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Sächsischer Konzernchef lässt sich duzen

Im Energiekonzern Envia-M mit 3.300 Beschäftigten darf jetzt jeder Monteur Du zum Chef sagen. Das gilt auch für die Büroangestellten im Homeoffice.

Hallo Du: Der Herr Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Lowis bietet allen Mitarbeitern des Chemnitzer Energiekonzerns Envia-M an, auf das Siezen zu verzichten.
Hallo Du: Der Herr Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Lowis bietet allen Mitarbeitern des Chemnitzer Energiekonzerns Envia-M an, auf das Siezen zu verzichten. © Envia-M AG

Chemnitz. Stephan Lowis arbeitet seit Monaten in seiner Wohnung in Leipzig, im Homeoffice. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis er wieder einen Monteur oder Buchhalter trifft und bei dieser Gelegenheit geduzt wird. Aber möglich wäre es: In dieser Woche hat der Vorstand des Energiekonzerns Envia-M mit Sitz in Chemnitz allen Mitarbeitern das Du angeboten.

Das „freiwillige Du“ stehe als Angebot im Intranet, sagte Lowis am Donnerstag bei einem Online-Pressegespräch. Der Vorstandsvorsitzende ist Chef von 3.300 Menschen in Sachsen und den Nachbarländern. Der Strom- und Gasversorger Envia-M gehört zum Eon-Konzern. Doch die Idee mit dem Du kommt laut Lowis nicht aus der Zentrale im Westen, die hatten die Chemnitzer Vorstände selbst. Es helfe, Distanz zu überwinden.

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Dieser „Kulturwandel“ solle aber „keine Zwangsbeglückung“ werden. Der Meister bleibe Meister, der Vorstand bleibe Vorstand. Keine Struktur werde ausgehebelt.

Im Konzern jetzt 15 Corona-Infizierte

Ohnehin begegnen sich die Envia-M-Beschäftigten derzeit selten. Alle 300 Strom- und 60 Gas-Monteure seien im Einsatz, rund 2.200 Büroangestellte fast täglich im Homeoffice. Etwa 15 Mitarbeiter seien mit dem Coronavirus infiziert, aber das sei wenig und habe private Ursachen.

Envia-M sei „konservativer als das Gesundheitsamt“ und verlange nach der Quarantäne noch einen negativen Schnelltest. Sicherheitshalber wurde eine zweite Leitwarte eingerichtet, deren Mitarbeiter keinen Kontakt zu ersten haben.

Glasfaser-Anschluss als Telekom-Konkurrent

Die Energie-Versorgungssicherheit ist laut Lowis gewährleistet. Er könne zwar nicht ausschließen, dass wie jüngst in Jena ein Leck entsteht oder eine Leitung reißt, aber dann werde rasch repariert. Drohnen helfen, die Leitungen und schneebedeckten Äste etwa im Erzgebirge zu überwachen. Steigende Strompreise in diesem Jahr seien nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen.

Lowis bittet Besitzer von verschneiten Solaranlagen, jetzt nicht aufs Dach zu klettern. Das sei zu riskant. Die Versorgung sei auch nicht gefährdet, wenn mal zwei Wochen Solarstrom von Dächern fehle. Für Besitzer großer Freiflächenanlagen könne es sich möglicherweise lohnen, Schnee zu fegen.

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