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Bahn-Chef: 2025 keine Streichungen im Fernverkehrsangebot

Ein Brief der Bahn über mögliche Angebotskürzungen im Fernverkehr sorgte vergangene Woche für Unruhe. Die Bahn versucht zu beruhigen.

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Bei der Deutschen Bahn drohen wegen stark steigender Trassenpreise teurere Tickets und weniger Verbindungen. Besonders IC-Linien könnten betroffen sein.
Bei der Deutschen Bahn drohen wegen stark steigender Trassenpreise teurere Tickets und weniger Verbindungen. Besonders IC-Linien könnten betroffen sein. © Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Berlin. Bahn-Chef Richard Lutz betont nach der Aufregung über das künftige Fernverkehrsangebot, dass für das kommende Jahr keine Streichungen geplant sind. "Unsere Planungen für den Fahrplan 2025, die im April abgeschlossen wurden, sehen keine Kürzungen vor", schreibt Lutz in einem Brief an die Landesgruppe Ost der SPD-Bundestagsfraktion. Der Brief liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. "Wir wollen den vollen Fahrplan 2025 fahren", untermauert ein DB-Sprecher auf Anfrage.

In dem Schreiben zeigt Lutz Verständnis für die Verunsicherung der Abgeordneten nach den Medienberichten der vergangenen Woche. "Entgegen den Behauptungen im "Spiegel" haben wir derzeit keine Pläne bzw. Beschlüsse zur Streichung der genannten Fernverkehrsverbindungen", schreibt Lutz.

"Spiegel"-Bericht

Der "Spiegel" hatte vergangene Woche über eine Liste an Fernverkehrsverbindungen berichtet, die ausgedünnt oder gestrichen werden könnten. Davon sei vor allem Ostdeutschland betroffen, hieß es. Das Magazin bezog sich dabei auf ein Schreiben der Bahn an die Bundesnetzagentur von Anfang Februar.

Komplett gestrichen werden sollten demnach diese Verbindungen:

  • Intercity 61 (Karlsruhe - Stuttgart - Aalen - Crailsheim - Nürnberg - Leipzig)
  • Intercity 51 (Gera – Weimar – Erfurt – Gotha – Kassel – Dortmund – Köln)
  • Intercity 34 (Norddeich Mole – Münster – Dortmund – Siegen – Frankfurt)

Darüber hinaus soll laut Bericht das Angebot an ICE-Zügen nach Stralsund an der Ostsee in der Nebensaison stark reduziert werden. Zur Diskussion habe auch ein Ende der Intercity-Verbindung von Dresden nach Rostock gestanden. Dieses habe jedoch durch politischen Druck gestoppt werden können, hieß es. Bei den Verbindungen handele es sich um die am schwächsten ausgelasteten Züge der Deutschen Bahn.

Auslöser der Debatte: Die Trassenpreise

Hintergrund der Kürzungsdebatte sind die Trassenpreise, die von der DB-Infrastrukturgesellschaft DB Infrago erhoben werden. Alle Unternehmen, die die Infrastruktur der Bahn nutzen, müssen sie zahlen, auch die Verkehrsunternehmen der Bahn selbst. Die Bundesnetzagentur genehmigte kürzlich eine deutliche Erhöhung der Trassenpreise für 2025. Grund für die hohe Steigerung sind laut der Infrago höhere Personal- und Materialkosten der vergangenen Jahre. Für 2025 erhöhen sich die Trassenpreise für den Fernverkehr nach aktuellem Stand um 17,7 Prozent. Es gibt aber Klagen dagegen, zudem hat der Bund Hilfe über eine Trassenpreisförderung in Aussicht gestellt.

Lutz schreibt an die SPD-Abgeordneten, dass das vom "Spiegel" erwähnte Schreiben eine schriftliche Stellungnahme der Bahn an die Bundesnetzagentur gewesen sei. Diese hatte laut Lutz die Bahn gebeten, die wirtschaftlichen Effekte der angedachten Trassenpreissteigerung zu erläutern. "In diesem Schreiben ist in keiner Weise von möglichen, einseitig auf Ostdeutschland bezogenen Maßnahmen die Rede", schreibt Lutz den Abgeordneten.

Sachsens Verkehrsminister kennt keine Kürzungspläne

Auch Sachsens Verkehrsministerium waren "keine Pläne der Bahn bekannt, das Angebot im Freistaat zu reduzieren". Besagte Ostsee-Linie unterstütze das Land bereits und auch in den kommenden Jahren mit 2,5 Millionen Euro jährlich, "damit diese nicht nur bestehen bleibt sondern vor allem auch im Kulturhauptstadtjahr nach Chemnitz durchgebunden ist", heißt es. Dies sei vertraglich vereinbart.

"Wir brauchen mehr Fernverkehr auf der Schiene in Ostdeutschland, als weniger", sagt Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) auf Anfrage von Sächsische. de. Vor allem in Sachsen seien viele wichtige Fernverkehrsstrecken nach 1990 nicht ins bundesweite Netz integriert, der Freistaat vergessen worden. Wenn man den Fehler wiederholen würde, wäre das nicht nachvollziehbar. "Je unattraktiver das Bahnangebot wird, desto weniger Menschen werden sich für die Bahn in den kommenden Jahren entscheiden“, so der Minister.

Bahn räumt Probleme während der EM ein

Aktuell hat die Bahn noch die Herausforderung Europameisterschaft vor der Brust. In den vergangenen Tagen häuften sich Klagen über die Leistung des bundeseigenen Konzerns. "Wir verstehen den Unmut und die Kritik von Fans. Die Bahn bietet aktuell nicht die Qualität, die alle verdient haben", sagte Michael Peterson, im Vorstand für den Fernverkehr zuständig, der "Bild".

Seit Turnierbeginn seien fünf Millionen Reisende mit den ICE und IC gefahren. Peterson dankte für Geduld und Umsicht der Kunden, wenn es mal nicht laufe wie geplant. Gut für die Bahn: Zwei Drittel der Spiele sind bereits absolviert. (dpa mit SZ/mr)

Bei der Bahn drohen höhere Ticketpreise

Statt mehr Zugverkehr drohen bei der Deutschen Bahn künftig höhere Ticketpreise. "Wenn die Erhöhung in der angekündigten Größenordnung, die deutlich über dem durchschnittlichen inflationsbedingten Kostenanstieg liegt, direkt an die DB Fernverkehr AG weitergegeben würde, dann sind Angebotsreduktionen und auch eine Erhöhung der Ticketpreise unumgänglich", sagte ein Bahn-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Berlin. "Konkret bedeutet dies, dass für die DB Fernverkehr AG schlecht ausgelastete Züge nicht mehr tragbar wären und das Angebot entsprechend reduziert werden muss." (dpa mit SZ/mr)