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Wirtschaft

VW Sachsen soll Volkswagen AG werden

Für die VW-Mitarbeiter in Zwickau, Chemnitz und Dresden gilt bald der Haustarif der VW AG. Auch die Arbeitszeit wird schrittweise angeglichen.

Ein Mitarbeiter im Volkswagenwerk in Zwickau komplettiert einen VW ID.4. Volkswagen produziert im Werk in Zwickau das erste reine Elektro-SUV.
Ein Mitarbeiter im Volkswagenwerk in Zwickau komplettiert einen VW ID.4. Volkswagen produziert im Werk in Zwickau das erste reine Elektro-SUV. © Hendrik Schmidt/dpa (Archiv)

Volkswagen holt seine drei sächsischen Standorte Zwickau, Chemnitz und Dresden in den kommenden Jahren unter das Dach der VW AG. Die rund 10.000 Beschäftigten des größten Autobauers Europas, der in Ostdeutschland bislang die eigenständige Tochter Volkswagen Sachsen GmbH betreibt, profitieren damit künftig auch von einem Wechsel aus dem Flächentarifvertrag der Metall- und Elektrobranche in den VW-Haustarifvertrag. Bis 2027 soll dies komplett umgesetzt sein, hieß es am Mittwoch aus dem Konzern.

Anpassungsbedarf gibt es vor allem bei der Arbeitszeit. Diese ist immer noch höher als in westdeutschen Werken wie Wolfsburg, Hannover, Kassel, Braunschweig, Salzgitter oder Emden. Die IG Metall in Zwickau hätte eine Lösung über den Flächentarifvertrag vorgezogen, erklärte sie 2020. Bei einem ebenfalls am Mittwoch vorgelegten Tarifabschluss im Bezirk Sachsen wurde die Arbeitszeitfrage erneut ausgeklammert.

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VW will nun über drei Stufen die Bedingungen an seinen Standorten voll angleichen. Dabei sollen die Wochenstunden in Ostdeutschland bis 2027 von heute 38 auf 35 sinken. 2022 geht es mit einer Reduktion auf 37 Arbeitsstunden los, 2024 und 2026 folgen weitere Teilabsenkungen. Die Verschmelzung mit der aus Wolfsburg gesteuerten AG soll ein Jahr später vollzogen sein, die Sachsen GmbH dann aufgelöst werden.

Auch Altersvorsorge-Regelungen werden angepasst

Kernmarken-Chef Ralf Brandstätter erklärte, die Mehrkosten infolge kürzerer Arbeitszeiten würden durch "standortbezogene Kompensationsmaßnahmen" aufgefangen. Nähere Details wurden zunächst nicht genannt - gleichzeitig solle die Produktivität aber noch einmal um fast ein Drittel steigen. Die Rede ist von "Flexibilisierung beim Mitarbeitereinsatz, Neuausrichtung der Fertigungsorganisation sowie konsequenten Kostensenkungen durch Synergien mit den Strukturen und Prozessen der Volkswagen AG".

Der sächsische Betriebsratschef Jens Rothe, der 2022 auch als erster Vertreter der ostdeutschen Volkswagen-Standorte in den Aufsichtsrat des Konzerns einziehen soll, meinte, es sei richtig, dass endlich eine Anpassung der Arbeitsbedingungen bei VW komme: "Mehr als 30 Jahre nach der Wende ist dieser Schritt überfällig."

Die neue Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo äußerte sich ähnlich, "gesellschaftspolitisch" sei die Integration längst geboten. Personalvorstand Gunnar Kilian sprach vom "Schließen der Tariflücke". Auch Altersvorsorge- und Urlaubsregelungen sollen angepasst werden.

Management und IG Metall hatten in den vergangenen Monaten über das Thema verhandelt. Im sächsischen Metall-Flächentarif bekommen die rund 180.000 Beschäftigten jetzt auch mehr Geld, müssen dafür vorerst aber weiterhin mehr arbeiten als ihre Kollegen im Westen.

Sachsen-Standorte spielen für VW eine zentrale Rolle

Bei VW soll der jüngst erzielte, eigene Tarifabschluss schon einmal mit "wesentlichen Vereinbarungen" für die Belegschaft in Sachsen übernommen werden. Dazu gehört ein Entgeltplus von 2,3 Prozent ab Januar 2022. Die IG Metall sprach dennoch von einem "Durchbruch bei der Angleichung der Arbeitsbedingungen". Sie will nun auch bei Zulieferern wie ZF und SAS separate Haustarifregeln abschließen.

Für VW spielen die sächsischen Standorte inzwischen eine zentrale Rolle. Zwickau bildete mit dem Produktionsstart der Elektromodelle ID.3 und ID.4 eine Art Vorhut beim Konzernumbau. Die Fabrik wurde als erste auf großvolumige E-Fertigung umgestellt, in den nächsten Jahren folgen Emden und Hannover sowie Werke in China und in den USA.

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VW war in den Wende-Jahren 1989 und 1990 in die traditionsreiche Autoproduktion der Region eingestiegen. In Sachsen liegen etwa die Wurzeln der heutigen Oberklasse-Tochter Audi, zu DDR-Zeiten entstand hier im VEB Sachsenring auch der Trabant. Zunächst beteiligte sich VW an einem Joint Venture für Komponenten in Lizenzfertigung. Ab den 90er Jahren wurden dann selbst Modelle wie der Polo oder Golf gebaut. (dpa)

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