merken
PLUS Wirtschaft

ID.3 rollt ab sofort in Dresden vom Band

Der Produktionsstart des Volkswagen ID.3 ist auch der Startschuss für eine Neuausrichtung der Gläsernen Manufaktur. Die Pläne sind vielfältig.

Wirtschaftsminister Martin Dulig (l.) und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (3.v. r.) ließen sich den Produktionsstart des ID.3 trotz Corona nicht entgehen.
Wirtschaftsminister Martin Dulig (l.) und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (3.v. r.) ließen sich den Produktionsstart des ID.3 trotz Corona nicht entgehen. © PR/Oliver Killig

Dresden. Auf jeder Station seiner Reise in das Elektromobilitäts-Zeitalter nimmt der Autobauer Volkswagen (VW) Kunden, Mitarbeiter und die Partner aus der Politik mit. Jüngste Station ist der Start der Serienproduktion des ID.3 in der Gläsernen Manufaktur in Dresden. Im Beisein von Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert eröffnete die Geschäftsführung und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von VW Sachsen die Fertigung. Damit wird die sächsische Landeshauptstadt neben Zwickau zum zweiten Fertigungsstandort des ID.3.

Wie auch beim Start des E-Golf 2017 werden zu Beginn erst einmal täglich nur 35 Fahrzeuge des Mittelklasse-Stromers in einer Schicht montiert. Doch mit steigender Nachfrage im Markt würden auch in Dresden die Stückzahlen erhöht werden, versichert Standortleiter Danny Auerswald. Vom E-Golf rollten zuletzt 80 Fahrzeuge vom Band. Im Dezember lief die Produktion aus, seit Jahresbeginn wurde die Dresdner Fertigung so umgebaut, dass künftig hier Fahrzeuge mit dem Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB) gebaut werden können. Der MEB ist der zentrale Technik-Baukasten für die neuen Elektromodelle des Konzerns.

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Neben der Produktion wird es neue oder erweiterte Geschäftsfelder in der Gläsernen Manufaktur geben, um die Beschäftigung am Standort mit derzeit 380 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu sichern. Das bisherige „Center of Future Mobility“ soll sich in den kommenden Jahren kontinuierlich zum „Home of ID“ weiterentwickeln. Ziel ist eine ganzheitliche Erlebniswelt der ID.Familie zu schaffen, angefangen bei der Beratung und Probefahrten über die Besichtigung der Fertigung, dem Mitbauen am ID.3 und modernen Veranstaltungsformaten bis hin zur Übergabe der E-Fahrzeuge.

Die Fahrzeugübergabe soll massiv steigen, von 3300 Fahrzeugen im vergangenen Jahr auf mehr als 5000 Fahrzeuge in diesem Jahr bis rund 9 700 Auslieferungen jährlich ab 2022. Dazu wurde ein zweiter Auslieferungsort in der Fertigung eingerichtet, was nach eigenen Angaben bislang einmalig in der Automobilbranche sei. Zwar ist die Auslieferung momentan durch den Corona-Lockdown etwas gebremst, da die Manufakturpforten für den Besucherverkehr geschlossen sind. „Aber wir spüren keinen großen Knick und sind zuversichtlich, das Jahresziel zu erreichen“, sagte Standortleiter Danny Auerswald.

Auch die Erprobungsstation für die Gesamtfahrzeugentwicklung der Marke VW wird weiter ausgebaut. Getestet werden Assistenzsysteme, mobile Onlinedienste, Motoren und Fahrwerk. Ein Vorteil von Dresden sei die Lage Im Dreiländereck Deuschland, Tschechien und Polen, da könne man auf einer Erprobungsfahrt gleich drei verschiedene Kommunikationssysteme testen, hieß es.

Ein neues Geschäftsfeld wird der Technische Fahrzeugservice. 75 Autos pro Woche sollen in der Gläsernen Manufaktur inspiziert und repariert werden, die offiziell als Servicepartner von Volkswagen zugelassen wird. VW wolle damit aber nicht freien Kfz-Werkstätten Konkurrenz machen, bekräftigte Auerswald. „Wir zielen nicht auf die Endkunden ab, sondern auf Großkunden und VW-Leasingrückläufer“, betonte der Standortleiter. Das seien Größenordnungen, die normale Autohändler und Werkstätten schnell an die Grenze bringen würden. Auch seien sie derzeit noch nicht in der Lage, Kunden mit Elektroautos bei Wartung und Service umfassend zu bedienen. „Das ist eine Lücke, die wir jetzt erst einmal besetzen“, so Auerswald.

Im Fokus der strategischen Neuausrichtung steht auch der weitere Ausbau der Manufaktur zu einem Forschungs- und Innovationsstandort, in dem neue Technologie oder Robotiklösungen getestet werden, bevor sie in großen Werken wie Zwickau oder Wolfsburg zum Einsatz kommen. Dies soll verknüpft werden mit den Startup-Aktivitäten im Gründerinkubator, den VW erfolgreich etabliert hat , wie auch in der Zusammenarbeit mit Forschungsinstituten. Konkrete Projekte gibt es noch nicht. Derzeit laufe die Abstimmung mit dem Marken-Vorstand über eine „klare Beauftragung“ des Standorts zu Forschungsprojekten. „Mir ist wichtig, dass wir nicht aus dem Standort und der Marke heraus doppelt loslaufen“, betonte Auerswald.

Weiterführende Artikel

Dresdens Oberbürgermeister fährt nun ID.3

Dresdens Oberbürgermeister fährt nun ID.3

Dresdens OB Dirk Hilbert (FDP) setzt in seiner Fahrzeugflotte weiterhin auf E-Mobilität. Damit will er auch unter Kollegen punkten.

Erster ID.3 in Dresden ausgeliefert

Erster ID.3 in Dresden ausgeliefert

Nun soll sie beginnen, die elektrische Wende bei VW. Der erste Kunde konnte seinen ID.3 in Dresden abholen. Aber noch gibt es einige Schwächen.

VW ID.3 wird auch in Dresden gebaut

VW ID.3 wird auch in Dresden gebaut

Die Belegschaft kann aufatmen: Die Gläserne Manufaktur wird zur Innovationsschmiede. Künftig sollen auch mehr Besucher kommen.

Bei der Politik stoßen all diese Pläne auf große Zustimmung. „Die Manufaktur ist ein Aushängeschild für Technologie aus Sachsen. Als gläserne Wissensfabrik wird sie zu einem Innovationszentrum für die Mobilität von Morgen“, freut sich Wirtschaftsminister Martin Dulig. Dresdens Oberbürgermeister Hilbert sieht in dem Produktionsstart den „nächsten Meilenstein“ auf dem gemeinsamen Weg, Dresden zur Modellstadt für nachhaltige und integrierte urbane Mobilität zu entwickeln.

Mehr zum Thema Wirtschaft