merken
PLUS Wirtschaft

Dresdens größte Fabrik ist ausgebucht bis nächstes Jahr

Die Mikrochipfabrik von Globalfoundries in Dresden profitiert von Corona. Um die hohe Nachfrage zu bedienen, muss die Fabrik nun auch neue Anlagen kaufen.

Der Eingang zu Dresdens größter Fabrik, Globalfoundries in der Nähe des Flughafens: Die 3.400 Beschäftigten sind wegen der hohen Nachfrage nach Mikrochips ausgelastet.
Der Eingang zu Dresdens größter Fabrik, Globalfoundries in der Nähe des Flughafens: Die 3.400 Beschäftigten sind wegen der hohen Nachfrage nach Mikrochips ausgelastet. © dpa/Arno Burgi

Dresden. Dresdens größte Fabrik nimmt für dieses Jahr keine Aufträge mehr an. Die Mikrochipfabrik des US-Konzerns Globalfoundries ist komplett ausgebucht – und teilweise auch schon für das kommende Jahr. Das sagte Geschäftsführer Manfred Horstmann der Zeitschrift Wirtschaftswoche.

Globalfoundries hatte im März angekündigt, dieses Jahr 400 Millionen Euro in den Ausbau der Kapazität in Dresden zu investieren. Die Fabrik kauft neue Anlagen, für die im vorhandenen Reinraum im Dresdner Norden noch viel Platz ist. Die gleiche Investitionssumme fließt jeweils in die Globalfoundries-Fabriken in den USA und in Singapur. Das Unternehmen stellt auf drei Kontinenten Mikrochips her, ausschließlich im Auftrag anderer Firmen. Es bezeichnet sich als Auftragsfertiger oder foundry.

Anzeige
OBI Gartencenter wieder geöffnet!
OBI Gartencenter wieder geöffnet!

Gute Nachrichten für alle Gartenfreunde: Ab sofort haben die OBI Gartencenter wieder zum Shoppen geöffnet. Kein Test oder Termin notwendig!

Horstmann sagte, die Nachfrage nach Halbleitern werde jetzt zum einen dadurch getrieben, dass wegen Corona mehr Computer und Bildschirme gefragt sind. Auch der Trend zur Elektromobilität fordere mehr Chips. Davon profitiert auch Infineon mit mehr als 2.700 Beschäftigten in Dresden, wo ebenfalls Wachstum angekündigt ist. Dort sollen innerhalb von fünf Jahren 1,1 Milliarden Euro investiert werden.

Die neue Bosch-Chipfabrik in Dresden mit zunächst 250 Beschäftigten wird in diesem Jahr offiziell eröffnet. Auch diese Fabrik lässt wie Globalfoundries zunächst Platz im Reinraum für möglichen Zuwachs an Maschinen frei. Der Hunger der Elektronikbranche nach Mikrochips wächst. Dazu gehören zunehmend Autozulieferer.

Autoindustrie muss weiter auf Mikrochips warten

Der Chip-Engpass der Autoindustrie wird laut Horstmann „mindestens noch ein Jahr“ andauern. In Japan und Texas seien Fabriken anderer Chiphersteller ausgefallen. Globalfoundries hat in Dresden 3.400 Beschäftigte. Vor zwei Jahren war Kurzarbeit, doch voriges Jahr wurden rund 200 neue Mitarbeiter eingestellt. Der Betrieb hatte auch schon einmal 4.000 Beschäftigte, die Chip-Industrie ist stark von der Konjunktur abhängig. Horstmann sagt allerdings: "Wir werden noch Jahre von der Nachfrage profitieren."

Globalfoundries hat auch schon Aufträge vom Autozulieferer Bosch erhalten, obwohl der selbst Chipfabriken besitzt. Die neue Partnerschaft mit Bosch soll laut Globalfoundries zu Radarsystemen führen, die Autofahrern helfen: beim Spurhalten, beim Einparken und mit der Warnung vor Zusammenstößen. Die Chips werden in der Dresdner Globalfoundries-Fabrik hergestellt. Der Konzern gehört dem Emirat Abu Dhabi, die Konzernzentrale ist in den USA.

Weiterführende Artikel

Infineon-Chef: Neubau in Dresden in ein paar Jahren

Infineon-Chef: Neubau in Dresden in ein paar Jahren

Die Mikrochipfabriken sind voll ausgelastet. Voriges Jahr war noch Kurzarbeit. Infineon-Konzernchef Reinhard Ploss macht sich Gedanken über die nächsten Investitionen.

Warum die Halbleiterindustrie ins Rampenlicht gehört

Warum die Halbleiterindustrie ins Rampenlicht gehört

20 Prozent Marktanteil an der weltweiten Chip-Produktion – das ist das Ziel der EU-Kommission. Davon profitiert auch das Silicon Saxony. Ein Gastbeitrag.

Erstmals Tarifvertrag für Dresdner Chipfabrik X-Fab

Erstmals Tarifvertrag für Dresdner Chipfabrik X-Fab

Für Sachsens drittgrößte Mikrochipfabrik hat die Chemiegewerkschaft den ersten Tarifvertrag abgeschlossen. Anderswo wird schon lange diskutiert.

Hightech: Infineon hört bei Globalfoundries genau hin

Hightech: Infineon hört bei Globalfoundries genau hin

In Dresdens größter Fabrik fallen manchmal Ventile aus. Damit das nicht zum Stillstand führt, tragen Nachbarfirmen ihre Hochtechnologie zusammen.

Das Unternehmen will künftig mehr Kunden in der Auto-Zulieferindustrie finden. Dresdens größte Fabrik gehörte ursprünglich dem AMD-Konzern und stellte jahrelang nur Chips für Computer und Handys her, auch für den Großkunden Qualcomm. AMD bestellt nur noch geringe Mengen in Dresden. Laut Horstmann stammen in manchen Handys bis zu 40 Prozent der Chips von Globalfoundries in Dresden. "Im Bereich Automotive stehen wir noch am Anfang", sagte er der Wirtschaftswoche. Große Automobilzulieferer kämen jetzt auf das Unternehmen zu, um ihre Lieferungen aus verschiedenen Quellen statt nur aus Taiwan abzusichern.

Mit einer neuen sparsameren Fertigungstechnologie namens 22FDX wirbt Globalfoundries auch um Aufträge von Elektronikfirmen, die Produkte für das Internet der Dinge herstellen. Diese Technologie soll aber nur einen Teil der Anlagen auslasten.

Mehr zum Thema Wirtschaft