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Auftragsrekord für Chipfabriken von X-Fab

Dresdens drittgrößte Halbleiterfabrik hatte ein schwieriges Jahr – samt Cyber-Angriff. Doch jetzt bringen die Kunden plötzlich viele Wünsche gleichzeitig.

Bei X-Fab in Dresden gab es im Sommer eine Produktionspause - jetzt aber ist der Druck groß, die plötzlich hohe Nachfrage nach Mikrochips zu erfüllen.
Bei X-Fab in Dresden gab es im Sommer eine Produktionspause - jetzt aber ist der Druck groß, die plötzlich hohe Nachfrage nach Mikrochips zu erfüllen. © kairospress

Dresden. Ein ganz neues Problem: plötzlich gestiegene Nachfrage. Der Erfurter Mikrochip-Hersteller X-Fab mit Werk in Dresden hat im vergangenen Vierteljahr fast 50 Prozent mehr Aufträge bekommen als ein Jahr zuvor.

Während X-Fab im Sommer zeitweise die Produktion stilllegen musste, ist nun rasches Hochfahren die Aufgabe. Konzernchef Rudi de Winter teilte mit, nun liege der Fokus darauf, die Belieferung der Kunden sicherzustellen – und zugleich die Beschäftigten vor Corona zu schützen.

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Mikrochips mit Sensoren

X-Fab stellt vor allem Chips für Autos her, aber auch für Medizintechnik. Spezialität des Konzerns sind gemischte Mikrochips, die digitale und analoge Signale verarbeiten – zum Beispiel im Reifendrucksensor. Voriges Jahr hatte X-Fab zeitweilig über schwache Auftragslage geklagt. Nach einem Cyberangriff wurden dann alle sechs Fabriken weltweit zu Anfang Juli stillgelegt. Die Produktionsunterbrechung wäre wenig später ohnehin gekommen, weil die Anlagen schlecht ausgelastet waren und X-Fab ohnehin ein Kostensenkungsprogramm hatte.

Doch nun berichtet de Winter, das vergangene Quartal habe die Vorhersage deutlich übertroffen: Der Quartalsumsatz sei im Jahresvergleich um ein Fünftel auf umgerechnet 110 Millionen Euro gestiegen. Mehr und mehr Kunden hätten „die Vorverlegung ihrer Liefertermine gefordert“.

Die Auftragseingänge erreichten in dem Vierteljahr einen neuen Rekordwert von 155 Millionen Euro. De Winter will trotzdem „mit Vorsicht“ agieren, weil er nicht vorhersehen könne, „wie sich die konjunkturelle Erholung darstellen wird“.

Nachfolger von ZMD

In der Mikrochipproduktion ist ein starkes Auf und Ab üblich, das kennen auch die beiden größeren Halbleiterwerke in Dresden: Sie gehören den Konzernen Globalfoundries und Infineon. X-fab ist Nummer drei, Bosch hat in Dresden gebaut und angekündigt, in diesem Jahr die ersten Chips aus der neuen Fabrik auszuliefern.

X-Fab hat insgesamt 3.800 Beschäftigte, auch in Malaysia, Frankreich und den USA. Das Werk in Dresden mit rund 450 Beschäftigen war früher die Chipfabrik des ZMD Zentrum Mikroelektronik Dresden. Schon 2007 wurde diese Fabrik von X-Fab mit belgischem Haupteigner erworben. Die Verwaltung von X-Fab sitzt in Erfurt, auch dort gibt es eine Mikrochipfabrik. Die Aktien des Konzerns sind im Börsenhandel.

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