshalb werden die Pulver in einer dünnen Folie aus einem Monomaterial verkauft, das immerhin einfach zu recyceln ist. Allerdings ist das Unternehmen laut Geschäftsführer Stephan Freitag bereits auf der Suche nach Alternativen: „Wir hätten gerne eine Hülle aus Recycling-Material oder vielleicht etwas, das kompostierbar ist.“

Auch der Wasserverbrauch fällt ins Gewicht

Im Vergleich zu herkömmlichen Flüssigprodukten hält die Verpackungsfolie jedoch ihr Versprechen, weniger Abfall zu verursachen. Kati Jürgen sagt: „Eine leere 200 Milliliter-Tube wiegt 21 Gramm. Die Folie wiegt im Vergleich dazu 2,2 Gramm.“ Zwar müssen die Pulver weiterhin in einem größeren Gefäß angemischt werden, allerdings kann dafür jede beliebige Kosmetikflasche immer wieder verwendet werden. Die wiederverwendbaren Flaschen, die man zusammen mit den Pulvern kaufen kann, bestehen aus recyceltem PET. Es empfiehlt sich, diese vor der Nutzung zu beschriften. Denn wenn man das Pulver erst mal mit Wasser aufgelöst hat, fällt es schwer, das Duschbad vom Shampoo und der Seife zu unterscheiden. Farbe und Konsistenz unterscheiden sich nämlich kaum.

Verbraucher sollten zudem beachten, dass für die Ökobilanz eines Duschbads oder einer Haarwäsche am Ende der Wasserverbrauch viel mehr ins Gewicht fällt als das Produkt selbst. Das zeigen auch Untersuchungen der Stiftung Warentest, die feste und flüssige Shampoos miteinander verglichen hat. Wenn man sich also beeilt und das Wasser während des Einseifens abstellt, tut man in der Regel mehr für die Umwelt, als es durch den Umstieg auf ein nachhaltiges Pflegeprodukt erreicht werden könnte.

Nachhaltige Produkte oft teurer

Nachhaltige Produkte sind außerdem oft teurer als herkömmliche. So kostet beispielsweise das feste Shampoo der dm-Eigenmarke Balea mehr als das Vierfache der flüssigen Variante. Das Dresdner Shampoo in Pulverform liegt preislich zwischen den beiden Balea-Produkten.

Die Entwicklung der Pulver hat laut Geschäftsführer Stephan Freitag etwa zwei Jahre gedauert. Dabei waren einige Herausforderungen zu bewältigen: „Das Endprodukt muss so pflegen, riechen und reinigen wie unsere bisherigen Produkte und sollte auch von der Konsistenz her ähnlich sein“, so Freitag. „Gerade durch die verschiedenen Wasserhärten, die es in Deutschland gibt, ist das gar nicht so leicht.“ Ein weiteres Problem sei es anfangs gewesen, das Produkt stabil zu halten, sodass es sich im Laufe der Nutzung nicht verändert. „Der Kunde möchte bei der Lagerung ja nicht extra was beachten müssen,“ sagt der Geschäftsführer.

Sollten die Pulver gut ankommen, sind laut Freitag weitere Kosmetika nach dem gleichen Prinzip geplant. Von anderen Herstellern gibt es auch schon Putzmittel, die nach Zugabe von Wasser verwendet werden können. Allerdings wird das trockene Konzentrat hier als Tabs angeboten. Bei Kosmetikprodukten sei das jedoch schwierig, so Freitag. Denn Tabs lösen sich schlechter. Bei einer Hautpflege könne man keine Substanzen hinzufügen, die das Auflösen beschleunigen. „Bei Reinigungsmitteln geht das eher.“

Der Praxistest der Autorin:

  • Das Anmischen: Das Pulver in die Plastik-Flaschen zu füllen, erfordert etwas Geschick. Wenn dabei ein bisschen danebengeht, ist das aber nicht schlimm. Nach 30 Minuten waren Shampoo, Duschbad und Seife einsatzbereit.
  • Die Anwendung: Unter der Dusche und am Waschbecken lassen sich die Produkte tatsächlich genauso anwenden wie herkömmliche Alternativen. Sie riechen und reinigen gut.
  • Fazit: Ich konnte Müll sparen und musste auf nichts verzichten. Nur das Shampoo war für meine empfindliche Kopfhaut nicht pflegend genug.

In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir berichtet, dass eine leere Tube 210g wiegt. Diesen Fehler haben wir berichtigt.

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