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Wirtschaft

Bahn will GDL-Streiks in den Ferien abwenden

Die Lokführer-Gewerkschaft entscheidet am Dienstag, ob sie in den Ausstand tritt. Der Konzern befürchtet eine Eskalation.

Steht der Zugverkehr bald still? Bei der Urabstimmung über Streiks erwartet die GDL ein eindeutiges Ergebnis.
Steht der Zugverkehr bald still? Bei der Urabstimmung über Streiks erwartet die GDL ein eindeutiges Ergebnis. © Hendrik Schmidt/dpa (Symbolbild)

Dresden. Kurz bevor die Lokführergewerkschaft am Dienstag das Ergebnis ihrer Urabstimmung bekannt geben will, hat die Deutsche Bahn (DB) an die GDL appelliert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Personalchef Martin Seiler geht aber „mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer weiteren Eskalation“ aus.

„Das ist keine Tarifrunde wie jede andere“, betont Seiler mit Blick auf „enorme Corona-Schäden“ und die jüngste Flut. Der Konzern rechne 2021 mit einem operativen Verlust von zwei Milliarden Euro. GDL-Chef Claus Weselsky sieht die Hauptursachen in „weltweiten Einkaufstouren, unrentablen Prestigeobjekten, einem aufgeblähten Wasserkopf und einem jahrzehntelang vernachlässigten Schienensystem“.

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Gerade jetzt, wo die Kunden langsam wieder zurückkämen, solle es Streiks geben, warnt Vorstand Seiler. „Diesen Streik braucht jetzt niemand, und es gibt auch null Notwendigkeit“, so der Manager.

Die DB hatte der GDL Anfang Juli ein neues Angebot vorgelegt – u. a. mit zusätzlichen Mobilitätsleistungen für Mitarbeitende, verbesserter betrieblicher Altersvorsorge, erweitertem Kündigungsschutz, Fortsetzung der Einstellungs- und Qualifizierungsoffensive. Ferner bot sie vorgezogene Lohnerhöhungen an: 1,5 Prozent per 1. Januar 2022 und 1,7 Prozent zum 1. März 2023 mit einer Laufzeit von 40 Monaten.

Gibt sich kämpferisch: Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL
Gibt sich kämpferisch: Claus Weselsky, Vorsitzender der Lokführergewerkschaft GDL © dpa/Annette Riedl

Die Gewerkschaft lehnte ab und nannte die Offerte „eines von vielen Beispielen für das vorsätzliche Verschweigen und Verdrehen von Tatsachen durch den Arbeitgeber“. Nach GDL-Rechnung liegt das Angebot „noch unter der Einigungsempfehlung aus der Schlichtung 2020“, die sie bereits abgelehnt hatte. Von der öffentlich postulierten Erweiterung gebe es keine Spur.

Die Fronten sind verhärtet – auch in Sachen Tarifeinheit. Das entsprechende Gesetz wird seit Januar bei der Bahn erstmals in Deutschland angewendet. Danach gilt in einem Betrieb nur noch der Tarifvertrag der dort mitgliederstärksten Gewerkschaft. Im Bahnkonzern kollidieren in 71 der rund 300 Betriebe Verträge von GDL und der mit ihr verfeindeten EVG. Der Konzern billigt der Lokführervertretung aber nur bei 16 Adressen die Mehrheit zu – ohne juristische Belege. Die GDL will auch für andere Berufsgruppen verhandeln und hatte im Herbst eine Werbeoffensive angekündigt.

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Seit Mitte Juni liegen Vorschläge der Bahn auf dem Tisch, wie die Situation nachhaltig befriedet werden könnte. Seiler regte moderierte Gespräche „über ein geordnetes Miteinander“ an. „Es ist falsch, dass wir die Existenz der GDL bedrohen, sie bleibt unser Tarifpartner“, unterstreicht der Bahnvorstand. Ziel sei ein Fahrplan, wie Tarifeinheit bzw. Tarifpluralität in den Betrieben der DB vereinbart werden kann. Nichtorganisierte Beschäftigte dürften sich dann für einen der Verträge entscheiden.

Laut Bundesverfassungsgericht können Tarifpartner eine abweichende gemeinsame Regelung treffen. Das haben beide Gewerkschaften bislang ausgeschlagen.

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