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X-Fab fährt Dresdner Mikrochipfabrik hoch

Die Nachfrage nach Elektronik für Autos und Medizintechnik steigt. Das spürt auch Sachsens drittgrößte Chipfabrik.

Die Dresdner Mikrochipfabrik des Konzerns X-Fab arbeitet hauptsächlich für Zulieferer der Autoindustrie. Sie soll nun mehr leisten, denn weltweit ist die Chip-Nachfrage gestiegen.
Die Dresdner Mikrochipfabrik des Konzerns X-Fab arbeitet hauptsächlich für Zulieferer der Autoindustrie. Sie soll nun mehr leisten, denn weltweit ist die Chip-Nachfrage gestiegen. © Thomas Kretschel

Dresden. Noch ein Rekordwert bei neuen Aufträgen: Der Erfurter Mikrochip-Konzern X-Fab mit Fabrik in Dresden hat im vergangenen Quartal Bestellungen im Wert von umgerechnet 157 Millionen Euro bekommen. Zum Teil wurde damit die vorher schwache Auftragslage ausgeglichen, teilte Konzernchef Rudi De Winter mit. Alle Fabriken von X-Fab sollen nun den Ausstoß erhöhen.

Dazu gehört auch das Werk des ehemaligen ZMD Zentrum Mikroelektronik Dresden mit rund 450 Beschäftigten im Dresdner Norden, das im Jahr 2007 an X-Fab verkauft wurde. Es ist Dresdens drittgrößte Mikrochipfabrik nach denen von Globalfoundries und Infineon, dazu soll in diesem Jahr eine neue Fabrik von Bosch nahe dem Flughafen die Produktion aufnehmen.

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Der Chip-Hersteller X-Fab hat insgesamt 3.800 Beschäftigte, auch in Malaysia und in den USA. De Winter sagte, er freue sich sehr, „dass die Nachfrage zurück ist“. Das Geschäft mit der Automobilbranche habe „deutlich an Fahrt aufgenommen“. Für sie liefert X-Fab beispielsweise Mikrochips mit Sensoren, die analoge und digitale Signale verarbeiten. So etwas steckt etwa im Reifendruckmesser.

Im Corona-Jahr wenig investiert

Die fortschreitende Elektrifizierung von Autos soll zum Umsatzwachstum bei X-Fab beitragen – das erwartet auch Infineon-Chef Reinhard Ploss für die Fabriken seines Konzerns. Ploss hatte kürzlich eingeräumt, die Branche könne derzeit nicht alle Aufträge erfüllen, die Nachfrage sei rasch gestiegen. Auch Infineon fährt die Produktion hoch.

Bei X-Fab ist der Konzernumsatz im vergangenen Geschäftsjahr um sechs Prozent gesunken, auf umgerechnet 394 Millionen Euro. Für das neue Jahr erwartet De Winter einen Zuwachs auf 462 bis 478 Millionen Euro Umsatz. Ein Auf und Ab ist in der Chipbranche üblich, sie ist stark abhängig von der Konjunktur.

2019 begann X-Fab ein Kostensenkungsprogramm als Reaktion auf die Krise des Automobilmarktes. Das wurde laut De Winter in der Corona-Pandemie noch verstärkt. Gespart wurde am Personal, an Reisen, Elektrizität und Rohmaterial. Im Sommer war die Produktion zeitweise stillgelegt worden. Auch das Investitionsniveau sei niedrig gewesen, teilte der Konzernchef mit.

Nun würden alle Produktionskapazitäten hochgefahren. Erfreut zeigte sich De Winter über das Geschäft mit Medizinprodukten, auch wenn sie nur einen kleinen Teil am Umsatz von X-Fab ausmachen. Gestiegen sei in der Pandemie die Nachfrage nach Labor-Chips für medizinische Tests mit hohem Durchsatz. Daraus könne ein langfristiger Wachstumsmotor für X-Fab werden.

Ehemaliger Dresden-Chef Drescher befördert

Der Konzern will versuchen, weniger abhängig von Wechselkursschwankungen zu werden und mehr Geschäfte in Euro statt in Dollar zu machen. De Winter berichtete, dass an der börsennotierten Aktiengesellschaft X-Fab auch eine regierungsnahe Technologie-Holding in Malaysia beteiligt ist. Sie habe im Jahr 2013 Fördermittel von umgerechnet bis zu 59 Millionen Euro für Forschung und Entwicklung am Standort Sarawak bewilligt. Etwa die Hälfte dieses Betrages werde nicht mehr fließen, darauf habe man sich geeinigt.

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De Winter berichtete, dass der ehemalige Geschäftsführer des Dresdner Werks befördert wurde: Dirk Drescher folgt als Vice President Operations auf Manfred Riemer, der in den Ruhestand geht. Der 55-jährige Drescher war von 2016 bis September 2019 Standortleiter in Dresden, dann Chef von X-Fab Frankreich. Sein Nachfolger als Geschäftsführer in Dresden ist der 38-jährige Rico Tillner, der dort zuvor bereits Prokurist war.

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