merken
PLUS Wirtschaft

Dresden hofft jetzt auf die nächste Mikrochipfabrik

Zwei Weltkonzerne der Chipbranche erwägen Milliarden-Investitionen in Europa. Mit Behörden in Sachsen sollen schon Gespräche laufen.

Bosch hat gerade in Dresden eine Mikrochipfabrik eröffnet. Nun macht sich die Stadt Hoffnung auf den nächsten Großinvestor der Chipbranche - aus Übersee.
Bosch hat gerade in Dresden eine Mikrochipfabrik eröffnet. Nun macht sich die Stadt Hoffnung auf den nächsten Großinvestor der Chipbranche - aus Übersee. © Foto: Bosch

Dresden. Baut der taiwanische Konzern TSMC für einen Milliardenbetrag die nächste Mikrochipfabrik in Dresden? Während europäische Politiker mit dem US-Konzern Intel über eine Großinvestition sprechen, soll TSMC nun erstmals ebenfalls Interesse an Europa zeigen.

Das Branchenmedium Digitimes will erfahren haben, dass der taiwanische Konzern mit Kunden und örtlichen Behörden über eine mögliche Großinvestition in Dresden spricht. Offiziell äußert sich TSMC allerdings nicht. Die Investition in Dresden wäre eine Kehrtwende für den Konzern, der bisher seine Fabriken vorwiegend in Taiwan konzentrierte und darin Kostenvorteile sah. Derzeit investiert TSMC aber auch in den USA.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Dem Bericht zufolge interessiert sich TSMC nun für die Standorte Dresden sowie Kumamoto in Japan und hat in beiden Regionen bereits Gespräche mit Verantwortlichen geführt. Der Konzern gilt als größter Mikrochip-Auftragsfertiger der Welt. Er stellt Chips im Auftrag von Elektronikkonzernen her, die selbst keine Halbleiter produzieren oder nicht das gesamte Spektrum abdecken. Ein kleinerer Konkurrent in dieser Sparte ist Globalfoundries mit Fabriken auf drei Kontinenten.

Silicon Saxony: Zwei mögliche Investoren bekannt

Mit den Fabriken von Globalfoundries, Infineon, X-Fab und seit wenigen Wochen auch Bosch ist Dresden der wichtigste Standort der Halbleiterbranche in Europa. Daher macht sich die Region Hoffnungen, wenn es um die nächste Investition in der Branche geht. Große Chipfabriken gibt es aber auch in Frankreich, an der Spitze steht ST Microelectronics nahe Grenoble.

Dem Branchenverband Silicon Saxony in Dresden ist schon länger bekannt, dass in der EU vertrauliche Gespräche mit großen Mikrochipherstellern wie Intel und TSMC über Ansiedlungen stattfinden. Die Fabrikneubauten kosten in der Regel Milliardensummen, zumal dazu teure Anlagen zum Beschichten und Belichten der Siliziumscheiben im Reinraum gehören. Um solche Investoren gibt es einen starken weltweiten Wettbewerb, auch mit staatlichen Subventionen.

Dresdens OB Hilbert: Nachfrage nach Gewerbeflächen

Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sagte vor wenigen Tagen, Dresden als europäisches Zentrum der Chipindustrie sei gefordert, die Nachfrage nach den Halbleitern zu bedienen. In den vergangenen Monaten mussten beispielsweise Autofabriken die Produktion unterbrechen, weil die kleinen Bauteile fehlten. Hilbert sprach zugleich von einem Nachfrageboom nach Gewerbeflächen in Dresden.

Das städtische Amt für Wirtschaftsförderung wollte am Mittwoch "konkrete Verhandlungen mit einzelnen Akteuren weder bestätigen noch kommentieren". Doch die Behörde schrieb auch: "Der weltweite Halbleiter-Mangel führt dazu, dass sich die Hersteller mit Erweiterungs- und Ansiedlungsvorhaben Europas größten Mikroelektronikstandort genauer ansehen." Die mögliche Unterstützung durch die EU mit dem nächsten Förderprogramm namens Ipcei 2 treibe das Thema zusätzlich voran.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat erst zu Monatsbeginn in Dresden die beiden größten Mikrochipfabriken besucht. Bei Globalfoundries und Infineon erinnerte Altmaier daran, dass die EU derzeit über neue Subventionen für die Mikrochipbranche verhandelt. Die Staaten sind zum Zahlen bereit, weil Chips als strategisch wichtige Produkte gelten. Sie werden für Computer, Energieversorgung und Autos ebenso gebraucht wie für Industrieautomaten. Europa soll nun wieder mehr Mikrochips herstellen, nachdem Marktanteile an Asien verloren wurden.

Wirtschaftsminister Altmaier: Offenheit signalisiert

Das neue europäische Förderprogramm Ipcei 2 könnte laut Altmaier beinahe zehn Milliarden Euro umfassen. Die englische Abkürzung Ipcei steht für Important Projects of Common European Interest, also: wichtige Projekte von gemeinsamem europäischen Interesse. Aus dem Programm Ipcei 1 war die Bosch-Fabrik in Dresden unterstützt worden.

Altmaier sagte bei seinem Besuch am 1. Juli in Dresden, er habe in Gesprächen mit Intel Offenheit signalisiert. Falls ein solcher Investor Unterstützung vom Staat bekomme, sollten andere nicht leer ausgehen. Wörtlich sagte Altmaier in Dresden: "Wenn es neue Investoren von außerhalb Europas gibt, wird es nicht zulasten von Unternehmen gehen, denen wir unsere Unterstützung bereits zugesagt haben."

Weiterführende Artikel

Baut TSMC Chipfabrik in Deutschland?

Baut TSMC Chipfabrik in Deutschland?

Chiphersteller stecken viel Geld in den Ausbau ihrer Kapazitäten. So erwägt das taiwanische Unternehmen TSMC den Bau einer Fabrik in Deutschland. Wo, ist unklar.

Bekommt Globalfoundries neue Besitzer?

Bekommt Globalfoundries neue Besitzer?

Der Intel-Konzern will angeblich den Mikrochip-Auftragsfertiger Globalfoundries kaufen. EU-Politiker hatten auf Intel-Neubauten gehofft - auch in Sachsen.

Sachsen oder Frankreich: Wer bekommt die Chipfabrik?

Sachsen oder Frankreich: Wer bekommt die Chipfabrik?

Die Weltkonzerne Intel und TSMC suchen Standorte für Chipfabriken. Ein Gespräch über Dresdens Chancen mit Heinz Martin Esser, Vorstandschef von Silicon Saxony.

Globalfoundries schafft in Dresden 250 neue Jobs

Globalfoundries schafft in Dresden 250 neue Jobs

Dresdens größte Fabrik wächst stark: Der Mikrochiphersteller Globalfoundries erhöht die Kapazität. Minister Altmaier verspricht neue Subventionen, auch für Infineon.

Falls TSMC in Dresden investieren sollte, könnten in einigen Jahren Chips mit noch feineren Details als bisher aus Sachsen kommen: Dem Bericht zufolge will der Konzern in seinen neuen Fabriken Mikrochips herstellen, in denen die feinsten Strukturen 16 oder 12 Nanometer klein sind. Die anderen Hersteller in Sachsen haben sich aus dem Wettrennen um immer weniger Nanometer zurückgezogen.

Mehr zum Thema Wirtschaft