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Wenn der Postmann nur kurz klingelt

Bei der Paketzustellung gibt es immer wieder unliebsame Überraschungen, auch im Kreis Bautzen. Was DHL dazu sagt und den Kunden rät.

Ein DHL-Paketzusteller steht mit mehreren Sendungen an einem Haus. Oft übergeben die Paketboten die Sendungen nicht persönlich, das sorgt für Ärger bei Empfängern.
Ein DHL-Paketzusteller steht mit mehreren Sendungen an einem Haus. Oft übergeben die Paketboten die Sendungen nicht persönlich, das sorgt für Ärger bei Empfängern. © dpa-Zentralbild

Bautzen. Elvira Schreiber ist nicht mehr die Jüngste und Schnellste, "aber für mein Alter bin ich schon noch ganz flott", sagt die Seniorin. "Aber um den Paketmann abzufassen, müsste ich ja rennen können wie Usain Bolt." Der Jamaikaner hält den Weltrekord im 100-Meter-Lauf.

Was war passiert? Die Bautzenerin erwartete dieser Tage ein Paket. Das wurde ihr auch vorher angekündigt vom Zustellbetrieb DHL, der Paketsparte der Deutschen Post. Elvira Schreiber weiß, der Paketbote kommt immer am frühen Nachmittag. So auch diesmal. Vielleicht bringt das Paket ja wieder der freundliche junge Mann mit dem Zopf? Er kommt mit der Sendung immer bis an die Wohnungstür, und die befindet sich immerhin im fünften Stock.

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Es klingelte Sturm. Elvira Schreiber lief zur Wechselsprechanlage an der Tür, rief "Hallo". Aber statt einer Antwort hörte sie, wie unten ein Motor gestartet wurde - wahrscheinlich vom Postauto. Sie fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten, vielleicht lag das Paket ja im Hausflur oder auch auf den Briefkästen. Das hatte sie ja mitunter schon erlebt. Doch Fehlanzeige.

Im Briefkasten lag nur eine Karte von DHL - der Zusteller habe "leider niemanden angetroffen", das Paket könne nun am nächsten Tag in der Filiale abgeholt werden. "Aber ich war die ganze Zeit zu Hause", macht die Frau ihrem Ärger Luft. "Können die Postboten nicht mal ein paar Sekunden warten, bis unsereiner an der Wechselsprechanlage ist?" Könnten sie, müssen sie aber nicht. Es gibt keine vorgeschriebene Wartezeit für Paketzusteller.

Zahl der Beschwerden geht in die Tausende

Was die Bautzenerin hier schildert, ist bei Weitem kein Einzelfall. Auch Diethold Tietz aus Bautzen hat die Erfahrung gemacht, dass eine Benachrichtigung im Briefkasten lag - "obwohl ich weder schwerhörig bin noch die Klingelanlage gestört war".

Sascha Klein aus der Nähe von Hoyerswerda berichtet von Zustellern, "die extrem freundlich sind und auch mal fünf Sekunden warten. Andere werfen das Päckchen rufend unten im Hausflur ab - mit der Bemerkung, es wäre da unten. Wieder andere melden sich gar nicht und werfen gleich den Schein in den Briefkasten. Alles erlebt zwischen Februar und April 2021." Auch Bernd Drechsel aus Bautzen fand schon eine Abholkarte im Briefkasten - "obwohl definitiv jemand da war, weil die Pakete heutzutage ja online angemeldet werden. Das trifft jetzt nicht auf einen Zustelldienst, sondern auf alle zu."

DHL-Sprecher Mattias Persson würde sich wünschen, dass Beschwerden nicht so pauschal, sondern ganz konkret vorgebracht werden - möglichst mit Uhrzeit und Zustellnummer. Das erleichtere dem Unternehmen, die Vorfälle zu recherchieren und darauf zu reagieren. "Wir nehmen jede Beschwerde ernst und sehen sie als Möglichkeit, noch besser zu werden."

Wer sich per Mail beim Kundenservice beschwert, bekommt darauf eine Entschuldigung wie diese: "Aufgrund Ihrer Schilderung können wir gut verstehen, dass Sie mit der Zustellung nicht zufrieden sind. Das tut uns sehr leid. Natürlich haben wir uns sofort darum gekümmert und die Kollegen vor Ort informiert. Sie werden dafür sorgen, dass so etwas möglichst nicht mehr passiert."

Doch offenbar passiert "so etwas" immer öfter. Die Bundesnetzagentur zählte im vergangenen Jahr rund 6.100 Beschwerden über Post- und Paketzusteller - etwa 50 Prozent mehr als noch 2019.

So viele Pakete wie noch nie - auch wegen Corona

Allerdings hatten die Zusteller 2020 auch so viel zu tun wie noch nie zuvor. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) sieht die Hauptursache in der Corona-Krise. Sie habe die Lage in der Paketbranche noch einmal verschärft, weil immer mehr Menschen im Internet bestellen, statt vor Ort einzukaufen. "Der ohnehin schon stressige Job vieler Zusteller ist durch die gestiegenen Paketmengen noch um einiges härter geworden", so Verdi.

Das beweisen Zahlen des Bundesverbandes Paket- und Expresslogistik. Demnach wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 4,05 Milliarden Kurier-, Express- und Paketsendungen verschickt - gut zehn Prozent mehr als 2019. Die Unternehmen der Branche beschäftigten 2020 insgesamt 255.200 Menschen – 10.600 mehr als im Jahr zuvor. Und es werden immer mehr Pakete, prognostiziert der Bundesverband: Bis 2025 werden es rund 5,7 Milliarden Sendungen im Jahr sein.

Offene Stellen bleiben unbesetzt

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Verdi spricht von einem "Knochenjob". Paketzusteller hätten mitunter bis zu 250 Sendungen am Tag zu den Empfängern zu bringen - und das wird im bevorstehenden Weihnachtsgeschäft noch zunehmen. Die Gewerkschaft fordert von den Unternehmen wie DHL, Hermes und DPD deshalb unter anderem mehr Personal in den Sortierzentren und in der Zustellung.

Doch die Arbeitsbedingungen schrecken offenbar viele ab. Anders ist nicht zu erklären, dass in der Oberlausitz derzeit 236 Post- und Paketzusteller arbeitslos gemeldet sind - es aber gleichzeitig 35 offene Stellen gibt, 30 mehr als vor einem Jahr.

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