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Globalfoundries: Noch zwei Jahre Mangel an Chips

Dresdens größte Fabrik soll wachsen, aber Globalfoundries pocht auf Subventionen. Davon hängt auch der mögliche Neubau des Konkurrenten TSMC in Deutschland ab.

Globalfoundries-Konzernchef Tom Caulfield (rechts) hat sich in Dresden mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Juli getroffen. Jetzt betont er, dass er die sächsische Fabrik ausbauen will - mit Fördergeld.
Globalfoundries-Konzernchef Tom Caulfield (rechts) hat sich in Dresden mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier im Juli getroffen. Jetzt betont er, dass er die sächsische Fabrik ausbauen will - mit Fördergeld. ©  Archivbild: dpa/Matthias Rietschel

Dresden. Wird Globalfoundries seine Mikrochipfabrik in Dresden ausbauen, und wird der Konkurrent TSMC ebenfalls in Dresden groß investieren? In einem Interview mit der Wirtschaftswoche hat Globalfoundries-Konzernchef Tom Caulfield den Wettkampf zwischen den beiden Halbleiter-Herstellern eingeordnet. Caulfield betont, dass er bestehende Standorte ausbauen will, statt neue zu suchen. "Unser klares Ziel ist der Ausbau des Standortes in Dresden", sagte Caulfield.

Doch dazu sei eine "Partnerschaft" mit Sachsen, Deutschland und der EU nötig. Zunächst müsse das nächste Förderprogramm offiziell gestartet werden, dann könnten die Unternehmen sich um das Geld bewerben.

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Chipfabrikanten rennen bei Politikern derzeit offene Türen ein, denn der Mangel an Mikrochips hat schon ganze Autofabriken zu Produktionsunterbrechungen genötigt. Laut Caulfield wäre es naiv zu denken, dass der Mangel bald vorbei ist. Doch nach seiner Ansicht könnte die Lücke in der Autoindustrie früher als in anderen Branchen geschlossen werden, denn ihr Anteil an der Welt-Chipproduktion sei gering.

Chipmangel in Autoindustrie bis 2023

Der Globalfoundries-Chef geht davon aus, dass der Chipmangel in der Autoindustrie nächstes Jahr zurückgeht und "die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot 2023 geschlossen sein wird". Caulfield betonte, das Globalfoundries Chips für Bezahlfunktionen auf dem Handy liefert sowie für die Steuerung des Handys über einen Touchscreen und die Verbindung mit dem nächsten Mobilfunkmast.

Das Werk Dresden mit 3.300 Beschäftigten hatte in den vergangenen Jahren erste Kunden aus dem Umfeld der Auto-Industrie gewonnen, die etwa Chips für Kameras zur Erkennung des Fahrzeug-Umfelds benötigen. Vorher lieferte die Fabrik vorwiegend an AMD und Qualcomm.

Konkurrenten brauchen mindestens zwei Jahre

Der deutlich größere Konkurrent TSMC aus Taiwan hat bereits öffentlich bestätigt, erstmals den Bau einer Fabrik in Deutschland zu prüfen. Dresden macht sich Hoffnungen auf diese Milliarden-Investition, weil in der Stadt bereits vier Chipfabriken sowie Forschungseinrichtungen arbeiten. Caulfield antwortet auf die Frage zur Konkurrenz um Fördergeld: "Bei Konkurrenten, die eine solche Fabrik und ein solches Umfeld noch nicht haben, wird es bis zu zwei Jahre dauern, bis sie produzieren können."

TSMC ist wie Globalfoundries ein Auftragsfertiger, der für andere Elektronikhersteller die gewünschten Mikrochips produziert. Jüngst hatte auch der Intel-Konzern aus den USA Interesse gezeigt, in dieses "Foundry"-Geschäft einzusteigen und in Europa zu investieren. Caulfield sagte dazu, das zeige, wie gefragt die Branche sei. Intel sei ein Kunde von Globalfoundries, kein Konkurrent. Zudem fertige Intel Mikrochips mit feineren Strukturen, Globalfoundries beschränke sich auf Maße "ab zwölf Nanometer aufwärts".

In Singapur gibt es Zuschüsse und Kredite

Während über den Ausbau der Dresdner Fabrik von Globalfoundries noch verhandelt wird, hat der Konzern für Singapur bereits einen Neubau neben einer bestehenden Fabrik angekündigt. Zur Höhe der Subventionen dort wollte sich Caulfield nicht äußern. Es sei eine Kombination aus Zuschüssen und "langfristigen Krediten" der Wirtschaftsförderung in Singapur. Ob die staatlichen Hilfen insgesamt höher seien als in Europa, könne er noch nicht sagen.

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In der EU wird derzeit über eine Fortsetzung des Förderprogramms Ipcei verhandelt. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte bei einem Dresden-Besuch angekündigt, dass es seiner Ansicht nach eine Größenordnung von fast zehn Milliarden Euro umfassen sollte. Falls davon neu angesiedelte Konzerne gefördert würden, bekämen trotzdem auch die schon vorhandenen Fabriken das zugesagte Geld.

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