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Hightech: Infineon hört bei Globalfoundries genau hin

In Dresdens größter Fabrik fallen manchmal Ventile aus. Damit das nicht zum Stillstand führt, tragen Nachbarfirmen ihre Hochtechnologie zusammen.

In der Dresdner Mikrochipfabrik von Globalfoundries werden Produkte in Transportwagen an der Decke transportiert, und unter dem Reinraum verlaufen Leitungen mit Chemikalien und Wasser.
In der Dresdner Mikrochipfabrik von Globalfoundries werden Produkte in Transportwagen an der Decke transportiert, und unter dem Reinraum verlaufen Leitungen mit Chemikalien und Wasser. © Globalfoundries

Dresden. Leises Rauschen oder verdächtige Vibration? In den Rohren unter der Produktionshalle von Globalfoundries Dresden fließen Chemikalien, aber auch Reinstwasser.

Die Mikrochipfabrik nutzt dafür Filter, Osmosetechnologien und Wärmetauscher, aber natürlich auch Ventile. Die sollen möglichst nicht ausfallen, denn eine Produktionsunterbrechung wäre teuer.

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Mit dem Reinstwasser werden die Siliziumscheiben in der Produktion von Chemikalienresten befreit. Um eine vorausschauende Wartung möglich zu machen, hat sich Globalfoundries mit anderen Technologiefirmen aus Sachsen zusammengetan – auch mit Infineon, der zweitgrößten Chipfabrik im Land.

Das Ergebnis: eine digitale Zustandskontrolle für Ventile, zu der auch ein Mikrofon-Sensor von Infineon und ein Beschleunigungssensor des Fraunhofer-Instituts für Elektronische Nanosysteme beitragen. Die Technik erfasst Vibrationen.

Techniker erkennen per Smartphone auffälliges Geräusch

Was sich für den Laien nach sehr viel Technik-Aufwand anhört, war für die beteiligten Firmen zugleich ein Versuchsfeld zur Zusammenarbeit. Die Experten für Hard- und Software aus mehreren Betrieben bekamen drei Monate Zeit, das Problem zu lösen.

Das Smart Systems Hub in Dresden brachte die Firmen zusammen. Das ist eine Vernetzungsstelle, an der auch der Branchenverband Silicon Saxony beteiligt ist. Bei einer Videokonferenz am Dienstag stellten die Partner ihre Ergebnisse vor.

Die Lösung helfe den Wartungstechnikern, sagte Alexander Kirstan, der als Facilities Manager bei Globalfoundries für die Technik-Anschlüsse zuständig ist. Auf dem Smartphone können sie jetzt erkennen, dass ein Ventil merkwürdige Geräusche macht. So lassen sich Wartungsintervalle planen.

Ausfallwahrscheinlichkeit als bunte Grafik

Die Technik soll nun auch den Globalfoundries-Fabriken in den USA und Asien vorgestellt werden. Dabei dürfte helfen, dass enthaltene Mikrochips in Dresden mit der 22FDX-Technologie dieses Herstellers produziert werden.

Hardware kommt auch vom Sensorik-Hersteller Sensry. Ingenieur Florian Nebe berichtete, dass die Sensorplattform Ganymed eingesetzt wird - Ergebnis einer EU-geförderten Zusammenarbeit von Globalfoundries mit mehreren Fraunhofer-Instituten. Auf Nachfrage sagte er, dass auch eine Schaltung für Batteriebetrieb entwickelt werde.

Das Dresdner Startup-Unternehmen Coderitter sowie T-Systems MMS trugen dazu bei, die gemessenen Daten zu verarbeiten und die Schadensschätzung übersichtlich anzuzeigen. Die Techniker können in Tabellen und farbigen Grafiken die Ausfallwahrscheinlichkeit ablesen.

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Coderitter-Managerin Fatlinda Nikqi sagte, die Testumgebung sei für Entwickler ideal gewesen: Alle Funktionen ließen sich einzeln ansteuern, an sehr vielen Datenpunkten konnte gemessen werden. Die Coderitter planen nun Workshops mit Globalfoundries und mit Infineon.

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