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Infineon Dresden: 20 neue Arbeitsplätze jeden Monat

Voriges Jahr war Kurzarbeit in der Dresdner Mikrochipfabrik, jetzt kommen zusätzliche Maschinen. Infineon kann gar nicht so schnell produzieren, wie Kunden wollen.

Mikrochips sind plötzlich wieder so gefragt, dass Hersteller wie Infineon kaum hinterherkommen. Konzernchef Reinhard Ploss lässt mehr Maschinen in Dresden und im österreichischen Villach aufstellen.
Mikrochips sind plötzlich wieder so gefragt, dass Hersteller wie Infineon kaum hinterherkommen. Konzernchef Reinhard Ploss lässt mehr Maschinen in Dresden und im österreichischen Villach aufstellen. © dpa/Peter Kneffel

Dresden. Zum Februar haben 22 neue Beschäftigte bei Infineon in Dresden angefangen. In den kommenden Monaten wird es in dieser Größenordnung weitergehen, sagt Firmensprecher Christoph Schumacher.

Die Mikrochipfabrik mit gut 2.700 Beschäftigten hatte Mitte vorigen Jahres Kurzarbeit, doch jetzt kann sie die rasch steigende Nachfrage der Industrie nicht erfüllen. Im Chipwerk im Dresdner Norden werden daher zusätzliche Anlagen zum Beschichten und Ätzen von Siliziumscheiben aufgestellt. Drei bis sechs Monate dauert die Produktion einer Serie Mikrochips.

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Doch in der Krise im vorigen Jahr hatte Infineon die Anschaffung neuer Maschinen erst einmal gebremst. Nun soll die Kapazität in Dresden „sprunghaft“ gesteigert werden, und die Schwesterfabrik in Villach in Österreich soll ihren neuen Werksteil gut drei Monate früher in Betrieb nehmen als geplant.

Wegen Corona weniger Chips für Reisepässe

In Villach entsteht nach Dresdner Vorbild eine Fabrik, die 300 statt 200 Millimeter große Siliziumscheiben bearbeiten kann und daraus Leistungshalbleiter macht - die werden beispielsweise zum Schalten in der Energietechnik benötigt, in Zügen oder Windkraftanlagen. Zur Vorbereitung der neuen Produktion in Österreich gibt es regen Austausch zwischen den Mitarbeitern in Dresden und Villach.

Noch ist ausreichend freier Platz im Dresdner Infineon-Reinraum, ebenso wie beim größeren Nachbarn Globalfoundries mit 3.400 Beschäftigten. Laut Schumacher wird Infineon Dresden noch die nächsten zwei Jahre damit beschäftigt sein, den Raum mit zusätzlichen Anlagen zu füllen. Daran seien auch sächsische Dienstleister beteiligt. Dieser Reinraum gehörte ursprünglich der Infineon-Tochter Qimonda, die in der Krise 2009 Insolvenz anmeldete und schloss. Sie hatte zur besten Zeit 4.000 Mitarbeiter.

Die Dresdner Fabrik spürt jetzt sowohl die gestiegene Nachfrage nach Halbleitern für Elektromobilität als auch das Interesse an mehr Notebooks und Handys. Die Elektronikbranche rüstet auch Homeoffices aus. Konzernchef Reinhard Ploss berichtete am Donnerstag in München zwar, dass wegen Corona weniger Chips für Ausweise, Reisepässe und Eintrittskarten bestellt werden. Aber das Werk Dresden spürt davon laut Schumacher nichts. Auch der ältere Fabrikteil mit den Anlagen für 200-Millimeter-Scheiben ist nach seinen Angaben jetzt wieder "nahezu komplett ausgelastet".

Akkuschrauber und Spielkonsolen gefragt

Laut Ploss nehmen vor allem die Aufträge von Lieferanten der Autofabriken zu. Davon hatte auch schon der X-Fab-Konzern in Erfurt mit 450 Beschäftigten in Dresden berichtet. „Nicht alles können wir zusagen“, sagte Ploss über die Kundenwünsche. Doch Infineon sei besser als manche Konkurrenten darauf vorbereitet, die Produktion rasch zu erhöhen. Eigene Fabriken zu besitzen habe Vorteile.

Freilich stellt auch Infineon nicht alle Mikrochips selbst her. Die Markenprodukte kommen zum Teil von Auftragsfertigern, sogenannten Foundries, zu denen auch Globalfoundries gehört. Ploss nannte als große Auftragsfertiger der Branche TSMC in Taiwan und Samsung in Korea.

Der Vorstandschef rechnet jetzt damit, dass der Infineon-Konzern in diesem Geschäftsjahr 10,8 Milliarden Euro umsetzen wird. Das sind 300 Millionen Euro mehr als bisher erwartet. Die Gewinnspanne wächst ebenfalls. Ploss sagte, die Automobilindustrie erhole sich, und von der neuen US-Regierung erwarte er neue Impulse. Selbst der Trend zum Heimwerken mit Akkugeräten und das Interesse an Spielekonsolen nützen Infineon, der ehemaligen Halbleitersparte des Elektrokonzerns Siemens. „Vor drei Monaten waren wir vorsichtig optimistisch, jetzt deutlich zuversichtlicher", sagte Ploss.

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Infineon setzt weiterhin große Hoffnungen in autonomes und elektrisches Fahren. Acht Prozent des weltweiten Halbleiter-Umsatzes kommen laut Ploss aus der Automobil-Industrie. Wegen der steigenden Nachfrage habe Infineon teilweise schon Preise erhöht oder mache steigende Kosten geltend, die von den Lieferanten berechnet wurden. Doch viele Lieferverträge seien langfristig und würden eingehalten.

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