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BMW investiert 70 Millionen Euro in Leipziger Werk

250 Beschäftigte, die bislang den i3 bauten, fertigen jetzt Batteriemodule für den BMW i4. BMW investiert dafür in Leipzig 70 Millionen Euro.

Von Nora Miethke
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"Leipzig bleibt unter Strom", betont BMW-Werkleiterin Petra Peterhänsel. Ende Juni war die Produktion des i3 ausgelaufen. Dafür gibt es nun Ersatz.
"Leipzig bleibt unter Strom", betont BMW-Werkleiterin Petra Peterhänsel. Ende Juni war die Produktion des i3 ausgelaufen. Dafür gibt es nun Ersatz. © BMW AG

BMW baut in seinem Leipziger Werk die Batterieproduktion für seine elektrischen Modelle weiter aus. Am Montag startete die zweite Fertigungslinie im Serienbetrieb, teilte der Autobauer mit. Er investiert 70 Millionen Euro in die neue Produktionslinie, die bis Ende des Jahres 250 Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz geben soll. Schon jetzt sind im Bereich E-Komponentenfertigung 700 Beschäftigte tätig.

„Das Leipziger Werk bleibt unter Strom“, betont Werkleiterin Petra Peterhänsel. Nach dem Auslauf der BMW i3-Produktion könne man so die Kompetenz und Erfahrungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nutzen und ihnen langfristig sichere Arbeitsplätze bieten, fährt sie fort. Die Stammbelegschaft im Leipziger Werk umfasst rund 5.300 Menschen.

Ende Juni war dort der letzte i3 vom Band gelaufen. Rund 250 000 Fahrzeuge dieses kompakten E-Modells mit der leichten Carbon-Karosserie hatte BMW in 74 Länder weltweit verkauft. Als er 2013 auf den Markt kam, war der kleine Elektroflitzer ein echter Pionier in der Elektromobilität. Der i3 war das Erste rein als Elektroauto konzipierte Modell von BMW. Doch die teure Carbonproduktion und die hohen Entwicklungskosten ließen ihn nicht wirtschaftlichen Erfolgsschlager werden, zumal der Absatz unter den Erwartungen blieb.

Eine zweite hochautomatisierte Fertigungslinie für Batteriemodule ging am Montag im Leipziger BMW-Werk an den Start.
Eine zweite hochautomatisierte Fertigungslinie für Batteriemodule ging am Montag im Leipziger BMW-Werk an den Start. © BMW AG

Statt E-Autos zu montieren, bauen die Beschäftigten nun an derselben Stelle Batterien zusammen. Durch das Auslaufen der i3-Produktion konnten 4.250 Quadratmeter Fabrikfläche für die neue Fertigungslinie genutzt werden. Insgesamt 196 Stationen werden durchlaufen, bis am Ende das Batteriemodul hergestellt ist. Eingesetzt wird es im vollelektrischen BMW i4, der im Münchner Wert vom Band läuft. Bereits im Mai 2021 ging in Leipzig die erste Fertigungslinie in Betrieb, die Batteriemodule für den BMW iX liefert. „Mit dem heutigen Produktionsstart der zweiten Linie leistet das Werk Leipzig einen wichtigen Beitrag, die wachsende Zahl elektrifizierter Fahrzeuge mit Batteriekomponenten zu versorgen“, betont Markus Fallböhmer, Leiter der Motoren- und E-Antriebsproduktion bei BMW. Der stetige Ausbau der E-Komponentenfertigung trage dazu bei, bis 2030 mindestens die Hälfte des Absatzes mit vollelektrischen Fahrzeugen zu erzielen. Die Nachfrage nach dem BMW i4 sei jedenfalls „riesig“, heißt es. Im nächsten Jahr sollen mehr als 100.000 Fahrzeuge dieses Modells produziert werden. „Also machen wir Tempo beim Hochlauf der Produktion“, sagt ein Unternehmenssprecher .

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Der Autobauer geht bei der Beschaffung der erforderlichen Rohstoffe für die Hochvoltbatterien eigene Wege. Um vollständige Transparenz über die Herkunft und die Abbaumethoden des benötigten Materials zu erlangen, kauft BMW Kobalt direkt selbst bei Minen in Australien und Marokko ein und stellt es den Lieferanten der Batteriezellen zur Verfügung. Das gilt auch für Lithium, das direkt bei Rohstoffminen beschafft wird. „Die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten hat dabei oberste Priorität“, so der Sprecher. Außerdem werde komplett auf den Einsatz seltener Erden verzichtet. „Damit machen wir uns unabhängig von deren Verfügbarkeit“, heißt es.

Der Markt für Elektroautos wächst weltweit

Trotz aller Krisen sind die Märkte für Elektroautos in Europa und in China im ersten Halbjahr dieses Jahres gewachsen. In Europa waren 11,6 Prozent aller Neuzulassungen reine Elektrofahrzeuge, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 7,6 Prozent. Laut dem aktuellen Elektromobilitätsreport des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach konnte BMW seine Absätze in den ersten sechs Monaten auf 76.000 E-Autos mehr als verdoppeln. Für das Gesamtjahr prognostiziert das CAM unter Leitung des Automobilexperten Stefan Bratzel eine Steigerung des Verkaufs reiner E-Autos um 50 Prozent auf 6,5 Millionen Fahrzeuge weltweit.

Um auf den stetig steigenden Absatz elektrifizierter Fahrzeuge vorbereitet zu sein, wird der Bereich E-Antriebsfertigung im Leipziger Werk bereits im nächsten Jahr weiter ausgebaut und flexibilisiert. Durch die nächsten Ausbaustufen werden erneut Stellen geschaffen, teilte BMW mit. Ein nächster großer Meilenstein werde der Bau des MINI Countryman Nachfolgers sein, der ab 2023 am sächsischen Standort vom Band rollen wird. Das Crossover-Modell soll sowohl mit Verbrennungsmotoren als auch reinem Elektro-Antrieb auf den Markt kommen. Auch BMW setzt nun wie Volkswagen auf das Baukastensystem. In Leipzig werden dann alle Antriebe auf einer Plattform gebaut und die Modelle auf demselben Band montiert – mit Verbrennungsmotor oder ohne, je nachdem wie der Kunde oder die Kundin es wünscht.