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Die Bahn hat es selbst angezettelt

Die GDL ruft zum zweiten Streik auf. Niemand weiß, ob es der letzte sein wird. Für Unmut sorgt vor allem der Zeitpunkt. Ein Kommentar.

Der Streik beginnt im Personenverkehr am Montag um 2.00 Uhr und endet am Mittwoch um 2.00 Uhr. Damit bleiben die Züge genauso lang stehen wie beim ersten Streik in der vergangenen Woche.
Der Streik beginnt im Personenverkehr am Montag um 2.00 Uhr und endet am Mittwoch um 2.00 Uhr. Damit bleiben die Züge genauso lang stehen wie beim ersten Streik in der vergangenen Woche. © Carsten Koall/dpa

Für Voreingenommene, und derer gibt es viele, kann das, was die GDL nun in Zweitauflage veranstaltet, nur falsch sein. Claus Weselsky – Ossi, dazu Sachse, aufmüpfig, eitel – ist für sie ein rotes Tuch und fordert schon reflexartig Kontra.

Beim Lokführerstreik 2007 hatte die Bahn noch versucht, das meist verständnisvolle Volk mit Zeitungsanzeigen und gefälschten Leserbriefen zu bekehren. Heute behauptet sie, Lokführer bekämen eine zusätzliche Betriebsrente von 900 Euro – was die GDL prompt widerlegt. Und sie schürt die Wut auf die angeblichen Egoisten nicht mehr ganz so plump wie einst. Statt nur von Streik spricht sie bewusst vom „neuen Ferienstreik“, mit dem es Weselsky & Co „auf die Spitze“ trieben. Über drei Viertel ausgefallener Züge und „eine Attacke auf das ganze Land“ jammern, den Ausstand und seine Beteiligung andererseits aber kleinreden – wie glaubhaft ist das?

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Es war der Hilferuf der Deutschen Bahn, der das Tarifeinheitsgesetz 2015 auf den Weg brachte – nach erfolglosen Versuchen, Streiks verbieten zu lassen. Keiner hat das Gesetz bislang gebraucht, nicht mal die Bahn selbst. Statt des erhofften Betriebsfriedens tobt dort ein Krieg der Worte, in dem der Egomane Weselsky übers Ziel hinausschießt und seinen Verhandlungspartner einen „Lügenbaron“ nennt.

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Wer will, dass in Betrieben nur der Tarifvertrag der jeweils stärksten Gewerkschaft gelten soll, muss ertragen, dass die Funktionäre darum kämpfen, eben jene Mehrheit zu erlangen – mit Mitgliederwerbung und besseren Tarifabschlüssen als die Konkurrenz. Auch durch Streik.

E-Mail an Michael Rothe

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