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Wirtschaft

So verlief der erste Streik-Tag bei der Bahn

Bundesweit fährt wegen des Streiks der GDL nur ein Viertel aller Züge. Auch in Sachsen sind die Folgen weitreichend. Und weitere Streiks sind möglich.

Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL für Mittwoch und Donnerstag zum Streik aufgerufen.
Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn hat die Lokführergewerkschaft GDL für Mittwoch und Donnerstag zum Streik aufgerufen. © Frank Rumpenhorst / dpa (Symbolbild)

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) setzt ihren Streik bei der Deutschen Bahn konsequent fort. Nachdem der Ausstand am Mittwoch erhebliche Probleme im Nah- und Fernverkehr verursacht hat, rechnet die Bahn auch bis zum angekündigten Streikende in der Nacht zum Freitag mit zahlreichen Zugausfällen. Auf Pendler und Touristen kommen daher auch am Donnerstag Probleme zu. Nach dem Ersatzfahrplan werden erneut drei Viertel der Fernzüge nicht fahren, während es in den Regio-Netzen zu unterschiedlich Störungen kommen soll. Die Bahn setzt nach eigenen Angaben alles daran, am Freitag wieder den Regelbetrieb zu fahren.

GDL-Chef Claus Weselsky drohte mit weiteren Streiks. Man werde mit der ersten Maßnahme nicht durchkommen, sagte er vor Gewerkschaftern in Berlin. "Von daher brauchen wir einen langen Atem." Insbesondere die von der Bahn vorgeschlagene lange Laufzeit von 40 Monaten müsse vom Tisch. Zu seinen Gefolgsleuten sagte Weselsky: "Ich verspreche Euch nicht, dass es am Freitag schon vorbei ist. Aber wir gehen sorgsam mit unserer Tarifmacht um." Eine Entscheidung über weitere Arbeitskampfmaßnahmen soll in der kommenden Woche fallen.

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Zusätzliche Sorgen bereitet in Corona-Zeiten der Platzmangel in den wenigen verbliebenen Zügen. "Die Züge werden dadurch natürlich voller als sie es sonst sind. Das macht die Sache nicht gerade leichter, denn wir versuchen ja in Pandemiezeiten möglichst viel Abstand zu bieten", sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Er kritisierte die GDL für die kurzfristige Streikankündigung. "Das ist unverantwortlich von der Lokführergewerkschaft, nur 15 Stunden Zeit zu lassen zwischen Streikankündigung und Streikbeginn."

Laut Bahn gefährdet der Streik auch die Lieferketten der deutschen und europäischen Industrie. Momentan stünden rund 190 Güterzüge im Stau, berichtete das Staatsunternehmen. Mit großem Aufwand und enger Zusammenarbeit mit anderen Bahnbetrieben fahre die Güterverkehrs-Tochter DB Cargo die versorgungsrelevanten Züge etwa zu Kraftwerken oder großen Industriebetrieben.

Chaos in Sachsen bleibt bislang aus

Der Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn zwingt seit Mittwoch Tausende zum Improvisieren. Zwar ist der Ersatzfahrplan nach Bahn-Angaben stabil, doch im Fernverkehr sind drei Viertel der Fahrten gestrichen. Auch im Regionalverkehr und bei der S-Bahn müssen Fahrgäste erhebliche Einschränkungen hinnehmen.

So auch in Sachsen. Zu Beeinträchtigungen in Sachsen kam es unter anderem auf den S-Bahn-Linien 2, 3, 4 und 5 in und um Leipzig und auf den S-Bahn-Linien 1 und 3 in und um Dresden. Betroffen sind außerdem der Regionalzug RE 1 zwischen Glauchau und Göttingen sowie die Regiozüge RE 13 und RE 50 zwischen Leipzig und Magdeburg beziehungsweise Leipzig und Dresden. Ein Chaos wegen dem Lokführerstreik sei bisher aber ausgeblieben, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Mittag.

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Weitere Streiks sind möglich

Je nach Streiklage kann es laut dem Bahnsprecher auch zu weiteren Beeinträchtigungen kommen. "Die DB kann nicht garantieren, dass alle Reisenden heute wie gewünscht an ihr Ziel kommen", hieß es. Fahrgäste sollten ihre Reisen darum möglichst verschieben oder sich immer aktuell über den Fahrplan informieren.

Der Streik soll in der Nacht zum Freitag enden. Wer nicht zwingend muss, sollte bis dahin nicht Zug fahren, rät die Bahn. "Wir setzen alles daran, damit wir am Freitag wieder im Regelbetrieb fahren können."

Preise für die Flug- und Bustickets steigen

Viele Reisende hatten die GDL-Ankündigung vom Dienstagvormittag mitbekommen und stiegen auf andere Verkehrsmittel um. Wegen des Passagierandrangs setzt die Lufthansa bis einschließlich Freitag größere Flugzeugtypen auf ihren innerdeutschen Flügen ein, wie eine Sprecherin berichtete. Der Fernbus-Anbieter Flixbus verzeichnet nach eigenen Angaben im Vergleich zur Vorwoche eine um etwa 70 Prozent höhere Nachfrage. Die Fernzüge der Marke Flixtrain würden um rund 30 Prozent mehr gebucht.

Bei einer erhöhten Nachfrage steigen auch die Preise für die Einzeltickets. Flixbus und Lufthansa arbeiten mit automatisierten Buchungssystemen, die automatisch höhere und teurere Buchungsklassen aufmachen, wenn die Plätze knapp werden. Ungewöhnlich lange Staus gab es im Berufsverkehr nicht. In der Mehrzahl der Bundesländer sind Schulferien.

Dafür waren auch viele Urlauber betroffen. So fielen Fahrten der Konzerntochter Usedomer Bäderbahn ersatzlos aus. Züge zwischen der Ferieninsel Sylt und dem Festland waren am frühen Morgen voll - Abstand halten unmöglich, wie es von einer Pendlerinitiative hieß.

Auf die Ersatzfahrpläne der Deutschen Bahn ist während des Streiks nach Unternehmensangaben Verlass. "Trotz der kurzfristigen Ankündigung ist es gelungen, die Ersatzfahrpläne im Fern- und Nahverkehr stabil umzusetzen", teilte sie mit. Auf manchen Strecken waren auch Busse statt Züge im Einsatz, etwa zwischen Leipzig und Nürnberg.

Ein Streikschwerpunkt liegt in den östlichen Bundesländern. Dort ist die GDL traditionell schlagkräftiger, weil im Westen ein Teil der Mitglieder noch Beamte aus Bundesbahn-Zeiten sind und nicht streiken dürfen.

Auf vielen wichtigen Regionalverbindungen wie zwischen Berlin und Magdeburg gebe es ein Grundangebot, teilte die Bahn mit. Bei großen S-Bahnen wie in Berlin und München laufe ein stabiler Ersatzfahrplan. In Frankfurt und Stuttgart kam auf vielen Strecken nur etwa jede Stunde eine S-Bahn. Teils gab es Busersatzverkehr.

Die Bahn zeigt sich verhandlungsbereit

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. Sie haben im Regional- und Güterverkehr beträchtliche Marktanteile. Allerdings sind auch bei ihnen Einschränkungen möglich, wenn sich auch Fahrdienstleiter dem GDL-Streik anschließen. Im Güterverkehr sei bei Bahnkonkurrenten am Mittwoch aber alles normal gelaufen, hieß es vom Netzwerk Europäischer Eisenbahnen.

Weselsky bekräftigte die Forderung an den Staatskonzern, ein neues Angebot vorzulegen. Die Offerte mit einer Laufzeit von 40 Monaten bedeute eine Entwertung des Tarifs über die Länge der Laufzeit von unter einem Prozent im Jahr. "Das ist für uns nicht verhandelbar", sagte Weselsky. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler warf der Gewerkschaft einen überzogenen Streik vor und zeigte sich zugleich verhandlungsbereit.

Streit um mehr Lohn und Betriebsrenten

Die Lokführergewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn. Anders als die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) will sie in diesem Jahr keine Nullrunde bei den Gehältern akzeptieren. So will die GDL bei den Mitarbeitern im Machtkampf mit der EVG punkten.

Die GDL fordert Lohnerhöhungen wie im öffentlichen Dienst von rund 3,2 Prozent sowie eine Corona-Prämie von 600 Euro im laufenden Jahr. "Wir erwarten Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit", sagte Weselsky. Die Laufzeit des Tarifvertrags soll 28 Monate betragen. Auch um Betriebsrenten wird gerungen. Wegen Milliardenverlusten in der Pandemie will die Bahn die Erhöhung auf spätere Stufenzeitpunkte verteilen, bei einer Vertragslaufzeit von 40 Monaten. Hinzu kämen Leistungen zur Altersvorsorge und der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen.

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