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Wirtschaft

Gründer bekämpfen den Fahrradklau

Zwei Chemnitzer bringen ein neues Produkt auf den Markt, das vielen Fahrradbesitzern die Angst vor Diebstahl nehmen kann.

Patrick Rabe (rechts) und Steve Winter vor ihrem ersten Fahrrad-Container in Chemnitz.
Patrick Rabe (rechts) und Steve Winter vor ihrem ersten Fahrrad-Container in Chemnitz. © Andreas Kretschel

Von Christoph Ulrich

Der Diebstahl von Fahrrädern ist die häufigste Straftat in Sachsen. Im vergangenen Jahr wurden im Freistaat 21.021 Fahrräder entwendet. Die wenigsten tauchen wieder auf und finden den Weg zurück zu ihrem Besitzer. Steve Winter, angehender Wirtschaftsingenieur an der Hochschule Mittweida, kennt das Gefühl, wenn das Fahrrad plötzlich weg ist, geklaut und nicht mehr auffindbar. Dem 28-Jährigen ist sein teures Bike auf diese Weise abhandengekommen. Der Diebstahl brachte ihn und seinen Studienkollegen Patrick Rabe (27) auf ihre Geschäftsidee. Zusammen mit dem Wirtschaftsingenieur Rabe wurde die Idee geboren, einen sicheren Unterstand für Fahrräder zu entwickeln. Das ist inzwischen dreieinhalb Jahre her.

„Wir haben durch die Corona-Pandemie viel Zeit verloren, aber wir sind für das kommende Jahr zuversichtlich, den Durchbruch zu schaffen“, sagte Steve Winter. In den letzten Monaten seien viele Menschen in Deutschland aufs Fahrrad umgestiegen, deshalb steige auch der Druck. sichere Parkplätze für die teuren Zweiräder anzubieten. Mit Hochdruck arbeiten die beiden daran, ihre abschließbare Abstellanlage für Fahrräder mit dem Namen „Velobrix“ in die Serienfertigung zu bringen. „Wir sind auch kurz vor dem Abschluss der notwendigen Zertifizierung“, versicherte Winter. Den Einbruchtest hat der „Velobrix“ schon vor längerer Zeit bereits bestanden.

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Diebstahl ausgeschlossen!

Für den Start ihres Projekts nutzten sie ein Gründerstipendium. Dann gründeten die beiden jungen Sachsen in Chemnitz die Start-up-Firma RWC factory GmbH und bezogen ein Büro im Chemnitzer Technologiezentrum TCC. Um ihr System zu testen, wurde mit dem Verkehrsverbund Oberelbe ein Pilotprojekt vereinbart. Mehrere Monate stand der erste „Velobrix“ für 16 Fahrräder auf dem Bahnhofsvorplatz von Coswig (Landkreis Meißen). „Wir wollten wissen, wie sich unsere Anlage bei Wind und Wetter verhält, um die Kinderkrankheiten auszumerzen“, erklärte Rabe die Vorgehensweise.

Patrick Rabe (rechts) und Steve Winter von der Firma RWC Factory.
Patrick Rabe (rechts) und Steve Winter von der Firma RWC Factory. © Andreas Kretschel

Den Wirtschaftsingenieuren ging es vor allem darum, ein einfaches, robustes und leicht zu bedienendes Abstellsystem zu schaffen, das den Diebstahl der Fahrräder weitgehend ausschließt. Als Grundmodul entschieden sie sich für umgebaute Schiffscontainer, die in Hamburg erworben werden können. Die Container sind auch für eine temporäre Nutzung geeignet und können beispielsweise für den Einsatz bei Festivals eingesetzt werden. Der Container kann auf einen Lkw verladen und auch wieder abtransportiert werden.

In dem „Velobrix“ ist Platz für insgesamt 16 Fahrräder auf zwei Ebenen. Die Nutzer benötigen keine Registrierung, sondern können über ein Touchscreen mit ihrer Girocard die Fahrradbox öffnen. Das Fahrrad wird mit dem Hinterrad zuerst in die Box geschoben und dann die Luke verschlossen.

Platz für Taschen und eine Steckdose

Die Box ist so groß, dass auch Fahrradtaschen oder der Helm Platz finden. Für E-Bikes gibt es eine 230-Volt-Steckdose. Weil die Fahrradabstellanlage mit einem innovativem Schienensystem ausgestattet wird, ist auch das Parken in der oberen Etage kein Problem. Mit Dämpfern wird die Abwärts- und Aufwärtsbewegung jeweils unterstützt.

Weil nicht überall gleich 16 Fahrräder untergebracht werden müssen, wurde auch eine Einzelbox, die „Velobrix M“, entwickelt. Sie soll eine platzsparende Lösung zur Verstauung von zwei Fahrrädern und Fahrradequipment sein. Die Boxen können einzeln, in Reihe und doppelstöckig angeordnet werden. Durch die modulare Bauweise können bis zu 32 Einzelboxen zu einem System zusammengefasst werden. Somit finden bis zu 64 Fahrräder Schutz.

Wird der Bedarf steigen?

Um ihr Geschäft in Gang zu bringen, hatten sich die beiden Gründer professionelle Hilfe in ihr Start-up geholt. So hat der Chemnitzer Unternehmer und Investor Erwin Trageser sich von der Idee der beiden Wirtschaftsingenieure überzeugen lassen. Er hat sich an der Firma beteiligt und Startkapital zur Verfügung gestellt.

Zudem ist die Chemnitzer Beraterin Doris Schaller mit im Boot, die sich mit ihrer Unternehmensberatung auch auf Start-ups spezialisiert hat. Umgebaut und ausgestattet werden die Schiffscontainer im Chemnitzer Metallbauunternehmen Gerd Weißbach GmbH, einem mittelständischen Unternehmen mit über hundertjähriger Firmengeschichte und mehr als 30 Beschäftigten.

Dass ihr Konzept Zukunft hat, davon sind die beiden Gründer fest überzeugt. Sie gehen davon aus, dass der Bedarf für sichere Stellplätze steigt, weil die Fahrräder durch den Trend zum E-Bike immer wertvoller werden und die Verbindung von Fahrrad und Öffentlichem Nahverkehr wichtiger wird, auch weil solche Schnittstellen von der EU gefördert werden. „Wir haben schon zahlreiche Anfragen von Kommunen und Verkehrsbetrieben“, sagte Rabe. Auch erste Aufträge konnte das junge Unternehmen an Land ziehen. So werden bald in Chemnitz am Carlowitz-Kongresszentrum acht der „Velobrix M“-Boxen stehen, die unkompliziert mit der EC-Karte genutzt werden können.

Im MDR-Sachsenspiegel können Sie am Freitag, 19 Uhr, ein Porträt der Firma Graichen Bau und Möbelwerkstätten aus Frohburg sehen. Auch dieses Unternehmen wurde für den Preis „Sachsens Unternehmer des Jahres“ nominiert.

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