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Sie ist Mutmacherin des Jahres für viele Wirte

Die Dresdner Handelskammer hat fünf "Anpacker" ausgezeichnet. Was Carola Arnold aus Cunewalde trotz Corona geschafft hat.

Carola Arnold aus Cunewalde siegt im Wettbewerb "Umdenker, Anpacker, Mutmacher gesucht!"
Carola Arnold aus Cunewalde siegt im Wettbewerb "Umdenker, Anpacker, Mutmacher gesucht!" © Steffen Unger

Dresden/Cunewalde. Zum Verreisen hat Carola Arnold keine Zeit. Die Wirtin aus Cunewalde bei Bautzen hat aber als Kundin schon die dritte Bildschirmfahrt mit Liveschaltungen zu Reiseführern mitgemacht. Zu solchen Ausflügen gibt es Genießerpakete, die Daheimgebliebene während der Übertragung an ihrem Tisch auspacken können. Mit virtuellen Reisen in Corona-Zeiten hat die Eberhard Travel GmbH in Kesselsdorf bisher mehr als 3.500 Gäste beglückt und will weitermachen.

Das Reiseunternehmen bekam dafür am Dienstag in der Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) den zweiten Preis des Wettbewerbs „Umdenker, Anpacker, Mutmacher gesucht!“ Den ersten Preis mit 7.000 Euro bekam aber Carola Arnold, die in Cunewalde in ihrer „Kleenen Schänke“ sonst selbst Gäste bewirtet. Die Mutmacherin stellt sich schon mal als einen „Ideenschnellkochtopf“ vor.

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Zu kuschlig im Umgebindehaus

Weil es in ihrem Umgebindehaus mit 30 Sitzplätzen während der Pandemie „zu kuschlig“ für die Lesungen, Verkostungen und Floristik-Workshops wurde, ließ sich Carola Arnold immer wieder Neues einfallen. Den Anfang machten eine Whiskykochbox, ein Whiskydinner mit digitaler Verkostung und Kochvideo für Zuhause. Das gewohnte "Kochen mit Spaß" in der Eventküche musste ja ausfallen.

Es folgten Brotbackmischungen und das erste eigene Buch: „Carola kocht“, von dem sie 4.200 Exemplare verkaufte. Im Advent wurde die „Kleene Schänke“ zum Weihnachtskaufhaus, im Frühjahr kamen regionale Genusspakete dazu. Arnold stellte "Mitbringsel von Daheeme" zusammen.

Erst vor sechs Jahren hat Arnold die Schänke in ihrem Heimatort eröffnet, nach 23 Jahren in Dresden als Gebietsleiterin eines Cateringunternehmens. Sie sieht sich als „Zugpferd“ und will andere ermutigen. Zwei Teilzeit- und zwei Honorarkräfte arbeiten bei ihr. Außerdem müsse ihr Mann manchmal mithelfen - obwohl er zum Glück als Autoverkäufer Geld verdiene. Sonst würde es nicht reichen.

Immer neue Geschäftsideen

IHK-Präsident Andreas Sperl zeigte sich beeindruckt von Arnolds Optimismus. Er sagte, es sei keine Selbstverständlichkeit, sich den in der Krise bewahrt zu haben. Die "Innovationskraft" imponiere ihm außerdem.

In Cunewalde gibt es laut Arnold sieben Gastronomiebetriebe - bei weniger als 5.000 Einwohnern. Doch die Wirte träfen sich zum Stammtisch: "Wir mögen uns." Als ihr Geschäft gerade zum Laufen gekommen war, bremste Corona es aus. Da nützte auch nicht die gute Lage nahe der größten evangelischen Dorfkirche. "Das war nicht witzig, da war ich nicht gut drauf." Wenn es einem schlecht gehe, dürfe man auch mal heulen, sagt Carola Arnold. "Aber man muss was tun."

Vor Corona war ihr Kalender schon so voll, dass sie sich deswegen Sorgen machte. Doch dann musste sie neue Geschäftsideen finden. Als Nächstes will sie sich an den 20. Lausitzer Fischwochen beteiligen, eine Fischbroschüre wird dazugehören.

Bautzener Seilerei als 360-Grad-Panorama

Unter 38 Bewerbern im Mutmacher-Wettbewerb vergab die Fachjury schließlich gleich zwei dritte Preise: an den Bautzener Seilermeister Frank Schäfer und an das Historische Fischhaus Dresden. Beurteilt wurden dabei die Kriterien Kreativität, Innovationsgehalt, Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Das Historische Fischhaus Dresden reagierte auf die Corona-Schließung nicht nur mit einem Abholservice, um Köche und Servicepersonal in Beschäftigung zu halten. Das Gasthaus an der Dresdner Heide installierte auch im Garten einen neuen Räucherofen für Forellen, entwickelte Pestos und einen Limoncello.

Für den Bautzener Seilermeister Frank Schäfer war Corona Anlass, sein Online-Angebot erheblich auszubauen. Er hat jetzt drei Internet-Shops und findet 80 Prozent seiner Kundschaft außerhalb Bautzens - etwa den Berliner Bootsbesitzer, der die geeigneten Leinen auswählen möchte. Der Kunde findet die Seilerei Schäfer jetzt als 360-Grad-Panorama, kann sich im Ladengeschäft von 1890 bewegen und direkt auf dem Bildschirm Leinen und Bindfadenrollen anklicken. Hunde- und Pferdehalter sind unter den Kunden.

Sechs Stunden Stricken für eine Hängematte

Zu Schäfers Sortiment gehören Schaukeln - auch welche für Erwachsene, etwa für Bühnen in Wien und Stuttgart. Abends beim Fernsehen setzt sich der Seilermeister auch mal hin und strickt innerhalb von sechs Stunden eine Hängematte. "Wie die Oma früher Socken gestrickt hat", sagt Frank Schäfer. Doch er ist längst in der digitalen Welt angekommen.

Beinahe hätte die Jury Frank Schäfer wieder aus dem Wettbewerb genommen, weil er in seiner Bewerbung die rhetorische Frage stellte: "Wofür habe ich den Laden noch?" Das gefällt der IHK gar nicht, hat sie sich doch die Belebung der Innenstädte vorgenommen. Doch das Bautzener Ladengeschäft wolle er nicht etwa schließen, versichert Schäfer. Nur habe er die Erfahrung gemacht, dass seine Waren auf dem Bildschirm auch das Beratungsgespräch erleichtern - am Telefon lasse sich ein Seil viel besser erklären, wenn es zugleich zu sehen sei.

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