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Wird es mit dem neuen Busplan besser?

Am öffentlichen Nahverkehr haben viele etwas zu kritisieren. Am unzufriedensten sind wohl Großschönauer und die Bewohner vom Eigen.

Mit den Busanbindungen - hier am Bahnhof in Löbau - sind nicht alle Südkreisbewohner zufrieden.
Mit den Busanbindungen - hier am Bahnhof in Löbau - sind nicht alle Südkreisbewohner zufrieden. ©  Archivfoto: Rafael Sampedro

Alfons Dienel muss schmunzeln, als er die Frage hört: Kann man als Einwohner einer  Gemeinde auf dem Eigen mit den Busanbindungen dort zufrieden sein? Dienel, der selbst im Bernstädter Ortsteil Kemnitz lebt, ist Chef des Kraftverkehrs Dreiländereck (KVG) und kennt die aktuellen Fahrpläne im Schlaf - und er kennt die Lücken. "Der öffentliche Nahverkehr auf dem Eigen ist in den vergangenen Jahren sukzessive zurückgebaut worden - aus Spargründen", erklärt er. Es habe sehr wohl einmal mehr Angebot gegeben. Derzeit sei die Lage so, dass am Wochenende außer einem Rufbus gar nichts fährt.

Dass also die Bewohner der Gemeinden Bernstadt, Schönau-Berzdorf und auch Ostritz beim SZ-Familienkompass bei der Frage nach dem ÖPNV zu 45 Prozent unzufrieden sind, ist für Alfons Dienel absolut nachvollziehbar. Hinzu kommt noch, dass der Busverkehr im Wesentlichen auf den Schülerverkehr ausgerichtet ist und damit in Ferienzeiten noch weniger Fahrmöglichkeiten bestehen. "Kulturveranstaltungen wie in Löbaus Messehalle oder im Görlitzer Theater zu besuchen und den Bus zu nutzen, ist nicht möglich, diese Kritik höre ich oft", sagt Dienel.

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Das wird sich aber ab Januar mit dem neuen Fahrplan im Südkreis deutlich ändern. "Dann fahren auf dem Eigen Busse im Zwei-Stunden-Takt nach Görlitz und auch von Ostritz über Bernstadt nach Löbau - und das auch am Wochenende", zählt Dienel auf. Für den Eigen ist das in der Tat ein Quantensprung. Doch damit der bleibt, braucht es Fahrgäste: Sie werden am Ende entscheiden, ob dieses Angebot dauerhaft besteht oder nicht. "Fünf Jahre wird es aber mindestens brauchen, bis sich so ein neues System etabliert hat", schätzt der KVG-Chef.

Ob der neue Fahrplan auch für Großschönau Verbesserungen bringt, muss sich ebenso erweisen. Die Einwohner dieser Gebirgsgemeinde waren bei der Familienkompass-Befragung sogar noch unzufriedener als die Bewohner des Eigens: Knapp 60 Prozent der Befragten bewertete den ÖPNV als schlecht oder eher schlecht. Verstehen kann das Alfons Dienel nicht so ganz: "Großschönau ist auch im aktuellen Fahrplan gut bedient", schildert er seinen Eindruck. Schon die Linie 1 führt von Zittau über Hainewalde nach Großschönau und Waltersdorf. Zum Teil gibt es für die Ziele im Gebirge bereits aktuell einen Zwei-Stunden-Takt, auch am Wochenende fahren die Linien - wie generell im gesamten Gebirge. Dennoch wünschen sich die Befragten offenbar mehr.

Ob das ab Januar besser wird? Auch hier wird der neue Fahrplan einiges verändern, die reine Anzahl der Verbindungen vor allem nach Zittau wird allerdings etwas geringer werden. Gemessen wird die Rolle im Gesamt-Bus-Netz grundsätzlich an der Zahl der Einwohner. Aber nach wie vor erhalten die Gebirgsgemeinden zusätzlich einen Touristenbonus, der ihnen Vorteile bringt im Vergleich zu anderen Gemeinden vergleichbarer Größe, das hat der Landkreis mehrfach betont. Dennoch hatte es bereits in den vergangenen Monaten Diskussionen um die Schülerbeförderung im Gebirge gegeben - der Kreis hatte daraufhin mit jeder Gemeinde nochmals das Gespräch und nach eigenen Angaben auch in vielen Punkten Lösungen gesucht und gefunden.

Schülerverkehr bleibt wichtig

Dass der Schülerverkehr eine besondere Rolle für die Fahrpläne in den Gemeinden spielt, ist über Jahrzehnte so gewachsen. Doch genau das war gleichzeitig auch die Krux: "Im Grunde hat man über Jahre den Verkehr im Landkreis um den Schülerverkehr drum herum gebaut", skizziert Alfons Dienel. Das ändert sich nun mit dem neuen Plan. Der Schülerverkehr wird in den "normalen" Busverkehr eingebaut, Schulen müssen zum Teil auch ihren Stundenbeginn verschieben".

Ob der neue Fahrplan aufgeht, wird sich zeigen. Im Zittauer Gebirge ist dazu bereits an den Wochenenden ein Test gelaufen. "Größere Beschwerden habe ich in diesem Zusammenhang nicht gehört", sagt Dienel. Inwieweit die Großschönauer - ebenso wie die Oberländer, die ebenfalls eher unzufrieden mit dem aktuellen Angebot sind - vom neuen Fahrplan tatsächlich profitieren, muss sich in der Praxis zeigen. Neue Möglichkeiten und ganz neue Verbindungen, die es so bislang nicht gegeben hat, versprechen die Verkehrsplaner des Landkreises jedenfalls.

Bewertungen Befragte Auf dem Eigen
Bewertungen Befragte Auf dem Eigen © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Ebersbach-Neugersdorf 
Bewertungen Befragte Ebersbach-Neugersdorf  © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Großschönau
Bewertungen Befragte Großschönau © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Oberland (ohne Ebersbach-Neugersdorf)
Bewertungen Befragte Oberland (ohne Ebersbach-Neugersdorf) © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Zittauer Gebirge (ohne Großschönau)
Bewertungen Befragte Zittauer Gebirge (ohne Großschönau) © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Zwischen Löbau und Zittau (Herrnhut, Oderwitz, Mittelherwigsdorf, Kottmar)
Bewertungen Befragte Zwischen Löbau und Zittau (Herrnhut, Oderwitz, Mittelherwigsdorf, Kottmar) © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Löbau
Bewertungen Befragte Löbau © SZ Grafik
Bewertungen Befragte Zittau
Bewertungen Befragte Zittau © SZ Grafik

Versprochen ist zudem ein Beschwerde-Management und Nachsteuerungen, wenn sich dies als nötig erweisen sollte. Auch Alfons Dienel ist hier schon im Gespräch - mit Ministerpräsident Michael Kretschmer. Vor Kurzem hat er dem CDU-Politiker erklärt, wo das neue System Widersprüche hat. "Er stand sehr gut im Stoff und hat Verbesserungen versprochen", sagt Dienel.

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