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„Die Straße ist zur Rennpiste verkommen!“

Anwohner der Görlitzer Straße in Krauschwitz kämpfen seit Jahren für Verkehrsentlastungen. Nun gibt es erste Erfolge.

Peter Vater (re.) ist froh, dass Bürgerpolizist Thomas Bergner (Mi.) und sein Kollege Steffen Kittner auf die Beschwerden der Krauschwitzer Anwohner reagieren. Doch er wünscht eine Problemlösung.
Foto: Sabine Larbig
Peter Vater (re.) ist froh, dass Bürgerpolizist Thomas Bergner (Mi.) und sein Kollege Steffen Kittner auf die Beschwerden der Krauschwitzer Anwohner reagieren. Doch er wünscht eine Problemlösung. Foto: Sabine Larbig © Sabine Larbig

Wer in Krauschwitz an der Ortsdurchfahrt wohnt, muss täglich und fast rund um die Uhr mit Lärm und Abgasen vom Straßenverkehr leben. Von Sicherheit für Fußgänger ganz zu schweigen. Denn jeden Tag passieren Tausende ein- und ausfahrende Fahrzeuge die Geschwister-Scholl- und Görlitzer Straße. Viele fahren nicht das innerorts vorgeschriebene Tempo von 50 km/h.

„Die Straße ist zur Rennpiste verkommen. Autofahrer hupen nur, wenn Leute die Straße überqueren wollen oder Radfahrer unterwegs sind, statt langsamer zu fahren“, sagt Brunhilde Szczerbati, die in der Görlitzer Straße wohnt. Auch Nachbar Peter Vater kennt das. „Ich wohne seit 60 Jahren hier. Aber so viel Verkehr wie jetzt war nie. Wir leben gefährlich.“ Dies gelte, sagt er, ebenfalls für Spaziergänger, Einkäufer, mit dem Schulbus fahrende Kinder sowie Bewohner, Besucher und Mitarbeiter von Seniorenresidenz, Spielplatz im alten Just-Stadion und Erlebniswelt Krauschwitz. „Es ist fast unmöglich, die Straße zu überqueren, oder man muss ewig warten, weil Auto an Auto ist und keins hält. Selbst nicht für Senioren mit Rollator oder Elektrorollstuhl, wie ich ihn habe“, kritisiert Vater.

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Mitarbeiter der Firma Verkehrsservice und Transport Poßögel GmbH haben bereits die nötigen Vorarbeiten für eine Reaktivierung des Blitzers in der Krauschwitzer Geschwister-Scholl-Straße geleistet.
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Mitarbeiter der Firma Verkehrsservice und Transport Poßögel GmbH haben bereits die nötigen Vorarbeiten für eine Reaktivierung des Blitzers in der Krauschwitzer Geschwister-Scholl-Straße geleistet. Foto: Sabine Larbig © Sabine Larbig
Der Verkehr in der Görlitzer Straße in Krauschwitz steigt stetig. Abgase und Lärm sind ein Problem, Raser ein weiteres, weshalb oft Geschwindigkeitsmessungen erfolgen.
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Der Verkehr in der Görlitzer Straße in Krauschwitz steigt stetig. Abgase und Lärm sind ein Problem, Raser ein weiteres, weshalb oft Geschwindigkeitsmessungen erfolgen. Foto: Sabine Larbig © Sabine Larbig

Warnweste schreckt Temposünder ab

Seit Jahren beschweren sich die Anwohner über die Lage: bei Gemeinde, Räten, Behörden, Polizei. „Schon lange wird uns Verbesserung versprochen. Bisher passierte nichts“, so die Bürger. Sie wandten sich nun an Tageblatt und Bürgerpolizist Thomas Bergner. Der Polizeihauptmeister kennt die Problematik und weiß, dass Polizeirevier Weißwasser und Landkreisbehörde deshalb oft Geschwindigkeitsmessungen machten. Wegen der erneuten Beschwerde führten er und Kollege Steffen Kittner am Mittwoch wieder eine Messung durch. Eine Stunde waren die Polizisten mit mobilem Lasergeschwindigkeitsmessgerät vor Ort. 130 Fahrzeuge passierten da die Straße – nur keine Temposünder.

Bergner weiß, was höchstwahrscheinlich der Grund ist: die grelle Sicherheitsweste des Kollegen, die Kraftfahrer von weitem alarmiert. Doch Weste, Kelle und sogar gut einsehbarer Stellplatz sind für sie und die Messungen mit dem Mobilgerät vorgeschrieben. „Trotzdem war unsere Anwesenheit ein präventiver Erfolg. Sie signalisiert, dass jederzeit mit Kontrollen zu rechnen ist“, begründet Thomas Bergner. Mit seiner Einschätzung hat er recht. Dies zeigt sich, als ein Vater auf ihn zukommt, der seinen Sohn zum Schulbus brachte. Der lobte Messaktion und Polizeipräsenz, forderte sie öfter, da besonders der Lkw-Verkehr für die Kinder sehr gefährlich sei.

Für Peter Vater und Brunhilde Szczerbati sind solche Aktionen gut, aber keine Lösung. Sie wissen, dass Ortsdurchfahrt-Sperren nicht geht und seit 30 Jahren erfolglos um eine Ortsumfahrung von Krauschwitz gekämpft wird. Trotzdem hoffen sie auf Lösungen zur Verkehrsberuhigung. „Hier wohnen ist nicht mehr schön. Man kann weder ruhig schlafen noch lüften. Häuser verlieren Wert. Ich würde nicht mehr herziehen“, bekennt Szczerbati.
Doch schon bald kommt in der Görlitzer Straße etwas Entlastung, wie Tageblatt erfuhr. Zwischen Erlebniswelt und Seniorenresidenz kommt auf etwa 100 Metern Länge eine 30er-Zone. Sie ist Ergebnis von Beschwerden, Bemühungen der Gemeinde, Gesprächen, Messungen, Vor-Ort-Terminen mit Polizei, Landesamt für Verkehr und Landkreis. Ein Ende fand das Ringen um zumindest punktuelle Verbesserung im Juni bei einer Verkehrsschau. Da wurde eine verkehrsrechtliche Anordnung festgelegt, die für den Teilbereich künftig Tempo 30 in der Zeit von 8 bis 19 Uhr besagt.

Oberschul-Blitzer wird reaktiviert

„Nächste Woche werden die Schilder aufgestellt“, weißt Gotthard Gärtner vom Ordnungsamt des Landkreises. Und er hat noch eine gute Nachricht zwecks Verkehrsberuhigung im Ort: „Ab November ist, nach sechs Jahren Pause, der Blitzer vor der Oberschule Krauschwitz wieder aktiv.“

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