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Altmaier verspricht Mikrochipfirmen Milliarden

Der Bundeswirtschaftsminister schürt die Hoffnung auf die nächste Großinvestition in Dresden. Frankreich soll auch profitieren.

Sie wollen mehr Mikrochips aus Europa: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (links) und Globalfoundries-Konzernchef Tom Caulfield beim Ministerbesuch im Juli in Dresden.
Sie wollen mehr Mikrochips aus Europa: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (links) und Globalfoundries-Konzernchef Tom Caulfield beim Ministerbesuch im Juli in Dresden. ©  Archivbild: dpa/Matthias Rietschel

Dresden. Wenn diese Ziele erreicht werden, entstehen in wenigen Jahren in Europa mehrere neue Mikrochipfabriken – darunter eine große in Dresden: Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat am Mittwoch bei einem Treffen mit Industrievertretern erneut Milliardensubventionen angekündigt. Zugleich machte er Hoffnung auf schnelle Entscheidungen von Investoren aus Übersee.

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl erhöhte der Minister noch einmal Zielwerte, die er bei einem Besuch der Mikrochipfabriken von Globalfoundries und Infineon vor zwei Monaten in Dresden genannt hatte. Damals hatte Altmaier gesagt, Europas Anteil an der Welt-Chipproduktion solle von jetzt neun Prozent in Richtung 15 Prozent steigen. Am Mittwoch nannte er das neue Ziel, 20 Prozent im Jahr 2030 zu erreichen.

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Weil in Asien und in den USA auch subventionierte Chipfabriken geplant sind, stehe dieser Zuwachs für eine „Verdreifachung oder Vervierfachung“ der Halbleiterproduktion in der Europäischen Union.

Europa soll "Souveränität" in Chipproduktion bekommen

Dresdens größte Fabrik, das Mikrochipwerk des US-Konzerns Globalfoundries, hatte bereits eine Erhöhung seiner Kapazität angekündigt. Dort wurden voriges Jahr 330.000 Siliziumscheiben zu Mikrochips verarbeitet, für dieses Jahr sind 530.000 vorgesehen. Im Jahr 2023 will Globalfoundries in Dresden dann eine Jahreskapazität von 850.000 Scheiben schaffen. Aus jeder Scheibe werden Tausende Chips, je nach Art und Größe ist das unterschiedlich.

Altmaier sagte, mit den bevorstehenden Investitionen kehre „eine Technologie nach Deutschland zurück, die viele schon verloren glaubten“. 2009 hatte die Qimonda-Insolvenz zum Abbau Tausender Arbeitsplätze geführt, Asien baute auf. Altmaier sagte, nun seien in einer gewaltigen Kraftanstrengung „zwischen fünf und zehn Milliarden Euro“ staatliche Subventionen für die Branche in Europa nötig.

Die EU müsse die „technologische Souveränität“ erlangen, um die Halbleiter für viele Branchen herzustellen. Altmaier nannte Medizintechnik, Fahrzeugbranche, Maschinen- und Anlagenbau sowie Künstliche Intelligenz. Rüstung wurde nicht erwähnt.

Investoren aus Übersee wollen bald Standort festlegen

Über die neuen Milliarden-Förderprogramme müssen die nächste Bundesregierung und die EU-Kommission entscheiden. Der Minister sagte aber, die neue Regierung solle eine vorbereitete Agenda bekommen, die sie nur noch umsetzen müsse. Er sei einig mit dem französischen Wirtschaftsminister Bruno Le Maire: Deutschland und Frankreich würden „vorangehen“ wie bei anderem Themen auch. Einig sei er auch mit dem EU-Binnenmarkt-Kommissar Thierry Breton, früher Chef von France Telecom, und anderen EU-Kommissaren.

Altmaier sagte, Deutschland sei in Europa der wichtigste Standort für Mikrochips. Doch auch Frankreich hat große Chipfabriken. Der Minister lobte erneut Dresden, das zu einem „europäischen Exzellenzzentrum geworden“ sei. Für den Standort Dresden interessiert sich laut Presseberichten aus Taiwan der dortige Mikrochiphersteller TSMC. Außerdem hat der US-Konzern Intel Interesse, in Europa eine zusätzliche Fabrik zu bauen.

Der Minister nannte die Firmennamen nicht. Er sagte: „Wir sind im Gespräch mit internationalen Investoren, die sich für den Standort Deutschland interessieren.“ Er sehe gute Chancen, dass sie erste Entscheidungen noch innerhalb der Amtszeit der Bundesregierung treffen. Dazu gehöre auch die Zeit nach der Wahl, bis Koalitionsverhandlungen der Regierungsparteien abgeschlossen seien.

Globalfoundries Dresden fordert Tempo

An dem Treffen mit Altmaier nahmen gut 50 Industrievertreter teil, darunter Infineon-Vorstandschef Reinhard Ploss. Infineon hatte bereits angekündigt, in Dresden 1,1 Milliarden Euro für zusätzliche Maschinen in den nächsten fünf Jahren zu investieren. Doch auch in Villach in Österreich werde weiter investiert.

Infineon und Globalfoundries haben ebenso wie die neue Bosch-Chipfabrik in Dresden vom laufenden Förderprogramm Ipcei Mikroelektronik profitiert. Bosch bekam vom Bundeswirtschaftsministerium 140 Millionen Euro zur Investition von einer Milliarde Euro. Altmaier sprach davon, im nächsten Förderprogramm seien 20 bis 40 Prozent Zuschuss zu den Investitionskosten das richtige Instrument, um im Wettlauf mit anderen Ländern erfolgreich zu sein. Zudem würden Genehmigungsverfahren weiter verkürzt.

Dresdens Globalfoundries-Chef Manfred Horstmann nahm auch am Gespräch mit Altmaier teil und freute sich über den Austausch zwischen Industrie und Regierung. Er sagte, wichtig sei nun eine „Beschleunigung des Umsetzungsprozesses in Deutschland und Europa“, damit die geplanten Investitionen schnell beginnen können.

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Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) war auch in das Gespräch einbezogen. Er koordiniert die Industriebeteiligungen am geplanten zweiten Ipcei-Förderprogramm für die Branche. ZVEI-Geschäftsführer Wolfgang Weber sagte, der Bedarf an Leistungshalbleitern werde sich bis 2030 verdreifachen. Das sind Chips, die beispielsweise für die Energieversorgung mit Windkraftanlagen gebraucht werden. Sie werden beispielsweise bei Infineon Dresden hergestellt. Wichtig bei Investitionen sei, dass sie "auf die Nachfrage der hier ansässigen Anwenderindustrie einzahlen". In Europa würden derzeit 25 Prozent der weltweit gefertigten Leistungshalbleiter von den Anwender-Industrien eingebaut. Deren Versorgung mit Chips müsse auch aus Europa heraus gestärkt werden.

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