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Fahrprüfung dauert künftig länger und wird teurer

Zum Jahresbeginn führt die Dekra ein neues Verfahren ein. Davon sollen auch die gescheiterten Prüflinge profitieren.

55 Minuten schweißnasse Hände: Ab Januar dauert die praktische Fahrprüfung zehn Minuten länger.
55 Minuten schweißnasse Hände: Ab Januar dauert die praktische Fahrprüfung zehn Minuten länger. © Dekra

Wer im nächsten Jahr die Fahrerlaubnisprüfung machen will, muss sich auf diverse Änderungen einstellen. Zum Stichtag am 1. Januar starte ein neues Verfahren, kündigt die Dekra als zuständige Prüfinstitution für Sachsen und die übrigen östlichen Bundesländer an. Die optimierte praktische Fahrerlaubnisprüfung, kurz OPFEP, wird demnach für alle Führerscheinklassen eingeführt. Die Ergebnisse sollen transparenter und objektiver werden. Zugleich dauert die Prüfungsfahrt länger und kostet mehr.

Was genau ändert sich mit dem neuen Prüfungsverfahren?

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Auffälligste Änderung ist ein neues, elektronisches Prüfprotokoll, das die bisher üblichen handschriftlichen Notizen ersetzt. Mit einer eigens entwickelten Software dokumentiert der Prüfer per Tablet, ob und wie der Kandidat unterwegs alle sicherheitsrelevanten Fahraufgaben bewältigt. Die Standards sind bundesweit gleich. Insgesamt gibt es acht Punkte: Ein- und Ausfahren sowie Fahrstreifenwechsel, Kurvenfahren, Vorbeifahren und Überholen, Verhalten an Kreuzungen und Einmündungen, Durchfahren eines Kreisverkehrs, Queren eines Bahnübergangs, Passieren einer Haltestelle oder eines Fußgängerüberwegs sowie geradeaus fahren. Mit wenigen Klicks dokumentiert der Prüfer, ob die Person am Steuer dabei Überdurchschnittliches leistet oder Fehler macht. Verhält sich der Fahranfänger so, wie es von ihm erwartet wird, muss nichts eingetippt werden. „Der Prüfer wird also in seiner Hauptaufgabe, den Bewerber zu beobachten, nicht eingeschränkt“, sagt Andreas Schmidt, Leiter für das Fahrerlaubniswesen bei der Dekra. Um eine umfassende Einschätzung treffen zu können, bewertet der Prüfer außerdem noch fünf „Fahrkompetenzbereiche“. Hier geht es darum, wie der Prüfling den Verkehr beobachtet, wie er das Fahrzeug positioniert, sein Tempo anpasst, mit anderen Verkehrsteilnehmern kommuniziert und seinen fahrbaren Untersatz bedient. All diese Faktoren fließen ins Gesamturteil ein.

Gibt die Software auch schon das Ergebnis der Prüfung vor?

Diese Sorge sei von Kollegen seines Berufsstands vorab geäußert worden, sagt Dieter Quentin von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände. Derartige Vorbehalte seien aber mittlerweile ausgeräumt. „Alle Entscheidungen trifft nach wie der Prüfer. Das Programm unterstützt ihn dabei“, betont Dekra-Fachmann Schmidt.

Wofür soll der technische Aufwand dann gut sein?

Ein Resümee wie „Das war wohl nix. Dann sehen wir uns in 14 Tagen wieder“ soll künftig niemand mehr zu hören bekommen. Der Vorteil des Prüfprotokolls liege darin, dass der Bewerber aus der absolvierten Fahrt mehr lernen könne, so Schmidt. „Zusätzlich zum Gespräch danach gibt es eine aussagekräftige, schriftliche Rückmeldung, was gut war und was nicht.“ Dies gelte unabhängig davon, ob die Prüfung bestanden wurde. Das Detail-Feedback kann entweder verschlüsselt per E-Mail zugestellt oder mittels Zugangscode von einer Webseite heruntergeladen werden.

Wird die praktische Prüfung durch die Reform schwieriger?

Es sei nicht abzusehen, dass sich hier etwas ändern werde, sagt Andreas Schmidt. Laut Dekra-Statistik liegt die Durchfallquote aller Antragsteller in den östlichen Bundesländern und Berlin derzeit bei rund 33 Prozent. In manchen Führerscheinklassen, etwa CE (Lkw) oder A (Motorrad), müsse dagegen oft nur einer von zehn Kandidaten erneut antreten, sagt Roland Krause vom Vorstand der Dekra in Dresden. Fakt ist, dass die Prüfung ab Januar in jeder Klasse zehn Minuten länger dauert als bisher. Dies sei jedoch nicht der Einführung des elektronischen Prüfprotokolls geschuldet, sondern der inhaltlichen und methodischen Weiterentwicklung der Prüfung, sagt Andreas Schmidt. Für den Pkw-Schein (Klasse B) erhöht sich die Mindestfahrdauer von 45 auf 55 Minuten, für Motorradfahrer (Klasse A) von 60 auf 70 Minuten. Künftige Brummifahrer sind künftig 85 Minuten unter Beobachtung unterwegs.

Was kostet die praktische Fahrprüfung?

Mehr als bisher. Das liegt daran, dass sich die bundesweit einheitlichen Gebühren nach Zeit bemessen. Für Autofahrer werden somit künftig 116,93 statt bisher 89,44 Euro fällig, bei Motorradfahrern steigt der Betrag von 118,32 auf 146,56 Euro. Für die Lkw-Fahrprüfung machen zehn Minuten zusätzlich einen Aufschlag von 28,99 Euro aus, damit beträgt die Gebühr ab kommenden Jahr 176,31 Euro. An den Kosten für die theoretischen Prüfungen ändert sich nichts. Wie viel der Führerscheinerwerb insgesamt kostet, hängt von vielen Faktoren ab und unterscheidet sich auch regional teilweise stark. Als groben Rahmen für den Klasse-B-Schein nennt Fahrlehrer-Funktionär Dieter Quentin eine Summe zwischen 2.000 und 3.500 Euro.

Laufen die Fahrerlaubnisprüfungen trotz Corona normal weiter?

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Es gebe Wartezeiten, „aber keinen Stau“, sagt Dekra-Landesstellenleiter Jens Walther. Einzig in der Zeit vom 18. März bis 4. Mai habe es in Sachsen keinerlei theoretische oder praktische Fahrprüfungen gegeben. Positiv hervorzuheben sei, dass sich seit Beginn der Pandemie in Sachsen augenscheinlich weder ein Fahrlehrer noch ein Schüler infiziert habe, so Walther.

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